Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 9 (1925-1927)
- Issue
- 1 (1925) Sonderheft Antisemitismus und Volkstum
- Article
- Der Jude der Bestimmung
- Date
- 1925-01-01
- Page
- 85 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Judö der Bestimmun«: mich der Jude der Diaspora der Jude der Bestimmung ist; das ist meine unerschütterliche Ueberzeugung, trotz aller Uebel und aller Leiden, oder vielmehr wegen der Übel und Leiden. Natioen gibt es viele; leider. Die Juden haben keine Nation zu sein. Und Volk können sie nur sein — unter den Völkern, oder über ihnen. LEON BLUM Jju&e un$ JFtanjofe*) Wenn ich überlege, welche Gefühle es gewesen sind, die mich veranlaßt haben, an der zionistischen Bewegung einen Anteil zu nehmen, der, wie ich hoffe, immer aktiver werden soll, so möchte ich fast glauben, daß das erste dieser Gefühle das der Bewunderung war. Wenn man zehn oder zwölf Jahre zurückdenkt, wenn man versucht, sich vorzustellen, wie zart, wie gebrechlich zu jener Zeit die zionistischen Hoffnungen gewesen sind, und wenn man sieht, was heute besteht, was verwirklicht wurde; wenn man bedenkt, daß die Heimstätte in Palästina etwas ist, was wirklich existiert und auf Grundlagen beruht, die heute so sicher und fest sind, daß man sich kaum mehr vorstellen kann, irgendein Ereignis könnte sie erschüttern; wenn man bedenkt, daß es dort ein richtiges modernes Staatswesen gibt, das in vieler Hinsicht vielleicht an der O 7 Spitze der Zivilisation marschiert, dasi seine Verwaltung, sein Budget, alle seine Organe hat, das heute imstande ist, monatlich 3ooo Emigranten aufzunehmen; und wenn man sich fragt, wie ein solches Wunder geschehen konnte — dann muß man sich natürlich klar darüber sein, daß dies nur durch ein Zusammentreffen außergewöhnlicher Umstände möglich gewesen ist, von denen leider der Krieg der erste und ausschlaggebendste war; man muß sich klar darüber sein, daß dies das Ergebnis einer ungeheueren Gemeinschaftsanstrengung ist, eines ungeheuren Phänomens der Treue, für das vielleicht das jüdische Volk das einzige Beispiel ist. Man muß sich Rechenschaft darüber ablegen, daßi dies das Ergebnis der Bemühungen einiger Männer ist, die wir heute nicht vergessen dürfen und die die größten Pioniere gewesen sind. Aber man muß sich auch sagen, daß an erster Stelle bei diesem Werk die Leistungen VVeiznianns stehen, die vielfältigen Leistungen, die seiner Energie, seiner Beharrlichkeit und Fähigkeit zu danken sind, dieser unermüdlichen, fast unglaublichen Aktivität, dieser Gabe der physischen und geistigen Allgegenwart, die es ihm ermöglicht, zu gleicher Zeit *) Piede auf einem Bankett 7,u Ehren Prof. Wemnanns am lü. Dezember iC):>.4 in t^ris. Die deutsche 'Übersetzung-erfolgte nach dem französischen Stenogramm. Anm. d. lled.