Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 6 (1921-1922)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Die Heirat des Baalschem
- Date
- 1921-01-01
- Page
- 623 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Heirat des Baalsöhem 623 es üblich war — seine Gelehrsamkeit gerühmt, vielmehr seine Person darin mit keiner andern Bezeichnung als dem Namen Israel ben Elieser erwähnt werde: denn, so fügte er hinzu, Ihr wollet mich und nicht mein Wissen Eurer Tochter zum Gemahl. Es geschah nach seinem Wunsch. Als Rabbi Abraham von seiner Reise heimkehrte, erkrankte er plötzlich und starb nach wenigen Stunden. Sein Sohn, Rabbi Gerschon Kitower, kam ihn zu bestatten. Unter den Schriften des Vaters fand er die Heiratsurkunde und las, daß seine Schwester einem Mann ohne gelehrten Titel und ohne Geschlechtsruhm zugesprochen sei; nicht einmal die Heimat des Fremden war genannt. Sogleich teilte er der Schwester mit heftigen Worten das Unerhörte mit; sie aber erwiderte nur, wenn dies des Vaters Wille gewesen sei, könne nichts andres auf der Welt das Rechte für sie sein. Israel wartete indes, bis das Jahr seines Lehramts um war; die Väter wollten ihn nicht ziehen lassen, aber er ließ sich nicht halten. Er legte sein Gewand ab, kleidete sich in einen kurzen Schafspelz mit breitem Ledergurt, wie ihn die bäurischen Männer tragen, und nahm deren Art auch in Rede und Bewegung an. So kam er nach Brody und in Rabbi Gerschons Haus. Da blieb er an der inneren Schwelle stehen. Der Gelehrte, der gerade die Deutungen einer schwierigen Talmudstelle verglich, hieß dem dürftig aussehenden Mann eine Münze hinausreichen; jener aber sagte, er habe ihm etwas zu eröffnen. Sie tratenselbander in die anliegende Stube und Israel tat dem Rabbi zu wissen, er sei gekommen um sein Weib zu holen. Be- .stürzt rief Rabbi Gerschon die Schwester herbei, daß sie den Mann beträchte, auf den die Wahl ihres Vaters gefallen sei. Sie sagte nichts als: „Wenn er es so bestimmt hat, ist es von Gott bestimmt" und hieß die Hochzeit rüsten. Ehe sie zum Baldachin gingen, unterredete sich der Baalschem mit seinem Weibe und offenbarte ihr sein Geheimnis. Doch mußte sie ihm geloben, es unverbrüchlich zu bewahren, was immer über sie kommen möge; er verschwieg ihr nicht, daß großes Elend und vielfältige Bedrängnis ihrer harre. Sie sagte nur, es sei recht so. Nach der Hochzeit versuchte Rabbi Gerschon Tag um Tag, seinen un-' wissenden Schwager die Thora zu lehren; aber es war unmöglich, ihm auch nur ein Wort der Lehre beizubringen. Endlich sprach er zu seiner Schwester: „Ich schäme mich deines Mannes. Willst du dich von ihm trennen, so ist es gut; willst du es nicht, so kaufe ich dir Pferd und Wagen und du kannst mit ihm fahren, wohin du magst."- Das war sie zufrieden. So fuhren sie von dannen, bis sie in ein karpathisches Städtchen kamen, wo die Frau Wohnung nahm. Israel ging in die nahen Berge, baute sich eine Hütte und grub Lehm. Sie aber kam zwei oder dreimal in jeder Woche zu ihm; lud mit ihm den Lehm auf den Wagen, fuhr ihn in die Stadt und verkaufte ihn um weniges Geld. Wenn Israel Hunger spürte, tat er Mehl und Wasser in eine kleine Grube, knetete den Teig und buk ihn an der Sonne,