Mannheim
Compact Memory

Der Jude · 1920-01-01 · Heft 5-6 · p. 371

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
5 (1920-1921)
Issue
Heft 5-6
Article
Vom zweiten Jahrgang der "Arbeit"
Date
1920-01-01
Page
371 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3101111-3101163-3101169-3105544--4240-3105681
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Umschau: Presserundschau 371 ein und bringt dabei so viel Unbekanntes und fast Unbekanntes, daß es wirklich fruchtbar erscheint, auf den abgelaufenen Teil des 2. Jahrgangs einen Blick zu werfen. Als die dringlichste Frage wird die des Aufbaus von Erez Israel behandelt und es verdient hervorgehoben zu werden, daß'für diese von wirklich lebendigem Volksbewußtsein erfüllte Zeitschrift z. B. Schulfragen von derselben Bedeutung sind wie die der Nationalisierung des Bodens. So gehört Siegfried Bernfelds „Universität und Volkskultur" (Juliheft) ebenso hierher wie etwa Gustav Landauers „Die Siedlung" (Juniheft) und vor allem die Detailkritik in der ständigen Rubrik „Aus Palästina". Durch alle diese Äußerungen zieht sich als ein einheitlicher roter Faden der Ruf nach Produktivierung der nationalen Wirtschaft und nach einer freien jüdischen Lebensgemeinschaft, innerhalb welcher, sowohl in der Arbeit als auch in der Ruhe, freudige Erfülltheit herrscht. Und die ständigen Übersetzungen aus der Presse von Erez Israel bieten durch die örtliche und gefühlsmäßige Nähe eine lebendige Illustration zu aUedem. Sie gehören gewiß zu den größten Verdiensten der Zeitschrift. Durch die Herausgabe des Gustav Landauer- Gedenkheftes (Juni) hat die Zeitschrift ihren Standpunkt innerhalb des Sozialismus sichtbar bestimmt. Gerade der bereits erwähnte Aufsatz Landauers zeigt, daß die Anknüpfung an diesen Mann durchaus organisch erfolgt ist. Hatten diesen Eindruck doch auch schon alle, als die Weltkonferenz des Hapoel Hazair und der Zeire Zion in Prag (Pessach 5680) geradezu von Martin Buber mit jenen Gedenkworten auf Landauer eingeleitet wurde, die auch den ersten Beitrag des Gedenkheftes bilden. Arnold Zweig, „Landauer", geht ebenso wie Buber auf die Tragik der Tatsache ein, daß gerade Landauer, dessen Sozialismus im Grunde zutiefst national war, ihn innerhalb eines fremden Volkes zur Geltung bringen mußte. Bei der schon erwähnten Weltkonferenz des Hapoel Hazair und der Zeire Zion in Prag ist nun auch der Weg von diesem sozialistischen Geiste zu den konkreten Fragen der nationalen Wirtschaft deutlich geworden. Besonders war es in Chaim Arlosoroffs Referat der Fall. Daß die „Arbeit" über die Konferenz ausführlich berichtet hat, ist selbstverständlich* Besonders aufschlußreich über die Weltkonferenz war Rudolf Samuels, „Die Prager Konferenz" (Heft 5/6). Ein besonders deutlicher Fortschritt ist gegenüber dem 1. Jahrgang in der Behandlung der Galuthfragen zu verzeichnen. In Heft 2/3 ist ein Brief von Martin Buber veröffentlicht, der einen ganz extremen Standpunkt formuliert (S. 38). Für ihn ist die „Galuthorganisation des Hapoel Hazair nicht als dessen prinzipielle Erweiterung und Ausgestaltung, sondern lediglich als dessen Reservoir anzusehen". Wiewohl auch andere Auffassungen zu merken sind, hat diese doch der Zeitschrift ebenso wie schon der Weltkonferenz den Stempel aufgeprägt. Sie führt vor allem zur Forderung nach Produktivierung der nationalen Wirtschaft auch in der Galuth. Das ist grundsätzlich auch insofern von Bedeutung, als infolgedessen für die Teilnahme am Klassenkampf der Völker, unter denen wir leben, keine Kräfte übrigbleiben. Stellt doch die Abkehr von dem parasitären Leben, das wir führen, tausend Aufgaben. Schon die - Überschriften der Rubrik „Zur Gegenwart" in einem Heft (Nr. 4) bietet ein Bild davon: G. P., „Die Arbeiterkolonte Weißensee"; Eres, „Problem der Grenadierstraße"; S. Gronemann, „Hebräisches Theater in Berlin". Die „Arbeit" wird sichtlich zu dem Organ der zionistischen Jugend. Von der vitalen Gemeinschaftstendenz der palästinensischen Hapoel Hazair herkommend, ist sie besonders imstande, der jüdischen Jugend über alle falschen Schlagworte von Jugendlichkeit, besonders das von Wyneken ausgehende, hinüberzuhelfen. Hier ist ein Weg zur wirklichen Verwandlung des Lebens; ihre Grundlagen sind (wie es Rudolf Samuel formuliert) konstruktiver Sozialismus und Chaluziuth. Ein klarer, eindeutiger Weg und doch nichts von geistiger Enge. Im Gegenteil. Dr. Siegfried Schmitz, „Tragische Schuld" (Heft 5/6 S. 66), betrachtet die Entwicklung der deutschen Sozialdemokratie mit demselben teilnehmenden Ernst, mit dem Heft 2/3 Peter Kropotkins Anschauungen über „Die Dezentralisation der Industrien" (S. 23) vorgebracht werden. Eins bleibt noch der Entwicklung der Zeitschrift zu wünschen: sie möge den Weg, der zum neuen Menschen führt, schon in unserem heutigen Leben erkennen lernen und lehren I Im Gegensatz zu dem Eindruck, den in dieser Beziehung der palästinensische Hapoel Hazair macht, hat da in der Galuth manches noch einen abenteuerlichen oder traumhaften Anstrich. Oskar Epstein Die Juden in der deutschen Literatur I. „Wie ist dieser mephistophelische, skeptische Geist in die deutsche Dichtung hineingekommen? In dieser neuen, zersetzenden Form scheint er mir nicht allein aus deutschem Wesen ent- 24*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.