Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 8 (1924)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Die jüdische gewerbliche Arbeit in Polen
- Date
- 1924-01-01
- Page
- 491 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3101111-3101201-3101209-3109552--7258-3109627- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Umschau: Wirtschaft — Geschichte 491 Durchschnitt des gesamten von uns behandelten Gebietes, so sind in diesen zwei Gruppen fast drei Viertel der jüdischen Arbeit zusammengeballt. Bevor wir jedoch weitere Schlüsse ziehen, wollen wir die Gruppe „tertiär - mittlere Stadien" näher betrachten. Ihre Schwankungen entsprechen in umgekehrter Richtung derjenigen der „letzten Stad en" und hängen in erster Linie von der Rolle der Textilindustrie ab. Auf diese kommen wir noch zurück. Was die anderen in diese Gruppe fallenden Industriezweige anlangt, so ist zu ihrer richtigen Beurteilung ein genaues Eingehen auf die Detailziffe-n notwendig. Was stellt sich da heraus? Die 4867 in der Metallindustrie beschäftigten Juden verteilen sich auf die einzelnen Fächer wie folgt: Klempner 1011, Schlosser 592, Schmiede 498, Juweliere und Goldschmiede 346, Messingschmiede 182, Kupferschmiedego, Bronzierwerkstätten 129, mechanische Werkstätten 289, Herstellung von Metallbetten 116, Lampen und andere Beleuchtungskörper 108, Metallknöpfe 302, Silbertäschchen 363, Galvanisierung 50, Herstellung von Blechschachteln 162, Metallbijouterie 50, Schuhknöpfe 57; alle anderen Fächer sind mit weniger als 50 Arbeitern vertreten (Drahtherstellung, Walzerei, Produktion von Metallgeschirr, Metallöfen, Nägel u. a.). In der Maschinen- und Apparatenindustrie nehmen die Uhrmacher mit 899 Beschäftigten die erste Stelle ein, dann folgen die Zahntechniker (344), Wagner (127), Herstellung von Wagen und Gewichten (120), Zigarettenhülsenmaschirien (119), landwirtschaftliche Maschinen (111), elektrotechnische Materialien (48), optische Instrumente (45) usw. Von den 2470 in der Bauindustrie Tätigen sind 941 Bautischler, 428 Baumaler, 330 Glaser, 264 Ofensetzer, 196 Bauspengler und Dachdecker, 103 Elektrizitätsinstallateure, 101 Schildermaler, 45 Bauschlosser, 42 Schindelmacher, 20 Gasinstallateure. Man sieht: auch hier haben wir es in Wirklichkeit mit Arbeitszweigen zu tun, die eigentlich zum allergrößten Teil nicht in die Kategorie der sekundären mittleren Stadien, sondern in jene der letzten Stadien eingereiht werden müßten. In der Metallindustrie sind es nicht Eisen- und Stahlproduktion, sondern Klempner, Schlosser, Schmiede, Juweliere; m der „Maschinenindustrie" nicht wirkliche Maschinenbauer, sondern Uhrmacher, Zahntechniker, in der Bauindustrie Bautischler, Zimmermaler, Glaser, Bauspengler, nicht einmal Zimmerer und Maurer. Und so kann festgestellt werden, daß auch diese Enquete die alte Erfahrung bestätigt, daß die jüdische Arbeit in erster Linie in den Endstadien der Produktion beschäftigt ist, also in der Herstellung von Gegenständen, die dem unmittelbaren Konsum oder Gebrauch dienen, nicht aber in der Produktion von Produktionsmitteln. ,,Die trockenen Zahlen besagen, daß die Juden gerade den wichtigsten, den sichersten, den einflußreichsten Produktionszweigen fernstehen, jenen Zweigen, um die sich das Rad der Geschichte dreht. Statt in die gesunden kräftigen Zentren des ökonomischen Lebens einzudringen, verbreiten sich die jüdischen Massen an seiner Peripherie, auf seiner Oberfläche. Das Schicksal der Gesellschaft ist nicht im mindesten abhängig von der Nadelindustrie, von der Bäckerei, von der Tabakfabrikation. Alle Fäden der Arbeit und Entwicklung laufen durch die zentralen Berufe: die Landwirtschaft, die Viehzucht, die Erzgewinnung, den Eisenbahn- und Seeschiffahrtsverkehr — bis weit zur Oberfläche des sozialen Lebens, zum Markt der fertigen Industrieprodukte."*) Ob und wie weit die Textilindustrie diese Sachlage wesentlich zu ändern vermag, soll später untersucht werden. Berl Locker GESCHICHTE Aus Israels Vergangenheit und Gegenwart Eine Bücherschau2) I. Der 68. Psalm ist ein Sieges- und Dankeslied voll seltener Kraft. Manche seiner Gedanken haben Ähnlichkeit mit den großen Freudenhymnen, die wir bei Deuterojesaja finden. Ewald hat daher diesen Psalm in die Periode der Erbauung des zweiten Tempels versetzt. In späterer Zeit ist er der allgemeinen Tendenz entsprechend bis in die Makx) Borochow: „Wirtschaftliche Entwicklung des jüdischen Volkes." *) William Walter Cannon: The 68 th Psalm. Cambridge University Press 1922.