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Der Jude · 1920-01-01 · Heft 1 · p. 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
5 (1920-1921)
Issue
Heft 1
Article
In später Stunde
Date
1920-01-01
Page
5 (sequence 5)
Language
German
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Michael Jizchaki: Der vierundzwanzigste April 5 Wir, die wir als Mittler zwischen Europa und Asien nach Palästina gehen wollen, wir können nicht als Sendlinge eines untergangsreifen Abendlands vor den aus dumpfem Traum erwachenden Orient treten, um mit jenem sein berechtigtes Mißtrauen zu teilen; wir sind zu Herolden eines neu werdenden Abendlands erkoren, die unseren morgenländischen Brüdern helfen sollen, im Bunde mit ihm und aus eigener Kraft ein echtes Gemeinschaftsleben zu begründen, nach dem auch nur recht eigentlich zu begehren bislang die Effendis des Orients und die des Okzidents sie wirksam verhindert haben. Die Brücke, die der Ungeist von Versailles nie zustandebringen wird, wir können sie erbauen: aus unserer eigenen sozialistischen Wahrheit. Indem wir den unterdrückten Schichten der asiatischen Völkerschaften unsere Botschaft der Befreiung bringen, werden wir sie auch von der Besessenheit des falschen, machtgierigen aggressiven Nationalismus erlösen, mit dem ihre Unterdrücker, gelehrige Schüler des Europa von Versailles, ihre erwachenden Menschentumswünsche von deren natürlichem Ziel abzulenken streben. Aber das werden wir nur dann vermögen, wenn wir selber den letzten Ernst der Verwirklichung haben; wenn wir unsre Seele dem falschen Nationalismus aus den Klauen gerissen haben; wenn unser Sozialismus nicht Taktik und Propaganda, sondern aktive Sehnsucht und schaffender Wille ist. Dies sind die „stärkeren Mittel", von denen ich gesprochen habe, dies die Seelenselbstwehr, die allein den uns in Palästina bedrohenden chronischen Seelenpogrom zu beschwören vermag. Es steht in unserer Hand, ob wir dem erwachenden Blick des Orients als verhaßte Agenten und Detektivs, oder als geliebte Lehrer und Bildner erscheinen werden. MICHAEL JIZCHAKI I DER VIERUND¬ ZWANZIGSTE APRIL Noch ein „Datum" ist in unserer — und nicht nur in unserer — Geschichte verzeichnet. Nach dem zweiten November 1917, nach dem siebenundzwanzigsten Februar 1919 nun der vierundzwanzigste April 1920. London — in den heißesten Tagen des Krieges, dessen unmenschliche Schrecken die „Führer" in allen Lagern vor den ahnungslosen Massen zu verstecken suchten hinter den für die wenigen Sehenden so durchsichtigen Schleier der großen Worte: ... „Der Krieg, um den Krieg für immer niederzukämpfen", „um den Sieg der Demokratie zu erringen", „um die Freiheit und das Selbstbestimmungsrecht der Nationen"; die endlich in den einen neuen Menschheitsbund verkündenden vierzehn Punkten des großen Amerikaners zusammengefaßt wurden.

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