Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 5 (1920-1921)
- Issue
- Heft 5-6
- Article
- Die Juden in der deutschen Literatur
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 372 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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372 Umschau: Presserundschau sprungen zu sein» Charakteristisch ist jedenfalls, daß die hervorragendsten Verkünder des nihilistischen Individualismus, des Geistes der Eigenliebe, in der Dichtung jüdischer Herkunft sind» Ich verwahre mich ausdrücklich dagegen, antisemitisch zu empfinden. Im Gegenteil, ich verkenne ja durchaus nicht die Verdienste dieses unbedingt die Wahrheit und das eigentliche Wesen der Dinge und des Menschen aufrichtig suchenden und bekennenden Geistes. Hier stehen sich gleichberechtigte psychische und ethnische wie ethische und künstlerische Probleme gegenüber. Ich habe dieses Verdienst um den Geist der Wahrheit schon oben betont und bekenne nochmals aus tiefster Überzeugung, daß der Weg in eine bessere Zukunft nur über eine möglichste Erkenntnis des Göttlichen und Menschlichen geht, über Eigenliebe zur Menschenliebe. Und in diesem Sinne "sind jene Verneiner, mögen sie jüdischer oder germanischer Herkunft sein, Vorkämpfer einer neuen Weltanschauung. Ich will eben nur darauf aufmerksam machen, daß offenbar jener skeptische Geist und mit ihm das Judentum, das in Zeiten der Überkultur und des Verfalls so oft eine niederreißende und zugleich vorbereitende Aufgabe zu erfüllen gehabt hat, heute dominiert. An sich bedeutet dieses Wesen, und mag es sich noch so überlegen gebärden und am Ende der Dinge angelangt zu sein scheinen, keine Erfüllung. Der elementare Geist des schöpferischen Lebens, der von Entwicklung 2u Entwicklung schreitet, ist durch sein einfaches Dasein und durch die Tatsache der Entwicklung immer und immer wieder dem skeptischen reflexionären Einzelgeiste überlegen. Dieser skeptische Geist muß auch jetzt wieder überwunden werden." Hans Benzmann im „Hochland" (17. Jahrgang, Heft 8) II. „Wir haben Asien, dem Osten, hochmütig den Rücken zugewendet als einer Region dumpfer Barbarei, und unser Antlitz gespiegelt in den leichten und vergnüglichen Idealen, die uns der zivilisatorische Westen darbot. Aus Asien aber kam noch jede große geistige Erneuerung, — was auch könnte hinfort aus dem Westen Gutes kommen, dort geht, in mehr als einem Sinne, die Sonne unter! . . . Auch heute schon ist Asiatisches in unsrer jüngsten Literatur am Werk: durch ihren starken jüdischen Einschlag. Es ist kein Zweifel, daß die Juden die geistige Haltung der deutschen Literatur heute ausschlaggebend bestimmen. Der Intellektualismus, an dem sie krankt, ist ihren Ursprungs, die Initiative, in neuer Gott-Erfassung Befreiung zu finden, steht bei ihnen." Hanns Braun im „Neuen Merkur" (3. Jahrgang, Heft 9) Für die Redaktion verantwortlich: Dr. Max Strauß» Berlin, — Jüdischer Verlag, Berlin, — Druck von Oscar Brandstetter in Leipzig.