Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 4 (1919-1920)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Die Hebraisierung des Volkes
- Date
- 1919-01-01
- Page
- 465 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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Julius JLevinsohn: Moses Mendelssohn 46S und Zukunft haben, nur dann kann sie uns zum Ruhme gereichen, wenn wir unser Volkstum zu schätzen wissen und unsre Güter: unser Volk, unser Land, unsre Sprache: Du sollst deine Sprache lieben . . . Palästina S. Jabneeli (Aus dem Hebräischen von Arthur Rau.) MOSES MENDELSSOHN Die Wissenschaft erfaßt den Geist als Tatsache, die Philosophie als Problem, der Geschichte aber erscheint er als Tätigkeit. Wenn darum die Wissenschaft das allgemeine und notwendige Gesetz zu erkennen sucht, nach dem die Wirklichkeit, Geist und Natur, sich aufbaut, die Philosophie aber das Absolute in der Wirklichkeit, hat die Geschichte den Prozeß in seiner Tatsächlichkeit zum Gegenstand, in dem sich der Geist mit der Materie auseinandersetzt Dieser Prozeß vollzieht sich weder in der Allgemeinheit noch in der Ewigkeit. Er vollzieht sich in Raum und Zeit und im Dasein der natürlich bedingten Besonderheiten, die wir als organische Zellen des einheitlichen Weltaufbaus Nationen nennen. Die Geschichte soll die Entwicklung des Volksgeistes darstellen in und an der Wirklichkeit als der Tätigkeit des Geistes überhaupt Die Nation ist Träger, aber nicht Vollbringer der Weltgeschichte. Weltgeschichte ist Werk und nicht Resultat, Werk der führenden Völker, in denen der Geist lebendig ist, Werk der Führer selbst, die nur aus dem Volke hervorgehen, aus der Nation, die einen Weg sucht und einen Führer findet Die jüdische Nation hat niemals zu existieren aufgehört, aber das jüdische Volk hat nur einmal gelebt, damals als Männer des Schwertes und des Geistes um die Führung rangen, als Könige von Sehern eingesetzt und Propheten von Königen beseitigt wurden; damals stand unser Volk am Scheidewege, als zwei Weltmächte, Mächte des Geistes, um seine Gefolgschaft buhlten. Freilich ward die Wahl nicht schwer, denn nach den Katastrophen des öffentlichen Lebens, in denen sich die Eigenart des Volksgeistes gleichermaßen erwies wie in dem Triumph prophetischer Schau, gab es nur einen Weg noch: den prophetischen Geist, nach Babels Fall, in einer neuen Ordnung des nationalen Lebens, nach außen wie nach innen, zu verwirklichen; den Geist, nicht die Idee allein, die so schnell und so wohlfeil den Priestern aller Zeiten willkommener Götze abgestempelten Dienstes wird. Nicht anders geschah es hier. Sei es, daß die politische Zerrüttung zu groß, sei es, daß das Theokratentum zu mächtig geworden war — die nationale Kraft versagte, sich die neue Lebensordnung zu schaffen. An ihre Stelle trat ein schwächlicher Ersatz: ein Kompromiß aus prophetischem Gehalt und priesterlicher Form. Der Weg lebendiger Zukunft war verrammelt, das Volk ward Nation, Gemeinde, Rasse. Und wenn sich der nationale Lebenswille in den Hasmonäern noch einmal erhob, in Spanien nach langer Zeit der Ohnmacht neue Blüten trieb, Spinoza gar, nach längerer, der Einsame freilich sich wendend an die Ewigkeit, ihm gewaltig Ausdruck lieh — die zweite Galuth hatte doch die Wirklichkeit zer¬ Heft 10. QQ