Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 7 (1923)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Chassidische Schriftdeutungen
- Date
- 1923-01-01
- Page
- 727 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Martin Buber: Chassidische Schriftdeutungen 727 MARTIN BUBER / CHASSIDISCHE SCHRIFTDEUTUNGEN „Gehe aus deinem Lande" „Und Gott sprach zu Abraham: Gehe aus deinem Lande, aus deinem Geschlechte und aus deinem Vaterhause in das Land, das ich dir zeigen werde/' . Rabbi Sußja erklärte: Gott spricht zum Menschen: ,,Zuvorderst gehe aus deinem Lande — das ist aus der Ti Übung, die du selber dir angetan hast. Sodann aus deinem Geschlechte — das ist aus der Trübung, die deine Mutter dir angetan hat. Danach aus deinem Vater hause — das ist aus der Trübung, die dein Vater dir angetan hat. Nun erst vermagst du in das Land zu gehen, das ich dir zeigen werde." Die Väter Rabbi Meir von Primischlan sagte: Zum Gotteswort „Ich erschien dem Abraham, dem Isaak und dem Jakob" schreibt unser Lehrer Raschi als Erklärung: „Ich erschien den Vätern". Dem Anschein nach wird damit dem Schriftvers nichts hinzugefügt. Es ist dies aber so zu verstehen: Wer einen frommen und gerechten Vater hatte, pflegt an der eignen Vollendung nicht gar eifrig zu arbeiten, denn er stützt sich auf das Verdienst seines Vaters. Erst recht so, wessen Voter und Großvater heilige Männer waren; daß er ein Enkel ist, dünkt ihn fester Boden unter seinen Füßen. Nicht so aber hielten es die Väter: Isaak kümmerte sich nicht um den Heilserwerb seines Vaters und Jakob nicht um den seines Vaters und Ahnen, denn sie wollten Väter und nicht Enkel sein. Wunder Es heißt in der Schrift, der Pharao habe zu Moses und Ahron geprochen: „Gebt euch ein Wunderzeichen". Rabbi Elimelech wurde gefragt, wie das zu verstehen sei; man sollte meinen, der Pharao hätte ihnen gesagt: „Gebt mir ein Wunderzeichen". Rabbi Elimelech erklärte: Die Zauberer wissen, was sie zustandebringen wollen und wie sie es zustandebringen wollen; nicht für sie ist das Zeichen, es ist für die Zuschauer allein. Die aber in der Gottesmacht wirken, wissen kein Woher und kein Wie, und das Wunder, das durch sie geschieht, überfällt sie selber. Das meinte der Pharao mit seinem Wort: „Gaukelt mir nichts vor, sondern holt euch ein Zeichen aus der Welt der Wahrheit, daß sie euch beglaubige."