Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 10 (1928)
- Issue
- 1 (1928) Sonderheft zu Martin Bubers fünfzigstem Geburtstag
- Article
- Al Har Hazophim
- Date
- 1928-01-01
- Page
- 51 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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- Safed 1× ep/1046078
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AI Har Hazophim Quellen des Judentums, zum Teil tief unterirdisch, verborgen unter dem Schutt von Jahrhunderten, den man erst fortschaffen muß. Bibel, Sprache, Land und Landschaft, die tausendjährige Kultur und die Denkkategorien der Mischna und Gemara, die Geschichte des Orients, daneben die großartige jüdiseh-europäische Entwicklung, die Mystik und die rationalistische Philosophie — alles unerschöpfliche ewige Quellen des Judentums in Palästina. Decke sie auf und die lebendigen Wasser bieten sich dar zum Trunk. Hier ist die Geburtsstätte von drei großen Weltreligionen, und nicht weit entfernt auch anderer. Der hebräisch-jüdische Lehrstuhl für Religionswissenschaft würde Jahr um Jahr die Lehre? und Denker dieser anderen Religionen nach Jerusalem laden. Welch eine Perspektive! Stehst du auf dem Skopus, dem Universitätsberg, so siehst du im Westen die historische Schönheit und Weisheit Jerusalems und im Osten die düstere, erschreckende Naturschönheit des Jordans, des Gebirges Moab und der Pisgah-Höhen. Für die Vertiefung und Erneuerung der Religion sind Geschichte und Landschaft bedeutungsvolle Faktoren. Vor allem aber ist die Bedeutung der Landschaft für die religiöse Mystik eine Tatsache, die bisher wohl noch kaum hinreichend erforscht ist. Der Baalschein selbst stammte aus dem Gebirge, und eine gewaltige mystische Schule saß in Safed. Wer wird die Propheten und die Psalmen zu verstehen versuchen, ohne das Land der Propheten und Psalmen in sich aufgenommen zu haben? Hier stößt man auf Schritt und Tritt auf Überreste versunkener Kulturen, die zum Teil selbst großartige Werke geschaffen haben. Auch die hebräischen Propheten haben in diesem Teil der Welt ähnliche Trümmer und Ruinen gesehen, und das hat sie zu der Frage geführt, was der Sinn des Menschenlebens und der Geschichte sei; ob auch Israel so untergehen wird wie Tyrus und Sidon, wie Ägypten, Babylonien und Assyrien, wie alle die Reiche, die auf Gewalt und Sklaverei aufgebaut waren. Jerusalem ist der geeignete Ort, um wieder eine Schule der jüdischen Religion, der jüdischen Geschichtsphilosophie, des jüdischen Denkens zu schaffen. Auch die Zeit ist geeignet. Welten sind erschüttert, menschliches Fühlen und Denken aufgewühlt, ethische und soziale Systeme zerrinnen; es gilt, diesem Chaos den Stempel der gestaltenden Persönlichkeit, des schaffenden Volkes, des schöpferischen Geistes aufzuprägen. Schon lauscht man neuen Tönen. Die sie vernehmen, die Glücklichen, haben die Aufgabe, sie anderen mitzuteilen. Sagt doch Bubers Zanser: Es ist wahr, ich klettere in den Welten, aber für ein Fünklein der Furcht Gottes gebe ich alles hin.