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Der Jude · 1925-01-01 · 2 (1926) Sonderheft Erziehung · p. 11

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Journal
Der Jude
Volume
9 (1925-1927)
Issue
2 (1926) Sonderheft Erziehung
Article
Die Problematik der jüdischen Erziehung
Date
1925-01-01
Page
11 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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Die Problematik der jüdischen Erziehung unsere abnormale Situation im Hinblick auf die Erziehung besteht. Bei einem Volke, das geeint und gesichert auf eigenem Boden lebt, bildet die Gemeinschaft selbst den stärksten und wirksamsten erzieherischen Faktor. Der einzelne Erzieher, und mag er der genialste Mensch sein, ist nichts als der Vollstrecker des Willens seiner Gemeinschaft. Er wird in seinem Wesen und seinem Werke die Tendenzen des Volksgeistes besonders rein darstellen, wird das so vollendet als möglich zum Ausdrucke bringen, was in der Gemeinschaft als einem Ganzen als Möglichkeit angelegt ist oder dynamisch sich durchringt. Die Wirkung des Erziehers ist bedingt durch die unaufhörliche, anie ermattende Wirkung der Gesamtheit seiner Volksgenossen, einer Gesamtheit, die gleich einer Atmosphäre, einem Lebenselement das einzelne Individuum umgibt und umhegt und, ihm selbst unbewußt, sein Wesen formt. In steter Wechselwirkung zwischen erzieherisch-schöpferischem Einzelindividuum und der Volksgemeinschaft vollzieht sich der Prozeß der Erziehung. Der geniale Erzieher wird in seltenen Augenblicken diesen Prozeß entscheidend zu beeinflussen, ihn zu erhöhen und zu steigern vermögen. Wesentlicher aber und augenfälliger ist die Erziehung durch die Gemeinschaft, der sich keines ihrer Glieder zu entziehen vermag. Uns fehlt die Gemeinschaft im strengen Sinne, und dort, wo sie noch besteht, ist sie vom Untergang bedroht. Die Brandung fremder Kulturen schlägt unaufhörlich an das Haus unserer — nationalen oder religiösen — Gemeinschaft und droht alles zu überfluten und fortzuschwemmen, was ihr noch Widerstand leistet. Aus diesem Zustand resultiert die tragische Situation des Erziehers. Er kämpft auf anscheinend verlorenem Posten. Er wehrt sich von innen heraus gegen die äußere Natur der Dinge, die stärker und mächtiger scheinen als er. Er entbehrt des Schutzes und der Hilfe einer starken und gesunden Gemeinschaft. Seine Aufgabe ist es, Gemeinschaft zu bilden. Doch wie soll, wie kann er das vollbringen? Während sonst, bei normalen Völkern, durch das bloße Leben im Volksganzen sowohl, wie in den Einzelnen in jedem Augenblick ein untrüglicher Instinkt wach wird, der deutlich sagt, wessen das Volk für seine geistige Existenz bedarf, ist bei uns dieser Instinkt mangels einer Gemeinschaft geschwächt, ja er droht den Wenigen, die ihn durch ein inniges Verbundensein mit dem jüdischen Leben noch besitzen, verloren zu gehen. Bei anderen Völkern können entgegengesetzte Richtungen wohl nebeneinander bestehen, weil sie gesunde Triebe, real vorhandene Wesens- und Willenstendenzen des Volkes in Wirklichkeit und ii

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