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Der Jude · 1925-01-01 · 1 (1925) Sonderheft Antisemitismus und Volkstum · p. 8

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Journal
Der Jude
Volume
9 (1925-1927)
Issue
1 (1925) Sonderheft Antisemitismus und Volkstum
Article
Der Jude in der deutschen Gegenwart
Date
1925-01-01
Page
8 (sequence 8)
Language
German
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Hermann Stehr das Pech, ein springlebendiges Massenwesen zu sein, Rarität im Ganzen, nicht im Einzelnen: und das schadet uns bei euch und auf der ganzen Erde und sogar bei einer Mehrzahl von unseren eigenen Menschen. In fünfzig Jahren ist Döblin deutsches Barock, Werfe! ein Nachfahr des Angelus Silesius, ich einer Eichendorffs, Sternheim ein sächsischerer Lessingsproß, die Lasker-Schüler westfälische Droste-Tochter, Rorchardt und Hofmannsthal römische Goethe-Enkel über George gezüchtet, Jakob Wassermann vielleicht ein Franke wie der Kriminalist Feuerbach, Moritz Heimann ein Märker, Kerr berlinisch wie K. Ph. Moritz, nur spitzig-prägnanter — kurzum, halb spaßend, halb ernsthaft, jeder von uns in die Landschaft gegliedert, die ihn groß wachsen sah — und. die Oesterreicher Beer-Hofmann, Karl Kraus, Arthur Schnitzler, Polgar werden ebenso österreichisch erscheinen wie all die starken Prager Deutschjuden, Adler, Weiß, Brod, Ungar und wie viele noch den Ruhm des Deutschböhmentums erhöhen helfen — soweit sie nicht, wie wir alle, von der konkaven Linse des Vergehens kleingeblickt, und später wieder einmal vom Fleißo eines ausgrabenden Zeitgeschmacks großgesehn werden sollten. Damit schwimmen wir, auf und ab, im Flusse eures Werdens und Pieifens, und zugleich, auf und ab, in dem des jüdischen Geistes und Schicksals der Diaspora, der Galuth: und heißen das gelassen gut. Das Leben ist vielfältig, kein wirkliches Wesen hat nur eine Sichtseite, reliefartig, alle sind rund, bizarr, in allen Perspektiven anzusehn, jederzeit bewegt — lebendig eben. Und damit ist unser Gesetz uns vorgeschrieben, und wir folgen ihm mit der ganzen Lust der Freiheit und des hohen Schicksals. Wo wir zu fördern hoffen, werden wir uns einsetzen, hier für euch und für uns, drüben für die Araber und für uns. Denn wir, alte unbeugsame Herzen, geprüft und nicht gebrochen, gealtert, aber nicht zerstört, wir sind die Freunde und Mitkämpfer aller, die den großen Ausgleich wollen, das Vertragen der Menschen auf der Erde, den Geist guten Willens — weil wir die alten Liebhaber des Lebens und der Erde und ihrer beider echte Kinder sind. HERMANN STEHR B c m cxf u n g tu %um &ntiftmitt&uiu& Der Gedanke und die Hoffnung, dunkle, verworrene, schicksalsvolle Lebensverhältnisse durch Diskussion zu einer friedevollen, klaren Umschichtung zu bringen, ist so alt wie die Menschheit. Seit je ist es versucht, nie ist es erreicht worden. Denn Geist und Wirklichkeit Gedanke und Leben decken sich nicht vollkommen. Wir 8

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