Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 8 (1924)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die "Achduth"
- Date
- 1923-01-01
- Page
- 126 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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126 Umschau: Bibelwissenschaft hat sich vieles geändert. Probleme, um die vor 20 Jahren heiß gekämpft wurde, sind in ein Nichts zerronnen. Auch Prinzipien sind wandelbar. Diese Erkenntnis hat mit zur Begründung der „Achduth" geführt. Glaubte man bisher, die Differenzierung in der Orthodoxie sei eine naturgegebene und nur in der Beschränkung auf den gesionungsgenössischen Kreis sei eine stetige Entwicklung gewährleistet, so verlangt die Konstellation des Augenblickes hier eine Nachprüfung. Was zu Zeiten des Kampfes um den Austritt aus der Gemeinde Notwendigkeit war, muß es heute nicht mehr sein. Das soll natürlich nicht heißen, daß die separatistische Anschauung keine Berechtigung hat, weil das Verlangen nach Einheit vorhanden ist und nicht das nach Trennung.^ Nur die Tatsache soll damit ausgesprochen sein, daß sowohl in unserem Kreise als auch nach außen hin die Vertretung der gesetzestreuen Interessen nicht mehr in die Hände separatistisch eingestellter Männer und Verbände gelegt werden darf. Die Gründe dafür, und deswegen mußte diese Auseinandersetzung geschrieben werden, sind wahrhaftig nicht „gekränkter Ehrgeiz" oder „persönlicher Haß gegen einzelne Persönlichkeiten", wie man in der gegnerischen Presse behauptet hat. Sondern einzig und allein die historische Entwicklung in der Orthodoxie hat diese Konstellation herbeigeführt, die in ihren Ursachen weiter zurückreicht, als es im Augenblick scheinen mag. Die große Menge derer, die des Parteihaders müde sind, und derer, die den Anschluß an bestehende Organisationen nicht finden konnten, haben den Anstoß zu der neuen Bewegung gegeben. Nicht Feindschaft, nicht Kampf gegen andere Organisationen hat „Achduth" auf ihre Fahnen geschrieben. Friedlich wird sie ihres Weges gehen, ohne auf Vorteil und Vorurteil zu achten. In der Einheitsidee selbst liegt schon die. Gewähr für die Zukunft. Und nicht zuletzt wird man der geistigen Struktur der,, Achduth" die Stellung einräumen, weiche einer orthodoxen Organisation, die nach gleichen Rechten und Pflichten ihre Mitglieder einordnet, zukommt. Durch Sammlung aller Kräfte unter einer starken, zielbewußten Führung wird es der Orthodoxie in Deutschland möglich werden, der inneren Zersplitterung Herr zu werden. Nur so wird die alte Kehillah, deren Entwicklung durch unjüdische Erscheinungen jäh unterbrochen wurde, in ihrer alten Größe und umfassenden Bedeutung wiederhergestellt werden. Alberto Jonas BIBELWISSENSCHAFT Erwiderung Nachdem ich erst jetzt von befreundeter Seite her auf die Besprechung meines Buches „Die messianischen Weissagungen usw." aufmerksam gemacht worden bin, die in dieser Monatsschrift 1923, S. 671 f. veröffentlicht worden ist, muß ich um die Erlaubnis bitten, eine Beleuchtung dieser Rezension meinerseits dem Leserkreise dieser Zeitschrift vorlegen zu dürfen. Die Bemängelungen meiner literarischen Tätigkeit, die vom Rezensenten mit der Besprechung jenes Buches verknüpft worden sind, gehen aber zunächst und hauptsächlich von formalen Gesichtspunkten aus. Denn in erster Linie erregt meine schriftstellerische Leistung in quantitativer Hinsicht das Mißfallen des Rezensenten. Aber abgesehen davon, daß, wenn dies berechtigt wäre, dann z. B. die bekannten Forscher v. Harnack und Ed. Meyer ebendenselben Tadel angehängt bekommen müßten — soll es denn überhaupt Mode werden dürfen, daß das Streben nach Ausnützung der gottverliehenen Kraft und Zeit als eine Untugend verunglimpft werden darf? Ich meinerseits werde jedenfalls bei der Anschauung bleiben, die darüber in den Sprüchen Salomos (12, 24. 27 usw.) vertreten ist. Ferner ein anderer formeller Vorwurf wird vom Rezensenten deshalb gegen mich erhoben, weil ich es „als meine Aufgabe ansähe, zu allem, was nur irgendwo erscheint und mit dem A. T. in Beziehung steht, ohne Verzug mein Votum abzugeben". Aber vor allem ist in diesem Worten eine dem Tatbestand nicht entsprechende Übertreibung enthalten, und sodann ist in ihnen nicht berücksichtigt, daß ich als Senior unter den akademischen Vertretern der alttestamentlichen Wissenschaft in erster Linie dazu verpflichtet bin, dieses Forschungsgebiet vor unbegründeten Aufstellungen zu bewahren. Sollte ich also nicht das Recht besitzen, z. B. die herostratische Brandfackel auslöschen zu helfen, die von Delitzsch in seiner Kampfschrift „Die große Täuschung" in das Heiligtum der israelitischen Religionsgeschichte geschleudertwurde? Meine Gegenschrift durfte ja auch bald in vier Auflagen erscheinen, ist also auch durch die Tatsache, abgesehen von den ihr gespendeten Lobsprüchen, als verdienstlich anerkannt worden. Sodann wird das Buch, um dessen Besprechung es sich handelt, zum Anknüpfungspunkt genommen, um meine schriftstellerische Produktion überhaupt we-