Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 7 (1923)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Juden als Edelschmiede
- Date
- 1923-01-01
- Page
- 734 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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734 Umschau: Bildende Kunst scher Silberschmiedearbeiten.1) Wie wir von Borchardt hören, wohnen in Suleithanije, seinem Sammelort, ungefähr iooo Juden, die zum größten Teile kleine Händler sind. Nur einen Gewerbezweig beherrschen sie vollständig: das Edelschmiedegewerbe. 30 Juden üben hier im Bazare dieses Handwerk aus. Von 8 Werkstätten waren 7 jüdisch, und der eine mohammedanische Kurde gab seine Werkstatt nach einem Monat wieder auf, denn seine Volksgenossen gingen weiter zu den besser arbeitenden jüdischen Schmieden. Bei den Juden stand ja dieses Gewerbe stets in hohen Ehren, und in diesen Landstrichen waren sogar sie allein imstande, Scheidesäuren herzustellen, so daß sie dadurch Münzmeister des Schahs von Persien wurden. Bei der Bearbeitung der Sammlung war die Frage zu behandeln, ob hier jüdische oder kurdische Arbeiten vorliegen. Die jüdischen Kunsthandwerker haben stets im Geschmacke ihrer Wirts Völker gearbeitet. Hier im Orient besitzen wir aber einen riesigen Kunstbezirk, der von Zentralasien bis nach dem Balkan reicht, so daß es sehr schwer ist, bestimmte Ornamente zu lokalisieren. Nur an Ort und Stelle ist so etwas möglich. Hier hatte aber der Sammler Gelegenheit, sich über Verfertigter und Verfertigung zu informieren. Borchardt kannte durch seine Stellung als Dolmetscher viele der Eingeborenen, und besonders mit den jüdischen Silberschmieden hatte er sich im Laufe der Monate angefreundet. Es liegt also kein Grund vor, den Aussagen der Silberschmiede über ungefähres Alter und Verfertiger zu mißtrauen. Trotz dieser Voraussetzungen stehen sich die Ansichten der beiden Verfasser ganz entgegen, und ich muß feststellen, daß Berliner mit seiner Ableitung der wichtigen Stücke I—V von europäisch neuzeitlichen Stilprinzipien meiner Meinung nach vollständig Unrecht hat. Borchardt kann sich bei Flächeneinteilung und Dekorierung in jeder Weise auf einheimische Kunstableitungen stützen. Wir finden im großen Maße hier alte sassanidische und auch zentralasiatische Motive und Techniken. Er hat in seiner Abhandlung sehr richtig auf die *) Berliner, Rudolf und Borchardt, Paul: Silberschmiedearbeiten aus Kurdistan. Mit 15 Textabbildungen und 20 Tafeln. Berlin (Dietrich Reimer, Ernst Vohsen) 1922: Grundpreis 15 M. hervorragende Arbeit vor Smirrnoff hingewiesen. Falls die zentralasiatischen Motive jemanden stutzig machen sollten, so möchte ich an folgendes erinnern: Wir haben seit frühen Zeiten geschlossene Judensiedlungen von Samarkand bis nach Westkurdistan. Unter diesen Gemeinden fand ein ständiger Verkehr statt. Sie alle standen im Mittelalter unter Kontrolle des jüdischen Oberhauptes in Bagdad. Es ist deshalb nicht schwer anzunehmen, auf welchem Wege diese zentralasiatischen Motive zu den kurdischen Juden gekommen sind. Das Gleiche gilt auch von dem Alter der Stücke. Die Juden saßen in der Nähe Suleimanijes, das erst 1788 gegründet wurde, seit langer Zeit. Ein „hohes*' Alter würde ich aber trotzdem den Stücken nicht beilegen, trotzdem dieses bei den konservativen Orientverhältnissen nicht ausgeschlossen wäre. Ich würde aber mindestens den Silberschmieden folgen und mit Borchardt einen Teil des Schmuckes in den Anfang des 18. Jahrhunderts verlegen. Karl Lang LITERATURGESCHICHTE Juden in der deutschen Literatur *) I. Das Buch stellt einen in seiner Fülle anregenden, aber in seiner Unübersichtlichkeit wenig belehrenden Versuch dar, „das Problem des jüdischen Menschen im deutschen Kulturkreis, die Frage nach dem Unterschiedlichen seines Wesens" zu klären. Der Herausgeber verwahrt sich im Vorwort dagegen, daß etwa ein Einzelner dieses Buch hätte schreiben sollen; nur mit großen inneren Nachteilen hätte der sehr äußerliche Vorteil der Geschlossenheit erkauft werden können. Erwächst nun aus diesem Verzicht auf Einheit tatsächlich ein Gewinn? Dargeboten wird uns eine Reihe von Porträts zeitgenössischer jüdischer Dichter und Schriftsteller, deren Ungleichmäßigkeit in Rang und Stil noch überbeten wird durch die Uneinheitlichkeit der Haltung; bringt doch fast jeder Verfasser seine besondere Ästhetik und x) Juden i. d. dtsch. Lit. Essays über zeitgenössische Schriftsteller. Herausgegeben von Gustav Krojanker Welt-Verlag, Berti» 1922.