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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 12 · p. 713

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
6 (1921-1922)
Issue
Heft 12
Article
Frage und Antwort
Date
1921-01-01
Page
713 (sequence 1)
Language
German
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IRI
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MARTIN BUBER / FRAGE UND ANTWORT Frage: Du sagst, man solle sich nicht der europäischen Staatenpolitik verschreiben. Wie aber, wenn sie, ob wir uns ihr unterwerfen oder nicht, unser Schicksal in Erez Israel bestimmt? Du sagst, man solle mit dem Orient einen Bund schließen und als tätiges Glied an seiner Regeneration teilnehmen. Wie aber, wenn er sich mit uns gar nicht verbünden will? Was für positive Politik empfiehlst du? Antwort: Landespolitik. Frage: Was verstehst du darunter? Antwort: Alle Anstrengung, die all unsere Kraft vermag, darauf richten, das Land aufzubauen. Nicht bloß die Nation im Lande, und dieses nur soweit es i h r Gedeihen erfordert, sondern wahrhaft und um seiner selbst willen: das Land. Gelingt uns das, dann sind wir gegen die europäische Staatenpolitik gefeit und sind dem Osten als unersetzliche Pioniere seiner Regeneration sichtbar, glaubwürdig, willkommen geworden. Wohlgemerkt aber: wenn wir nicht etwa einen sacro egoismo als Landespolitik maskieren — keine Maske kann heute noch täuschen —, sondern ihn untertauchen und untergehen lassen in ihr. In Landespolitik, sagte ich, aber ich will es wahrer sagen: in der Liebe zum Land. Frage: Und wenn wir trotzdem, trotz alledem, nachdem wir unsere Funktion am Aufbau des Landes erfüllt haben, „majorisiert" werden, wenn man uns die Früchte unserer Arbeit entreißt? Antwort'. O du Kleingläubiger! Gott stellt keine Wechsel aus. Aber wer sich ihm ohne Schuldverschreibung leiht, ist gesegnet. HANS KOHN / ENGLAND IM NAHEN OSTEN Der Weltkrieg hat England durch die Ausschaltung Deutschlands und Rußlands einen doppelten. Erfolg gebracht und seine Stellung in Asien anscheinend sehr befestigt. Rußland bedrohte Englands Kolonialbesitz von seinem sich stetig erweiternden zentralasiatischen Besitz aus über Persien und Afghanistan, Deutschlands Expansionsbedürfnis trieb es nach Südosten, die Bagdadbahn schob sich wie ein Keil zwischen Ägypten und Indien. 1903 hatte die Türkei mit Deutschland in Bagdad ein Abkommen geschlossen, wonach Deutschland Prioritätsrechte auf alle Petroleumlager 25 km nördlich und südlich der Bagdadbahn haben sollte. Von der Bagdadbahn führte der Heft 12 46

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