Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 6 (1921-1922)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Der Aufgang des Morgenlandes [Rezension]
- Date
- 1921-01-01
- Page
- 444 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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444 Umschau; Kolonisation der Befreiung, Der Wille zur Gemeinschaft der östlichen Völker ist vorhanden. „Wahr ist**, sagt Hyndman, „daß die Unterschiede zwischen den asiatischen Völkern ebenso stark sind wie die in Europa bestehenden, aber dem weißen Mann gegenüber bilden sie eine Einheitsfront" Wenn nun auch dieser Engländer die geistigen Grundlagen, die ja den innersten Kern dieses Zusammenschlusses bilden, nicht beachtet*), bieten die politischen Angelegenheiten schon Unterlage genug. Was uns am ersten interessiert, ist. die Auswirkung auf Europa. Sie scheint abzuhängen von der „Achtung vor dem Sittengesetze", wie es der vorzügliche neuchinesische Autor Ku-hung-ming betont, davon, ob die Intensität der Achtung vor dem Sittengesetze in Europa schnell genug zu wirken beginnt, ehe noch der Osten auf furchtbar blutigem Wege diesem Gesetz bei sich Bahn schafft *) Im Gegensatz zu Okakuras eingangs erwähntem Buch. Die oben erwähnte indische Schrift sagt weiter: „La Psychologie de TOriental demeure impenetrable pour l'occident . , , Tesprit oriental est un mystere: il echappe ä Tanalyse". Aus diesem Satze die Konsequenzen zu ziehen, überschritt aber . die Fassungskraft des europäischen imperialistischen Gedankens, denn diese Erkenntnis bildet den " ersten Spatenstich zu feinem Grabe. Das erkennt Europa und es hütet sich vor dieser Konsequenz, es erkennt dies aber auch der Kuli, der in Flandern stand, der Anatolier und der Araber, die in Palästina fochten, der Chinese von Tsingtau und der Inder, der in Kut el amara gefangen wurde. Die östliche Welt ist in Bewegung. Daß diese Bewegung nach aufwärts strebt, wissen die Eingeweihten; daß sie zu den unverrückbaren Sternen des Morgenlandes sich heben möge, hoffen wir, denen der Osten alles ist. Eu gen Hoe flieh UMSCHAU KOLONISATION Die Berschader Kooperative Von einem interessanten Versuch soll hier die Rede sein, den jüdische Familien aus der Ukraine unternommen haben, um ihre Ansiedlung in Palästina zu ermöglichen. Dieser. Versuch, weicher in größerem Maßstabe ausgeführt wurde, zeigt in .erster Linie, daß ukrainische Juden, an deren organisatorische Fähigkeiten man vielleicht nicht allerorten glauben mochte, ohne jedes Vorbild sich zusammenzuschließen wußten, um vereint die Schwierigkeiten, die bei der Überführung einer größeren Zahl von Menschen notwendig bestehen, leichter zu überwinden. Sie wirkten durch diesen Versuch nicht nur anregend und beispielgebend auf andere Gruppen, so daß mittelbar durch die Berschader Kooperative veranlaßt die Kooperative von Winnigrod und erst vor kurzem eine Handwerker- Jcooperative im nördlichen Bessarabien (Balti) sich bilden konnte, sie zeigten auch — und yon diesem Gesichtspunkte ist die Gründung besonders interessant —, auf welche Weise das Problem der Ueberführung einer größeren Zahl von Familien, die zum Teil aus arbeitsunfähigen Personen bestehen, ohne größere Geldmittel gelöst werden kann. Die Kooperative von Berschad, die den Namen Geulah führt, wurde im Jahr 1919 durch den freiwilligen Zusammenschluß Von jüdischen Familien aus Berschad und Umgebung (Berschad ist ungefähr 200 km von Odessa entfernt) begründet. Sie zählte bei ihrer Begründung ungefähr 95 Familien und hatte ein Vermögen von nahezu 10 Millionen Rubel damaliger Währung Infolge der durch die Denikinschen Banden veranstalteten Pogrome wurde ein großer Teil der Mitglieder zerstreut und nur 18 Familien mit ungefähr 2 Millionen Vermögen und einem größeren Quantum an Ware gelang es, im Januar 1921 über den Dnjestr der ukrainischen Hölle zu entkommen und nach Bessarabien zu gelangen. In Kischinew organisierten sie sich im'April 1921 unter der-Leitung ihres jetzigen Präsidenten Sancowski von neuem, nahmen eine größere Zahl von Mitgliedern auf und setzten eine frei gewählte Leitung ein, welche die Geschäfte der Kooperative führen und zusammen mit einem viergliedrigen Ausschuß weitere Mitglieder kooptieren sollte. Bei der Auswahl der neuen Mitglieder wurde in der Hauptsache darauf gesehen, daß nur Zionisten aufgenommen werden, welche sich mit dem Gedanken an ein kooperatives Zusammenleben wenigstens halbwegs vertraut gemacht hatten. Jede Familie hatte den Betrag von