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Der Jude · 1919-01-01 · Heft 9 · p. 419

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
4 (1919-1920)
Issue
Heft 9
Article
Jaakobs Traum [Rezension]
Date
1919-01-01
Page
419 (sequence 2)
Language
German
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Jaakobs Traum 419 jüdischen Dichter sich errungen und ausgesprochen haben, bricht bei Beer- Hofmann mit berauschender, beglückender Gewißheit durch: Wir sind dazu da, um Gott zu helfen, Zeugen seines Da-Seins zu sein. Dies ist der Gegensatz zwischen Jaakob und Edom, dies die Berechtigung für Jaakobs Segnung, daß Edom die Last Gottes nicht tragen will und nicht tragen kann. Edom will diesen Gott nicht, der immer nahe ist, und gibt sich damit zufrieden, daß „heilige Priester die Botschaft zwischen uns und ihnen tragen". Jaakob aber bietet sich Gott dar. Er weiß, daß die Erwählung furchtbar und schrecklich ist, wie der Gott, der wählt. So heißt „erwählt": traumlosen Schlaf nicht kennen, Gesichte nachts und Stimmen ringsum tags! Bin ich erwählt?! Dazu erwählt . ..? Dennoch wählt Jaakob dieses schweren Gottes schweren Dienst, den Edom flieht, um der Erde Segen zu gewinnen. Und was der Knabe Jaakob nur ahnte, erfaßt er mit entschiedener Sicherheit und Zuversicht in dem Erlebnis von Bethel. Dort verzichtet er auf die irdische Macht, die ihm Gottes Boten verheißen: den Gott erwählt, der darf sich damit nicht bescheiden. Er will nicht Seligkeit. „Könnt* ich denn selig sein, wenn alles leidet?" Da Leid ist und solange es ist, kann das Schicksal des Erwählten auch nur Leid sein. Er und sein Volk ist „von Gott erkorener Prügelknabe". Der Engel des Bösen nennt dies Schicksal, diese Auserwähltheit Verdammnis. „Erwähltes du — du Segen aller Völker — Wo wächst die Schmach denn, die dir nicht geschah? ... So segnet Er!" Der Sinn dieses Segens? Das große „Dennoch", dies „ich lasse nicht von Dir", das sich der gequälten Seele Israels entringt. Der Sinn der Auserwähltheit ist das Zeugnis: „Wer zweifelt noch, wenn du — von ihm zertreten, verblutend — deinen Gott, gerecht, noch preist!" Sprach nicht Schopenhauer vom ruchlosen Optimismus der jüdischen Gottesauffassung? Hier ist das selige Vertrauen kein Freispruch Gottes und der Welt, kein leichtfertiges „Ende gut, alles gut". Vielmehr die Erkenntnis, daß, wenn Schuld in der Welt ist, wir selbst mitschuldig sind, weil wir selbst Gottes Genossen am Schöpferwerke sind. „Und .. trägst Du Schuld — will mit ich tragen — lade Du Gott auf meine Schultern Deine Schuld." Was ich dennoch Beer-Hofmann vorwerfen möchte, ist, daß er, in christelnder Auffassung befangen, die Mission des auserwählten Volkes nur negativ sieht: als die Sendung des Leidens. Wer weiß, ob die jüdische Seele nicht heute, in der Stunde der Bitternis, Enttäuschung, Verzweiflung, nahe daran ist, die Lehre vom Leiden als letzten Sinn wie schon einigemal in frühern Jahrhunderten anzunehmen? Uns ziemt es nicht, hierbei stehen zu bleiben. Es ist ein pauiinisches Gift, das der Dichter uns damit reicht; der letzte Trost einer an der Wirklichkeit verzweifelnden Schwäche. Wir müssen darüber hinaus. Es ist der tote Punkt unseres Daseins die Passivität, die wohl größer sein kann, als schneller Aktivismus und als das . Getriebe, die aber dennoch nicht das Größte ist: Das Größte und Schwerste ist Gottes Tempel aufzubauen. dzt. London Hu*° Beremann 27*

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