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Der Jude · 1925-01-01 · 1 (1925) Sonderheft Antisemitismus und Volkstum · p. 132

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Journal
Der Jude
Volume
9 (1925-1927)
Issue
1 (1925) Sonderheft Antisemitismus und Volkstum
Article
Die Sendung des Juden
Date
1925-01-01
Page
132 (sequence 1)
Language
German
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BEMERKUNGEN Die Sendung des Juden Eine der beiden sozialen Aufgaben des Jahrhunderts erblicke ich in der Zusammenfassung Europas. Unter dem Geist in seinem Flugzeug wirken auf der festen Erde für diese Aufgabe vier Gruppen: die Internationale, die Börse, der Vatikan und die Juden, sämtlich miteinander verbunden. Ich halte die Juden nicht für das Salz der Erde, aber für den Pfeffer Europas. Da sie zugleich alle Volkskulturen gefördert haben, in denen sie lebten, kann ihr europäisches Gefühl den Staatsgedanken nirgends gefährden. Vor allem macht sie zu Wegebereitern eine idealistische Hingabe, wie sie sonst nur junge Völker belebt; in den letzten Revolutionen hat sie sich ebenso bewährt wie im neuen Palästina. Wenn sie vermeiden, durch amtliche Führung die Eifersucht ihrer Wirte zu wecken, können sie die Entwicklung des Jahrhunderts zu Europa hin entscheidend mitbestimmen. Emil Ludwig Entschuldbarer und unentschuldbarer Antisemitismus Ich begreife es sehr wohl, wenn jemand Eigenschaften, die nach seiner Meinung oder nach herrschender Ansicht, vielleicht auch nach objektivem Urteil für das Judentum im Ganzen oder große Schichten desselben bezeichnend sind, unsympathisch findet,oder wenn er diese Antipathie auf die Juden oder das Judentum im Ganzen ausdehnt. Das ist noch kein Antisemitismus, und wenn man es vielfach dafür hält, besonders auf jüdischer Seite, so zeigt das nur, wie sehr diese Frage, eben dank dem Antisemitismus, von falscher Empfindlichkeit auf der anderen Seite beherrscht wird. Es kann jemand, ohne Antisemit zu sein, erklären, daß er im allgemeinen die Juden nicht mag, bo gut, wie ein anderer ganz unbefangen sagen mag. daß er die Franzosen oder die Engländer, oder die Deutschen, oder die Berliner nicht mag. Freilich sind solche Sammelurteile immer sehr bedenklich, besonders wenn sie sich zu blinden Vorurteilen bei Bewertung der einzelnen Menschen, die unter den Sammelbegriff fallen, auswachsen. Aber das gilt von den Vorurteilen gegen Franzosen, Engländer, Deutsche oder Berliner, wie von ienen gegen die Juden, nur daß diese schwerer davon getroffen werden und daß der Weg zum Antisemitismus mit solchen Sammelurleilen und Vorurteilen gepflastert ist. Ich begreife es auch, wenn jemand den Einfluß, den das Judentum auf unser öffentliches Leben, auf die Politik, auf die Wirtschaft, auch auf das geistige Leben, die Literatur, das Theater, die Presse und die literarische Kritik ausübt, für vorwiegend unheilvoll erklär* Das ist auch noch kein Antisemitismus. Man sollte darüber so ruhig diskutieren können, wie über den Einfluß etwa des Adels, des Bürgertums, des Proletariats, des Liberalismus, des Kapitalismus oder des Marxismus auf die verschiedenen Seiten des öffentlichen Lebens. Ich kenne entschiedene Gegner des Antisemitismus, die dem Einfluß des Judentums auf deutsches Geistesleben mit schweren Bedenken und scharfen Antipathien gegenüberstehen. Ich begreife es allenfalls noch, wenn jemand, der politisch nicht geschult ist, sich verleiten läßt, dem einen oder anderen Vorschlag seine Zustimmung zu geben, der darauf abzielt, jüdischen Einl32

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