Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 6 (1921-1922)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Zeitschriften-Rundschau [Rezension]
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 72 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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7* Umschau: Zeitschriften-Rundschau. ZEITSCHRIFTEN-RUNDSCHAU. In den leitenden Betrachtungen eines der Judenfrage gewidmeten Hefts seiner ausgezeichneten Monatsschrift „Der neue Merkur" schreibt Efr aim Frisch von der ostjüdischen Welt: Die inneren Kämpfe spielen sich heute auf einem breiteren Plan nationaler und sozialer Bedürfnisse ab, mit einer rührigen Literatur, Geschichts- und Religionssoziologie in einem schweren Ringen, Gedanke und Zeit zu einer Synthese zu bringen. Denn schon bald nachdem die geistige Mauer des Ghetto gefallen war, bildete sich im Osten am frühesten die Erkenntnis, daß die Beteiligung am europäischen geistigen Leben den Juden zwar in die Welt entließ, damit aber zugleich entwurzelte. Je größere Scharen sich in dieser neuen Welt der Freiheit ansiedelten, desto akuter wurde die Frage nach ihrer Zugehörigkeit. Nicht allein die Rückschläge gegen die Emanzipierten draußen haben diese Frage erregt, vielmehr ist es die alte Judenfrage, die Frage nach Sinn, Wesen und Weg des Volkes, nach der fruchtbaren Bedeutung. der Bindung, welche über die gefallenen Gesetzesschranken hinaus die Zusammengehörigkeit bestimmt — die war es, welche im Ostjudentum stets alle geistig gerichteten Kräfte in der Bemühung konzentrierte, das zu bestimmen, was wir etwa das Nationale nennen. Eine jüngere Generation, die ihre Verbundenheit mit Kultur und Vergangenheit am stärksten empfindet, glaubte es ablehnen zu müssen, ein ganzes lebendes Volk mit realen Bedürfnissen, Nöten und Zielen auf dem Rost, wie sie sagen, jener universalen „Missionsidee* quälen zu lassen. Sie meinte: Leben lasse sich nicht auslaugen durch Ideen, vielmehr müßten diese selbst Lebensquellen sein. Sie suchte eine neue Unbefangenheit, indem sie das Nationale der lebenden Völker an ihrem eigenen Volkstum maß. Dadurch mußte freilich vieles zurechtgerückt werden und gibt auch in Europa zu Mißverständnissen Anlaß, zumal ein gewisser extremer Nationalismus über die Volkheit den Staatsgedanken setzt, den er mit allen modernen Requisiten versehen möchte. Doch auch das ursprünglich. Religiöse, aktiver als die deistisch-iiberai gedeutete „Mission" drängt nach Gestaltung. Aus allen oft gegeneinander sprechenden Stimmen hört man aber deutlich: laßt uns aus der Unzucht unserer eingesperrten Geistigkeit heraus! Jahve ist längst Weltengott geworden. Das Leben kann unser nicht entraten und wir nicht des Lebens, um unser Schicksal zu erfüllen. So steht der aus dem Ghetto getretene Jude zwischen Orient und Okzident — eine Brücke. Was ihn mit der Urzeit verbindet, ist nicht ausgegrabene Geschichte, sondern die Geformtheit seines Wesens, die mahnende Tradition der allen geltenden Verheißung, Verpflichtung für die Zukunft. Dies ist die Stimme, die befiehlt, der nicht Gehör zu schenken ins Leere führt, und der sich keiner entziehen kann, mag er wo immer stehen. Die Juden sind wieder^werdendes Volk, Weltvolk — Welt, wohin sie nach ihrer Bestimmung gehören, trotz teilweiser Wiedernationalisierung auf altem Boden und auch erst durch diese. Berichtigung. Im Aufsatz „Koheleth" von Hermann Weyl (V. Jahrgang, Heft 12) ist zu lesen: S. 696 Z. 7 v. u. statt „Leiblicher": Leibliches; Z. 1 v. u. statt „fanatischen": faustischen; S. 698 Z. 13 v. 0. statt „steigt": steigt ihm; Z. 16 v. u. statt „oder": der; S. 700 Z .2 v. u. statt „Seelenleben": Seelenstreben; S. 703 Z. 10 v. u. statt „die": der. Für die Redaktion verantwortlich: Dr. Gustav Krojanker, Berlin. — Jüdischer Verlag, Berlin. — Zahn & Baendel, Kirchhain N.-L. Druck von