Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 1 (1916-1917)
- Issue
- Heft 9 (Dezember 1916)
- Article
- Bücher, die wir empfehlen [Rezension]
- Date
- 1916-12-01
- Page
- 637 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Bücherschau 637 Gern hätte ich dem Werke noch ein ganzes Jahr des eigenen Sammeins und des gemeinsamen Lesens und Erwägens mit osteuropäischen Juden gewidmet. Aber die enge Berührung, in die durch den Großen Krieg Deutschland mit Polen (dies Wort hier im weiteren Sinn) gekommen ist, machte das baldige Vorhandensein eines neuen Hilfsmittels zum Verstehen der von mehreren Millionen dort Lebender geredeten „Jüdischen Sprache" wünschenswert, so wünschenswert, daß ich mich unter Bringung eines persönlichen Opfers zur sofortigen Veröffentlichung des bis dahin von mir Gesammelten entschloß. Das mir erst spät zugänglich gewordene Buch von Alex. Harkavy enthält in dem als „yiddish-english" bezeichneten Teile überwiegend rein Deutsches, also nach meinem Plan Entbehrliches; und das jüdisch-russischeWörterbuch vonLipschytz, das ich noch nicht gesehen habe, aber in diesen Tagen aus Warschau zu erhalten hoffe, wird denen, die des Russischen unkundig sind, nichts nützen können. Unter diesen Umständen veröffentlicht ist mein Buch natürlich unvollständig und auch nicht frei von sachlichen Mängeln. Aber niemand, namentlich kein dieser Sprache kundiger jüdischer Gelehrter, hat vor mir die Lücke auszufüllen unternommen, und ich darf vertrauen, jedem etwas, vielen viel gebracht zu haben. In nicht ferner Zeit hoffe ich, ein besonderes Heft (oder eine neue Ausgabe) mit zahlreichen Zusätzen, auch mit Verbesserungen erscheinen lassen zu können; jeder Beitrag dazu wird mir willkommen sein. Ich möchte diese Gelegenheit benutzen, um einige störende Fehler richtig zu stellen. Seite 4b utschastok „Polizeiwache*1; 31b baal takse „Pächter der Fleischbänke" eines Orts; 66b zeier „ihr" nur auf mehrere bezüglich; 78a Zeile 1 tchörz; 84b Z. 2 ist vor „Anfang eines Gebets" einzufügen „jaaleh thachanunenu"; 102 mezumman „der zum Sprechen des Tischgebets Bestimmte* •; 105 mieschtschan „Kleinbürger"; 16 bei nidscheh lies „Fasttag"; 152 fersägen „verbieten", tilge „nicht"; 169 koppdrehenisch „Kopfzerbrechen"; 204 taschlich „1. Neujahrstag"; futterfass „Futteral". 1DN Ü)*b Dl* Berlin-Lichterfelde West, 24. Nov. 1916. Prof. Hermann L. Strack Bücher, die wir empfehlen Der Born Judas. Legenden, Märchen und Erzählungen. Gesammelt von M.J.binGorion. Erster Band: Von Liebe und Treue. Leipzig, im Inselverlag. (Wir werden diesem bedeutsamen Werk demnächst eine eingehende Besprechung widmen.) Die Judenfrage als wissenschaftliches und politisches Problem. Von Sigbert Feuchtwanger, Doktor der Staatswissenschaften (München). Berlin, Carl Heymanns Verlag 1916. (Der noch mit allerlei Unzulänglichkeiten behaftete, aber als solcher wichtige und anerkennenswerte erste Versuch einer methodischen Behandlung der zeitgenössischen Literatur über die Judenfrage.) Die Juden im Zartum Polen. Ein geschichtlicher Überblick von Dr. Josef Meisl, Bonn, A. Marcus und E. Webers Verlag 1916. (Ein zur ersten Information sehr geeigneter Auszug aus einem größeren Werk über die Geschichte der polnischen Juden, von dem wir hoffen, daß es bald erscheinen wird.) Jüdischer Nationalkalender auf das Jahr 5677 (1916—1917) 2. Jahrgang. Herausgegeben von Otto Abeles und Ludwig Batö. Wien 1916, Verlag „Jüdische Zeitung*'. (Aus dem reichhaltigen Inhalte heben wir besonders den Aufsatz „Vom Leben einer toten Sprache" von Heinrich Loewe hervor, in dem allerlei Wissenswertes über die Anfänge des gesprochenen Hebräisch in der palästinensischen Siedlung steht; unter den Illustrationen ist ein schönes, bisher unbekanntes Porträt von Moses Hess.) Skizzen aus Litauen, Weißrußland und Kurland. Von Hermann Struck und Herbert Eulenberg. 60 Steinzeichnungen. Hergestellt in der Druckerei des Oberbefehlshabers Ost. Verlag von Georg Stilke, Berlin 1916. (Von jüdischen Typen sind in besonderer Weise der „jüdische Gepäckträger", die beiden jüdischen „Fuhrleute" und der „jüdische Maurer" zu nennen; diese vier Blätter zusammen geben ein kräftiges Stück ostjüdischer Wirklichkeit.) Das jüdische Prag. Eine Sammelschrift. Herausgegeben von der Redaktion des „Selbstwehr", unabhängige jüdische Wochenschrift in Prag II, Tuchmachergasse 34. (Ein in seiner Vielfältigkeit u. Einheitlichkeit einzigartiges Buch.) Dreibuch. Jüdischer Verlag, Berlin. (Drei Publikationen des Jüdischen Verlags, die Erzählungen und Skizzen von Perez, Scholem Aleichem und Goreik sind hier mit einer bemerkenswerten Einleitung von Max Brod zu einem Band zusammengefaßt.) Polen und Juden. Zeitgemäße Betrachtungen von Dr. Max Rosenfeld. R. Löwit Verlag. (Ein wohlfundierter und temperamentvoller Exkurs unseres Mitarbeiters.) Tagebuch für die jüdische Jugend. Herausgegeben von Joseph Marcus, Blau- Weißführer. R. Löwit Verlag. (Ein noch etwas unsicheres Büchlein, das aber manches Echte und Erfreuliche enthält.)