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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 4 · p. 240

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
7 (1923)
Issue
Heft 4
Article
Ein Rabbinerbuch [Rezension]
Date
1921-01-01
Page
240 (sequence 4)
Language
German
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240 Bemerkungen: Das Heilige Gläubigkeit, die jüdische Form. Was er von diesen dreien sagt, ist zum Teil ganz ausgezeichnet, freilich auch das Ausgezeichnete von jener predigthaften Hemmungslosigkeit, die im allgemeinen nicht die Entsagungskraft aufbringt, sich selbst die nötigen Einwände zu machen, die in die schallende Einsamkeit der Kanzel sonst eben nicht hinaufdringen. Das gilt vor altem von der dem Verfasser mit Recht besonders am Herzen liegenden religiösen Form, in der er sogar die Auflösung 1 des zweihundert Seiten zuvor mit so viel Emphase „aufgeworfenen" und seither völlig vergessenen Problems Leben-Askese zu finden behauptet. Er läßt sich zwar zu Beginn des Schlußabschnitts von fiktiven Hörern ein „Ich kann nicht" zurufen, aber er ist weit entfernt, in diesem „Ich kann nicht" noch , etwas anderes zu sehen als Trägheit und bösen Willen. Gerade wenn man selber nicht „Ich kann nicht", sondern höchstens von Fall zu Fall „Ich kann noch' nicht" gesagt hat, wird ^rnan aus dem Spiegelbild, das einem der Autor hier, ohne es zu wissen, vorhält, mit beängstigender Deutlichkeit die Gefahr einer von romantischen, und also doch höchst unwirklichen, Motiven allein beherrschten Rückkehr zur Form erkennen, eine Gefahr, die wohl nur gebannt werden kann durch einen kräftigen Zusatz der Würze halachischen Wissens zu diesem in seiner Vereinzelung leicht allzu haggadischen Tun. Doch, wie gesagt, beherzigenswert bleibt Vieles, ja das Meiste in diesem Aufruf, zu dem sich das Buch zuspitzt. Und so könnte der Leser und der Rezensent mit ihm die Sünde des Anfangs vergessen über dem Gu^en des Schlusses, wenn nicht der Autor selbst sie ihm durch die größere Sünde des Endes peinlichst wieder ins Gedächtnis riefe. Nachdem er in sich übersteigernden Aus- und Anrufen, die er selbst wohl für „prophetisch" hält, die aber in Wahrheit nur rabbinerhaft (beileibe nicht zu verwechseln mit rabbinisch) sind, alle erreichbaren Gruppen und Kategorien von Juden, vom Säugling bis zum Greis am Stabe, beschworen hat, ihm doch um himmels- "willen zuzuhören, und schließlich noch mit einer Fortsetzung gedroht hat, fängt er am Schluß an zu beten. Dem öffentlichen Bekenntnis des Anfangs entspricht das öffentliche Gebet des Schlusses. Die ultima ratio des Kanzelhelden! Inhalt: ein warmes Lob des beendeten Buchs und eine spannende Ankündigung der Fortsetzung. Wieder wie bei dem Bekenntnis will ich dem Schamgefühl des Lesers eine Probe aus diesem gebeteten Waschzettel ersparen. Es ist grauenhaft. Und doch offenbar nur die Auswirkung der Gewohnheit, die. Predigt mit einem Gebet zu schließen. Eine, wie dieser Fall zeigt, gefährliche Gewohnheit. Ich weiß nur einen, der es konnte, N. A. Nobel. Bei ihm war es keine Gewohnheit. Was bei ihm Gewohnheit, Routine, Rabbinertum im schlechten Sinne war, das lag unterhalb der Kanzel. Wenn er oben stand, war die Gemeinde ihm nicht der heiß und vergeblich umworbene Zuhörer, sondern sie war nur da, um ihn emporzutragen. Er aber stand dann unmittelbar vor dem Angesicht. So konnte er es ansprechen, so konnte er beten. Wir sahen nicht zu, wir waren in seinem Gebet, wie die Worte und Buchstaben darin waren. So trug es uns mit. Wer es darf, darfs. Wers nicht darf, darfs nicht. Das Buch von dem ich gesprochen habe, ist ein ungedurftes Buch. Und trotzdem ein bedurftes Buch. Mögen die, für die seine Forderungen erst noch anzuerkennen sind, sich nicht abschrecken lassen von dem Munde, der ohne Erlaubnis diese Forderungen ausspricht Und mögen die andern, die wie der Rezensent die Forderungen des Buches so oder so ähnlich selber aufstellen, ihre Forderungen, wie sie ihnen hier von einer Lippe, die kein Engel mit feuriger Kohle berührt hat, entgegenschallen, ernstlich nachzuprüfen Veranlassung nehmen. Franz Rosenzweig DAS HEILIGE Man trifft es oft in der zionistischen Jugendbewegung, daß unsere jungen Studenten diejenigen philosophischen, soziologischen, historischen Theorien, die sie in den Universitäten kennen gelernt haben, alsbald in einer unserer Zeitschriften auf unsere eigenen Probleme anwenden, ein wenig unbekümmert um die etwaige Fragwürdigkeit

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