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Der Jude · 1925-01-01 · 3 (1926) Sonderheft Judentum und Deutschtum · p. 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
9 (1925-1927)
Issue
3 (1926) Sonderheft Judentum und Deutschtum
Article
Die Juden unter den Deutschen
Date
1925-01-01
Page
8 (sequence 8)
Language
German
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Walter Sulzbach hervorbringen müsse. Der nationaldeutsche Jude schließt sich deshalb im Inhalt der Forderungen, die er an die eigenen Stammes- und Glaubensgenossen richtet, in seinem sehr ernst gemeinten „Höre Israel'c ganz der antisemitischen Ideologie der oberen Klassen der christlichen Gesellschaft an. Es gehört kein besonderer psychologischer Scharfblick dazu, die Aussichtslosigkeit der nationaldeutschen Bewegung zu prophezeien. Sieht man selbst ganz ab von der sehr problematischen Wirkung auf die Nichtjuden, denen das Werben gilt — wie soll ein „Ideal" von der Art des jüdisch-nationaldeutschen jemals die packende Zugkraft ausüben können, ohne die noch nie einer Massenbewegung Erfolg beschieden war? Die Bewegung hat ihr Endziel erreicht, wenn einmal die Deutschen die Juden als ihresgleichen anerkennen. Ist schon die Tatsache einer solchen Zielsetzung eines alten Kulturvolkes unwürdig und einer Zeit, die die feudalen Begriffe von hoch und nieder geboren wenigstens theoretisch nicht mehr gelten lassen will, schwerlich entsprechend, so kommt noch hinzu, daß der erstrebte Erfolg durch eigene Tatkraft prinzipiell überhaupt nicht erreicht werden kann, sondern vom Belieben der Umworbenen abhängig ist. Wie die Fortschritte, die ein Kaufmann oder Erfinder in seiner Laufbahn macht, mehr ein Werk seines eigenen Tuns und Lassens sind als das Avancement eines Beamten oder Offiziers, das vom Placet eines engen Kreises von Vorgesetzten abhängt, ebenso ist Gelingen oder Mißlingen der nationaldeutsch-jüdischen Bewegung weit mehr in die Hände der Christen als die der Juden gegeben. Aber Liebe läßt sich nicht erzwingen, und der Gedanke, sich durch wohlanständiges Verhalten Sympathien zu erwerben, ist so wenig hinreißend und wohl auch so wenig fähig, Selbstverleugnung und Aufopferung bei seinen Gläubigen hervorzubringen, daß dem jüdischen Gemeinschaftshandeln im Sinne der Bewegung der nationaldeutschen Juden unmöglich irgendwelche Chancen zugesprochen werden können. Den hinreißenden Gedanken, der Berge versetzen kann, besitzt der Zionismus. Er will die Judenfrage dadurch lösen, daß er sich von den Wirtsvölkern abwendet. Was eine Bewegung stark und erfolgreich machen kann, findet sich hier: der Glaube an die eigene Kraft, der Wille zum Kampf, der nationale Mythus im Sinne von Sorel. Ob ein jüdisches Palästina imstande sein wird, die Judenfrage zu lösen, steht an dieser Stelle nicht zur Diskussion. Einen anderen Charakter wird sie ihr auch für die in der Diaspora verbliebene jüdische Mehrheit auf alle Fälle geben. Mag das zionistische Argument dahin gehen, daß die Wirts Völker mit ihren Antipathien zwar im Unrecht sind, daß die S

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