Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 7 (1923)
- Issue
- Heft 7-8
- Article
- Die jüdische Gefahr
- Date
- 1923-01-01
- Page
- 422 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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422 Oskar Baum: haben, sowie den Staat und das Volk, daß es ihre Aufgabe ist, das Reich zu verhindern, und dann hinzufügt: „Maßvolle Standpunkte sind heute verboten, wo alle Schicksale kulminieren" und „Krieg ist das Einzige, wodurch ein Volk groß wird!", der muß es sich gefallen lassen, wenn jeder Mordbube sich auf ihn beruft und behauptet, er sei Antisemit auf wissenschaftlicher Grundlage. Warum unser korrumpierender Einfluß, wenn man ihn schon zugeben wollte, gerade nach dieser Richtung geht, das zu beweisen, nimmt sich Blüher nicht die geringste Mühe. Daß wir alle geistigen Brunnen vergiften und als Anti-Sieg-Serum allen Völkern eingespritzt wurden, nur weil wir eine so unwiderstehliche Vorliebe für das Geschlagensein haben sollen, das ist doch vielleicht etwas zu irrational! Uns freilich gilt es ja nicht zu überzeugen und bei den anderen ist eine sorgfältige Begründung nicht nötig. Sie haben eben durch jenes lästige ständige Messen ihrer angespannten Nationalgeisteskräfte mit den unsrigen ein natürliches Bedürfnis, uns als die Feinde zu sehen. Die ganze antisemitische Hetzliteratur ist darum nur eine Marschmelodie des Kriegszuges, nicht seine Motivierung. Blüher läßt denn auch als Zeugen in demProzeß, den er gegen uns anstrengt, „die Erfahrung" gar nicht erst gelten. „Auf tausend Greueltaten", sagt er, „kann der Jude mit tausend Taten von ausgezeichnetem Edelmut antworten." Blüher findet sogar die Zähl der Edlen unter den Juden relativ größer als bei den andern Völkern. „Der deutsche Volkskörper würde gesprengt, wenn er so viele Edle hätte!" Aber, warnt er, man lasse sich niemals täuschen durch den edlen Juden! Kein Mensch ist allein; der Abstand zwischen dem geistigen und seelischen Niveau der Familienangehörigen und der Tschandalamassen um den vereinzelten Edlen ist zu groß! Dennoch bleibt Blüher dabei: „Solange man die Erfahrung befragt, haben die Freunde und Feinde der Juden recht." Er glaubt, unparteiisch genug zu sein, wenn er, gleich der Erfahrung, auch den Affekt nicht vor seinem Richterstuhl bestehen läßt. Welche Anzeige ist es also, die ihm ohne Untersuchung als Anklageschrift genügt, nach deren Verlesung das Verfahren geschlossen ist? Die Erkenntnis. Welche Erkenntnis? „Jehuda patet! Es ist bereits Ereignis geworden, daß jeder Deutsche es im Blute hat: Preußentum und Heroismus gehören zusammen, zusammen gehören Judentum und der Geist der Niederlage." Es gibt befreundete und befeindete Ideen der Geschichte. Das Deutschtum ist befeindet mit Judentum und Papismus, befreundet mit dem Christentum der Evangelien. Hier wird seine Argumentation hell, eindeutig und greifbar, und sofort auch von jedem ABC-Schützen der Logik angreifbar. Seiner Erkenntnis liegt jener Weininger sehe Gedankengang zugrunde, den Blüher offenbar nicht als einen korruptiven jüdischen empfindet, da er ohne jede erlösende Veränderung durch das deutsche Hirn gehen