Mannheim
Compact Memory

Der Jude · 1921-01-01 · Heft 1 · p. 64

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
7 (1923)
Issue
Heft 1
Article
Zwei Künster in Palästina
Date
1921-01-01
Page
64 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3101111-3101189-3101191-3107648--5787-3107721
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Umschau: Bildende Kunst Der Ausgangspunkt für Panns Erlebnis •des Landes Palästina ist das darüber ausgegossene, alles durchtränkende Licht. Sein Erlebnis der Landschaft ist so echt» daß er es wagen darf, statt ihr Porträt zu geben, ihren Gesamt ausdruck — hundertfach variiert — symbolisch darzustellen. Aus der in Licht ertrinkenden Landschaft wachsen ihm dann von selbst lichteTräume von uralten Begebenheiten. An zwei gefährlichen Klippen ist Pann glücklich vorbeigeschifft: seine Farben, so zart sie sind, werden nicht süßlich, und seine Darstellung, so sehr sie das Anmutig-innige betont, wird nicht sentimental. Vor solchen Abwegen schützt ihn sein warmes jüdisches Empfinden, Ist auch in Pann vieles unverkennbares Resultat guter Pariser Schule und traditionell Pariser Anschauung des „märchenhaften Orients", so schwingt in ihm doch etwas mit, das keinen Zweifel darüber läßt, daß er das Orientland auch als das jüdische Land jüdischer Menschen geschaut hat. Geschaut mit den Augen eines jüdischen Kindes, in dem noch nichts vom ringend Problematischen des jüdischen Geistes ist. Wäre dies in Panns Natur, so hätte es ihn vielleicht drängen müssen, statt durch hundert Bilder vieles zu erzählen, in einem einzigen Bilde alles zu sagen. Wo das Grandios-Enakische ein integrierender Bestandteil des Stoffes ist: im Tohuwabohu, der Erschaffung des Lichtes, der Vertreibung aus dem Paradiese, in der Sintflut und Lots Töchtern wird seine Darstellungtrocken oder spielerisch. Nur in einigen wenigen Bildern „Die Erschaffung des Weibes", „Abraham und die Sterne" ist etwas von erhabener Problematik. In der Rolle als Illustrator, die Pann sich in weiser Verfügung über seineMittel gestellt hat, ragt er weit über alle in Palästina arbeitenden jüdischen und nicht jüdischen Künstlerhinaus. In dieser Rolle würde er mit einer Sammlung seiner Bibel werke auch in jedem europäischen Kunstsalon ehrenvoll neben den besten Zeitgenossen bestehen. Pann plant eine Ausdehnung seines Werkes auch auf die übrigen Bücher der Bibel; es bleibt abzuwarten, ob ihm eine solche Mannigfaltigkeit des Ausdrucks gegeben sein wird — etwa in den Prophetenbüchern — daß er selbst und der Beschauer an dem Werk nicht ermatten. Die ganze, so hoffnungsvoll begonnene Schöpfung soll zu einem Mappenwerk vereinigt werden, das der neuen von Pann geleiteten graphischen Abteilung des Bezalel ihre erste wirklich große Aufgabe bieten wird. Nach ihren bisherigen kleineren Leistungen darf man der „Graphika"-Drukkerei die Fähigkeit zur Bewältigung dieser Aufgabe wohl zutrauen. Mit diesem Werk werden wir einen Ersatz für die Doresche Bilderbibel erhalten, der unser modern künstlerisches und auch unser jüdisches Empfinden mehr befriedigen wird als jene. Die Originale — das ist der Wunsch eines großen palästinensischen Publikums — sollen, wenn nur irgendwie die Mittel zu beschaffen sind, vom Bezalel erworben werden. Wenn es Pann gelingt, sein romantischlyrisches Register auch um einige realistisch, dramatische Tone zu erweitern, so wird man sagen dürfen,daß uns in ihm der erste Künstler des neuen jüdischen Palästina erstanden ist. Kurz vor der Pannschen Ausstellung hatte die Pro Jerusalem Gesellschaft in den gleichen Räumen eine Ausstellung des erst drei Monate zuvor eingewanderten Malers J. T epper veranstaltet (für die sich der Gouverneur Storrs besonders einsetzte)Tepper fehlt die Pariser Kultur, diemansich beiPann— trotz jüdischer Eigenart — durchaus nicht fortdenken kann. Bei ihm ist alles noch weglos und etwas plump. Aber dafür hat er ein starkes jüdisches und künstlerisches Temperament, dank welchem ihm — neben gänzlich Verfehltem — mancher einzelne gute Wurf gelingt. In der kurzen Zeit seines palästinensischen Aufenthaltes hat er erstaunlich viel geschaffen, aber sein Schaffen schwankt noch von einem übernommenen Stil zum anderen, und obgleich da einige nicht uninteressante palästinensische Sujets und Porträts sind (das Monumentalbild des High Commissioner mit der Ölberglandschaft im Hintergrunde, das der Waad Leumi erworben hat, ist allerdings mehr keck als interessant), hat Tepper seinen eigenen Weg noch nicht gefunden. Vielleicht gelangt er noch dahin. Wenn sein künstlerischer Ernst der Jüdischheit seines Wesens die Wage hält, so dürfte er wohl einmal berufen sein, den Ausdruck für den neuen palästinensischen Menschen zu finden. Vorläufig ist ihm Pann nicht nur an Ernst und Wahrheit, sondern auch — trotz Paris! — an Palästinensertum überlegen, weil er viel tiefer und inniger die palästinensische Landschaft erlebte. Apropos: In den ersten zwei Wochen nach Eröffnung der Pann-Ausstellung wurde diese von 1482 Menschen besucht; darunter waren: 7 Araber, 62 Engländer und 1413 Juden. Von den Juden waren 13 Sephardim, 17 Jemeniten und 1382 Aschkenasim. Eine Kulturstatistik! Helene Hanna Cohn Für die Redaktion verantwortlich: Dr. Gustav Krojanker, Berlin Jüdischer Verlag, Berlin

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.