Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 5 (1920-1921)
- Issue
- Heft 5-6
- Article
- Entgegnung [Rezension]
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 370 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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37<> Umschau: Presserundschau fehlen kann, in der Verbindung „werter Freund" zum Beispiel steht „wert" als Adjektiv ohne Objekt Weshalb es als Prädikatsnomen nicht auch so gebraucht werden soll, bleibt unerfindlich* Daß diese Wortverwendung im Deutschen ungewöhnlich ist, besagt ebensowenig gegen sie, wie daß diese Übersetzung in keinem Wörterbuch steht, es sei denn, daß man von jedem, der mit der deutschen Sprache umgeht, die Anpassung an den gewöhnlichsten Alltagsgebrauch verlangt* *i2 habe ich nicht einfach mit „Mensch", sondern wörtlich mit „Menschensohn" übersetzt, weil für „Mensch" im Aramäischen das viel weniger getragen klingende mn zu stehen pflegt. Es ist für den Geist einer Sprache kein unwesentliches Charakteristikum, ob sie Gattungsbegriffe nur wie in dem Worte „Mensch" mit einem sozusagen räumlich zusammenfassenden Wort oder wie in dem Worte „Menschensohn" mit einem Worte bezeichnet, das zugleich eine zeitliche Einreihung bedeutet. Der Übersetzer würde seine Pflicht schlecht erfüllen, wenn er diese letzte, dem Aramäischen und dem Hebräischen gemeinsame Besonderheit dem deutschen Leser unterschlüge* Daß Scholem die verschiedene Färbung dieser beiden Bezeichnungen nicht empfindet, entstammt ebenso der erwähnten Traditionslosigkeit, wie daß er mir bei der Übersetzung des ersten Stückes den „Volkston" vorwirft Daß und wie das Gleichnis hier gegeben wird, ist eben volkstümlich, und den Volkston des Originals wollte ich bewußt wiedergeben. Daß „Ein Gleichnis: — Wem ist die Sache ähnlich?" getrennt gedruckt wurde, ist darauf zurückzuführen, das beim Vortragen, etwa durch einen Maggid, das Wort hv&, ein Gleichnis, besonders und vom Folgenden getrennt betont wird. Daß die häufige Wiederholung der Wendung zu einer Abkürzung in der Schrift geführt hat, hängt gar nicht mit Stilgefühl, sondern mit Zweckmäßigkeit zusammen. Wenn Scholem schon die Autorität des Wörterbuchs so weitgehend anerkennt, so hätte er sie auch bei xiwik und nmrm gelten lassen müssen. Denn auch im Hebräischen (siehe Fürst zu nn«) wird trwnn im Sinne von „ergriffen werden" übersetzt. Ibn Ganach und Kimchi aber haben auch an „sich einen" gedacht, während die Späteren den Zusammenhang mit m annahmen. Dies schließt jedoch nicht aus, daß ich auch die Übersetzung „ergriffen werden" dort, wo es besser angeht, anwende. Die aramäischen Worte mit -n« regieren Niphal und Hithpael, und ich übersetzte verschieden, je nach* dem es der Zusammenhang ergab. So übersetzte ich „sich entwurzeln" und nicht „entwurzelt werden", um die aktive Schuld des Menschen, die dem Sinne nach hier gegeben ist, auszudrücken. Der Vorwurf bei p twy ist noch weniger stichhaltig. Mit demselben Recht könnte Scholem bemängeln, daß ich nfe« mit „sagen", „sprechen", „entgegnen" und „erwidern" übersetzte. Dem einen aramäischen Wort entsprechen eben, wie das bei verschiedenen Sprachen zu sein pflegt, je nach dem Zusammenhang verschiedene deutsche Worte, Das Wort «jpm bedeutet bei den Kabbalisten nicht „Gestalt" in einem allgemeinen Sinn, sondern wirklich „Gesichtszug", genau so wie wto thx im heutigen chassidischen Schrifttum. Recht hat der Kritiker bei den Einwendungen gegen die Schlußsätze der beiden letzten Stücke. Aber das allein rechtfertigt noch nicht seine Werturteile und den Aufwand an Krausscher Stilistik, mit dem er sie verkündet. Daß Scholem die in meinem Nachwort gebrauchte gieichnishafte Wendung von „Farbe und Duft" der Sprache auseinanderzerrt und „Farbe" wie „Duft" künstlich zu festen Begriffen macht, um mir aus dem einen dieser von ihm selbst konstruierten Begriffe einen Vorwurf zu machen, scheint mir wie vieles andere darauf hinzudeuten, daß hier eine „Lustkritik" um jeden Preis vorliegt. Den Quellen, die der Kritiker anführt und die ich kenne, stehen andere gegenüber, die ihm offenbar entgangen sind und die ich bei der Übersetzung der lurjanischen Hymne und bei meinem Argumentieren für das hohe Alter des Sohar benutzte. Bei der Übersetzung lag mir der Kommentar des Rabbi Jaakow, des Verfassers von «mip «*p**i« tjo vor, Bei der Begründung des hohen Alters des Sohar stützte ich mich auf Rabbi Jaakow Emden (siehe Mithpachath sphorim, Perek 7) und Franck, Die Kabbalah, Leipzig 1844 (Ende des Abschnitts über das Alter des Sohar). Der produktive Einfluß von Moses de Leon auf den Sohar steht gerade nach den letzten Forschungen nicht fest. Daß andere Kenner nicht wie Scholem meine Arbeit für die eines Ignoranten halten, dafür diene die Kritik als Beispiel, die Ernst Müller in der Wiener Morgenzeitung vom r8. Juli 1920 veröffentlichte, t i „ Jankew Seidmann PRESSERUNDSCHAU Vom zweiten"Jahrgang der „Arbeit" „Die Arbeit, Organ der zionistischen, volkssozialistischen Partei Hapoel-Hazair" nimmt im deutsch geschriebenen Teil der zeitgenössischen, jüdischen Literatur eine so wichtige Stellung