Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 8 (1924)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Hachschara
- Date
- 1923-01-01
- Page
- 148 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Arjeh Tärtakower: Viele und viele Wandlungen, Fügungen, Ereignisse und Schicksale gehen über jeden einzelnen hin, der ins Land kommt,'bis er sich ihm einfügt, und er an seinen Steinen Freude hat und seinen Staub liebt und die Ruinen des Landes Israel ihm lieber sind als ein Palast im Ausland und trockenes Brot hier ihm lieber ist als alle Leckerbissen draußen. Aber nicht in einem Tag und nicht in zweien, nicht in einem Monat und nicht in einem Jahre, sondern manches Jahr geht hin, bis die Tage der Aufnahme vorüber sind, seiner Aufnahme ins wahre Leben. Dann aber wohnt er in der Heimat, ständig vor Gott, wie es heißt: ,,ein jeglicher wird dort geboren", das heißt, ein jeder, der zum Heiligtum kommen will, braucht eine neue Empfängnis und Säuglingszeit, Kindheit, Jugend usw., bis er unmittelbar das Antlitz des Landes schaut, und seine Seele der des Landes verbunden ist. Und so ist es: Wer herkommt und bringt sein Wissen mit, jeder, was er sich nach seinen Graden erworben, der fügt sich anfangs nicht ein, sein Sinn wird geradezu verwirrt, er wird umhergeworfen, ohne Ruhe und Sicherheit zu finden, steigt himmelhoch auf, versinkt in Abgründe, wie ein Schiff, das auf dem Meere umhergeworfen wird, und'er schafft anderen Mühe durch seine Angelegenheiten und Handlungen. Und von seiner Lebenshaltung in Thorah und Geboten gilt: was war, ist nicht mehr — bis Gott ihm das Antlitz des Landes zeigt, dann kommt er zu Ruhe und Frieden. Aber dies ist eine Sache, die kein festes Maß hat: Länge der Zeit, wie, wieviel und wann — all das richtet sich bei einem jeden nach seinen Angelegenheiten und Taten und der Urwurzel seiner Seele. Und darum halte sich jeder, der ganz in das Heilige Land hineinkommen will, dies alles vor Augen und prüfe sich, ob er Kraft hat, all das zu bestehen, damit er nicht auch, was er bisher noch hatte, verliere. ARJEH TÄRTAKOWER / ZUR GESCHICHTE DES JÜDISCHEN SOZIALISMUS l> IV. Die innere Entwicklung bis zum Weltkrieg. A. Gewerkschaftsbewegung und Anarchismus. Zugleich mit der Entstehung und Entwicklung der politischen sozialistischen Bewegung wuchs unter der jüdischen Arbeiterschaft eine andere, oft auf das innigste mit ihr verknüpft und in starkem Maße durch sie beeinflußt: die Gewerkschaftsbewegung. Das gegenseitige Verhältnis der Vgl. die beiden ersten Aufsätze in Heft 9 und io/n des vorigen Jahrganges un<i Heft x des laufenden Jahrganges.