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Der Jude · 1916-09-01 · Heft 6 (September 1916) · p. 354

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Journal
Der Jude
Volume
1 (1916-1917)
Issue
Heft 6 (September 1916)
Article
Uscher Ginzberg
Date
1916-09-01
Page
354 (sequence 2)
Language
German
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354 Achad Haam: ihr euch daran verliert, wird es euch lähmen. Aber überhört es auch nicht! Wenn ihr es überhört, werdet ihr taumeln und stürzen im Rausche eurer „Tat". Nichts Menschliches ist so groß wie die Tat; sie allein legt die Unendlichkeit in unsere lebenden Hände. Aber nichts ist so erbärmlich wie der Wahn zu tun, wie die Geste des Täters ohne die Tat, wie die Phraseologie des Getues. Ja, die Trägheit ist unser erster Widersacher. Aber der zweite ist die Geschäftigkeit. Tatbegeisterte Reden, tatbegeisterte Niederschriften füllen schwungvoll die Tage, man schläft befriedigt ein und wacht freudig auf, und so fort, — bis es vorbei ist. Der wahrhaft Tuende und der wahrhaft Wägende — beide leben in der Tragödie. Aber der Geschäftige lebt in der Posse. Freilich: daß es all die Possenreißer gibt, das geht in des Tuenden mehr unbewußte, in des Wägenden mehr bewußte Tragik ein. Die Trägen und die Geschäftigen, an ihnen zerbricht das Schwert des Täters, ihretwegen verblutet heimlich das Herz der goldenen Wage. * Ihr wenigen Hellsichtigen in dieser zwielichtigen Stunde! Zu euch rede ich: Nach Männern der Tat verlangt ihr, und tut recht daran. Aber nicht weniger als ihrer bedürfen wir deren, die uns warnen vor dem Schein der Tat, vor dem Geschwätz der Tat, vor der Karrikatur der Tat; die gegeneinander wägen die Tat und das Getue, getreulich, unbestechlich, und melden das zuverlässige Ergebnis. Ihre Treue, ihr Leid, ihr Dienst sei gesegnet! Und unter ihnen er, dem mein Geist gegensätzlich und entgegen ist in der Art der Erkenntnis, in der Betrachtung des Weltsinns, in der Auffassung der Menschengeschichte, in der Lehre vom Wesen und vom Werke Israels — er, dem ich über allen Gegensatz hinweg mit der Ehrfurcht meiner Seele zugetan bin — der Unbeugsame an der Wacht, der rechtmäßig Wägende — um seiner Treue, um seines Leids, um seines Dienstes willen sei er gesegnet! Martin Buber OST UND WEST Ein Brief Achad Haaras an die Monatsschrift „Der Jude" *) (1903) Es war vor sechs Jahren. In einem der Hauptzentren der westeuropäischen Kultur machte ein Ostjude den Versuch, ein neues Zentrum für die hebräische Literatur in Form einer Monatsschrift zu schaffen. *) Die Monatsschrift „Der Jude" wurde bereits im Jahre 1903 von mir im Verein mit Berthold Feiwel und Chaim Weizmann geplant und vorbereitet. Auf meine Aufforderung, einen einleitenden Aufsatz für das erste Heft zu schreiben, sandte mir Achad Haam

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