Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 7 (1923)
- Issue
- Heft 2
- Article
- An Zion
- Date
- 1921-01-01
- Page
- 98 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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98 Franz Rosenzweig: An Zion Durchstrich' dein Waldland, die Traubengärten, und ständ' im Süd Vor jenen zwei Bergen, neu erschüttert, voll Zagen, Hör und Abarim, wo sie, Dein großes Doppelgestirn, Deine zwei Leuchter und Lehrer einst im Tod lagen. Leben der Seele, o Deine Luft! Gewürzduft vor Myrrh'n Duftet dein Staub, Honig träuft der Welle Anschlagen. Barfuß und bloßdurch die Trümmerwüsten wandern, die einst Dein Tempel waren — wo gäbs gleich köstlich Behagen. Dort wo gewohnt Deine Cherubim im innersten Raum, Dort wo geruht, der entschwand, des Heiligtums Schrägen. Ich scher und werf meines Haupts Schmuck hin; mein Fluch mag die Zeit? Die Hauptsgeweihte in unrein Land stieß, anklagen. Wie schmeckte Speise und Trank mir wohl, zur Stund* da ich seh Hundegezücht Deine Löwen zerren und plagen, Oder wie wär meinen Augen noch des Tags Leuchten süß, Muß sehn ich Raben an Deiner Aare Fleisch nagen. Becher der Leiden, o laß! ein wenig Ruh! denn schon lang Ist Deines Gifts schwer mein Herz, voll Galle mein Magen. Vom Schaum zur Hefe ausleer ich Dich, wenn Schomrons ich schau Und Salems Los im Gewand prophetischer Sagen. Zion, du Prachtreif, von Huld und Liebe seit je umkragt, Sieh Deine Treuen mit Dir wie Wall sich umkragen. Die hell mitjubeln dein Wohlergehn, und tragen den Gram Deiner Verwüstung, und weinen Deines Ends Plagen, Hinfalln sie, wos sei, dorthin gewandt, wo Dein Tor sich hob, Und fliehn aus Kerkern zu Dir auf Sehnsuchttraums Wagen. Schar Deiner Herden, vertriebne, irrnd von Bergen zu Tal, Doch nie vergaß sie der Zeit in Deinen Verschlagen; Die Deinen Schleppsaum erfassen, die sich schwängen wie gern Auf Deine Palmbäume, in des Astgezweigs Tragen. Euphrat- und Nilland — wie klein vor Dir mit all ihrer Pracht! Wind ward ihr Wissen, wenn Dein Recht, Dein Licht weissagen. Wo fand dein König, dein Seher, wo dein Priester und wo Dein Sänger, wo fanden sie rings noch Sippen, noch Magen? Wechsel und Wandel umdroht jedwedes heidnische Reich; Dein Schatz besteht, Deine Kronen ewig-jung ragen. Dich gehrt zur Wohnstatt er selbst, Dein Gott — und selig der Mensch, Der nah ihm ruhn darf auf Deiner Höfe Steinlagen. Selig, wer harrt, und erlebts, und schaut, wie aufgeht dein Licht, Des Strahlgeschosse die nächtgen Schatten durchschlagen, Deine Erwählten zu schaun im Glück, zu jubeln mit * Dir, Die neu du jugendlich prangst wie einst in Urtagen.«