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Der Jude · 1920-01-01 · Heft 8-9 · p. 533

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
5 (1920-1921)
Issue
Heft 8-9
Article
Kolonisation
Date
1920-01-01
Page
533 (sequence 7)
Language
German
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Umschau: Frauenfragen 533 Nur indirekt können wir darüber etwas in der Broschüre von Scheinkin „Die Zion Commonwealth im zionistischen Programm* * erfahren. Scheinkin spricht von der Möglichkeit, die jedes Mitglied haben wird, seine Ländereien, nachdem sie ertragbringend geworden sind, mit „ehrlichem Gewinn" zu verkaufen. Das läßt tief blicken. Es ist ein schönes Ziel, das die Achusa Commonwealth anstrebt, wenn sie nicht nur die geistigen, sondern auch die materiellen Interessen jedes Juden mit Palästina verbinden will. Daß sie aber dies gerade auf dem Wege des Bodenerwerbs in Palästina tut, zeigt, daß sie das wahre Wesen der Bodenfrage in Palästina nicht erfaßt hat, sonst könnte sie nicht in diese unlöslichen Widersprüche geraten. Die Gefahrseiten, die ein solches Unterfangen hat, wenn ein großer Teil des Bodens Palästinas im privaten Besitz einer Gesellschaft ist, von der jedes einzelne Mitglied dann rein materielle Interessen an der Sache haben kann und dessen Direktorium die höchste Instanz für die ganze Siedlung in Palästina ist, liegen auf der Hand. Viel gefährlicher aber ist noch die durch diese Theorien verursachte Verschwommenheit des Begriffs der Nationalisierung des Palästina-Bodens. Sie waren zu einem guten Teil mit schuld an der Stellung der Amerika-Delegierten zur Bodenfrage auf der Konferenz in London und an dem Zustandekommen der dort angenommenen Thesen zur Bodenpolitik. Die letzteren aber wie auch die Bodenfrage an sich bedürfen einer ausführlicheren Behandlung. Nathan ben Nathan FRAUENFRAGEN Die Frau in der zionistischen Bewegung Die Einladung eines Kreises englischer Zionistinnen, an einer Besprechung über die Gründung einer neuen zionistischen Frauenorganisation in den Tagen der Jahreskonferenz teilzunehmen, wurde mir zum Anlaß eingehenden Nachdenkens über die Rolle der Frau in der zionistischen Bewegung. Hierbei stellten sich die folgenden Betrachtungen ein: Die zionistische Propaganda war von allem Anfang an gleichmäßig für Männer wie für Frauen berechnet und hat auf Männer und auf Frauen gleichmäßig stark eingewirkt. Das ist verständlich. Jede Propaganda für eine Massenbewegung mit ethisch-romantischen Zielen findet einen Widerhall in den emotionellen Elementen der Masse. Die emotionelle Empfänglichkeit der Frau ist geradezu ein Faktor, mit dem die Verkünder neuer Ideen rechnen. Das Heft 8/9. zeigt sich überall: von den Prophetenpredigten an über die Apostelbriefe hinweg bis zu den Manifesten moderner sozialer Revolutionen. So kamen denn auch von Anfang an die Frauen in namhafter Zahl zu der neuen Bewegung. Sie kamen als einzelne, noch nicht in Gruppen, noch nicht mit bestimmten Arbeitsplänen oder auch nur festem Arbeitswillen. Sie bildeten ein gutes, solides Publikum für die neue Lehre. Wahrhafte Prophetinnen der neuen Idee, Frauen, die es drängte, ihren Glauben in die Welt hinauszurufen, erstanden nicht — nicht eine einzige. Als die zionistische Idee sich zu differenzieren begann, als verschiedene Geister ihr neue und verschiedene gedankliche Stützen gaben, erwies es sich, daß auch bei dieser Differenzierungsarbeit die Frau Empfänglichkeit, aber keine Produktivität bewies. Da ist keine Frau, die nachweislich dem Zionismus einen neuen Gedankeninhalt hinzugefügt hätte. Kein Frauenname ist in dem Maße wie die Namen Theodor Herzl, Achad Haam, Martin Buber mit der Erweiterung und Vertiefung des zionistischen Gedankens^ verknüpft. Aber da sind viele Frauen, die sich ausgesprochen als Anhängerinnen dieser, als Gegnerinnen jener Ideologie fühlen und durch ihre Überzeugtheit auf ihren Kreis wirken. Ähnliches zeigte sich bei der Herausbildung von sachlichen, von Spezialleistungen im Interesse des jüdischen Werkes: keiner Frau gelang eine nennenswerte wissenschaftliche oder künstlerische Tat; aber da ist eine ganze Chronik guter, gewissenhafter Leistungen auf irgendeinem Fachgebiet, sei es dem pädagogischen, dem gärtnerischen oder etwa einem Zweige der Handfertigkeit, die in ihrer Gesamtheit von hoher Bedeutung wurden. Zwei Jahrzehnte zionistischer Arbeit scheinen den Beweis erbracht zu haben, daß die gedankliche Schöpfung offenbar nicht Sache der Frau ist; ihre Rolle scheint es zu sein, das unentbehrliche feine Instrument für die Aufnahme und treue Bewahrung neuer Lehren zu bilden — gedankliche Zeugungskraft hat sie bisher nicht gezagt. Ein wenig anders liegt die Sache auf organisatorischem Gebiet. Wohl finden wir auch hier neben den vielen, vielen Frauen, die in Ortsgruppen und Verbänden seit Jahren in steter Arbeit getreulich ihre Pflicht tun, wenige Frauen, deren organisatorische Energie über den engeren Kreis hinauswirkt und auf die Gestaltung der Gesamtorganisation direkten Einfluß nimmt. Das aber liegt vielleicht weniger an einem Mangel ursprünglicher organisatorischer Begabung, denn vielmehr an einer Scheu vor dem Durchbrechen gewisser Konventionen, einer Scheu vor dem Hinaustreten 35

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