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Der Jude · 1928-01-01 · 1 (1928) Sonderheft zu Martin Bubers fünfzigstem Geburtstag · p. 102

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Journal
Der Jude
Volume
10 (1928)
Issue
1 (1928) Sonderheft zu Martin Bubers fünfzigstem Geburtstag
Article
Das Gespräch
Date
1928-01-01
Page
102 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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Ludwig Strauß der Aufklärung und im satten des Klassizismus, im schwingenden Schein des Idealismus und im dämmernden der Romantik gleich dunkel verschlossen beharrt die ungemäße Erscheinung. Wer es vermag, sagt sie tot und redet sie Gespenst an; wer ihre Wirklichkeit wahrnimmt, grenzt sie in möglichst engen Bezirk ein, und das tut, weil auch das Gespenst noch unheimlich sich regt, der Totsagende nicht minder. Die Juden selber, außerhalb des Judentums, reden, ja denken jenen nach; innerhalb bemühen sich immer mehr von ihnen, Herzen und Bücher dem Zeitlicht bloßzudecken und aufzuschlagen, um zu zeigen, wie eigentlich ununterschieden, dem Ort und Tage gemäß, sie in Wahrheit doch seien. Die Großen draußen aber, die noch so schwache Gefährdung ihrer klaren Ordnungen und holden Verwirrungen spürend, wahren sich gegen das nahe, fremde, dennoch, dennoch mitten in der Zeit fortpochende Leben. Die ethnisch-heidnische Religion der puren Dauer vor dem Ewigen, in die der späte Goethe, die Religion des puren Beherrschtwerdens vom Unendlichen, in die der frühe Hegel das Judentum einschränken will, wobei er das altjüdische Wissen um die Gotteskindschaft des Menschen nach Theologenbrauch zu Jesu neuer Botschaft macht, mögen Beispiele sein von Ghettomauern aus Begriffen, in die das mächtig-unbegreifliche Wesen von den Fürsten der Geister gebannt werden soll. Die Stelle aus Friedrich Schleiermachers Reden über die Religion, die uns beschäftigen wird, gibt freilich auch eine begriffliche Einengung des Judentums. Aber sie geht wohl aus stärkerer Beziehung zum Gegenstande, aus tieferer, wenngleich verleugneter Beunruhigung durch ihn hervor, ja ein Hauch von Liebe mischt sich ihren Worten bei, und so wird denn hier mehr erkannt als in jenen Tagen von Einem der anderen Großen. Das Werden echter Einsicht deutschen Geistes in jüdisches Wesen und Wesen des Judentums, das mit Herders Entdeckungen anhob und um die Jahrhundertwende fast erstorben scheint, geht in diesen wenigen Sätzen lebendig fort. In der fünften Rede, genannt „Über die Religionen", sagt Schleiermacher der „natürlichen Religion" der Aufklärung ab, die in ihrem Streben nach reiner Allgemeinheit echtes Leben, das immer an Grenze und Gestalt gebundene, sich verscherze. Kein Religionsgebilde kann die ewige und unendliche Religion allein enthalten; sie ist aber auch nicht als eine endliche Fülle religiösen Stoffs mechanisch aufteilbar unter die verschiedenen Einzelgebilde. Vielmehr muß sie, um unter endlichen und begrenzten Wesen zu erscheinen, zu immer neuen besonderen Formen sich individualisieren, und so sind die positiven Religionen, nur sie, die „bestimmten Gestalten, 102

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