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Der Jude · 1916-07-01 · Heft 4 (Juli 1916) · p. 267

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Journal
Der Jude
Volume
1 (1916-1917)
Issue
Heft 4 (Juli 1916)
Article
Jüdische Volkslieder
Date
1916-07-01
Page
267 (sequence 13)
Language
German
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Jüdische Volkslieder 267 — Ach, Rebbinju, wer et san der erster Arangang in Bes-hamikdosch? — Der Eberster mit Meschiach'n ein araingain, Mit alle Jidalach in Bes-hamikdosch aran. M'et tanzen, m'et springen, M'et hulien, m'et singen, M'et makriw san Korbones. Jakoiw-owinu et san der Arangang, Jizchok-owinu et halten dem Kois, Esra-hassoifer et inz Qwitlach schrabn, Awrohom-owinu et inz bentschen, Moische-Rabeinu et inz Toire lernen, Di L'wiim ein inz singen, Ahroin-hakoihen et inz tanzen, Dovid-hamailach et inz schpiln, Jajin-schomer et men trinkn, Bossor-w'dogim et men essn, Of di Ssude hant. . . Ach Rabbi, unser Rabbi, wer wird zuerst in den Tempel gehn? — Der Höchste selber mit Messias, sie werden hineingehn, Mit allen Juden in den heiligen Tempel hinein. Man wird tanzen, man wird springen, Man wird jubeln, man wird singen, Man wird heilige Opfer bringen. Jakob unser Vater wird Führer sein, Isaak unser Vater wird den Becher halten, Esra der Schriftgelehrte wird uns Wünsche schreiben, Abraham unser Vater wird uns segnen, Mose unser Lehrer wird uns Thora lehren, Die Leviten werden uns singen, Ahron der Priester wird uns tanzen, David der König wird uns spielen, Heilige Weine wird man trinken, Fleisch und Fische wird man essen Auf dem Mahl dereinst. Pryluzki No. 60. — 1. „Lewiathan" und „Schor-habbor", auch „Behemoth" genannt (ursprünglich auf Krokodil und Nilpferd bezogen), mythologische bösartige Ungeheuer, die bei den Apokalyptikern Henoch und Esra eine große Rolle spielen. Diese Tiere werden am Ende der Tage besiegt werden und den Gerechten beim großen Mahle vorgesetzt werden. 2. „Quitlach" nennt man die Zettelchen, auf welche die Chassidim ihre Wünsche schreiben, wenn sie sie nicht selber dem Rabbi übermitteln können. Desgleichen schreibt der Rabbi seine Segenswünsche auf, um sie an ferne Personen zu übersenden, welche sie dann auf heilige Gräber legen. — Das ist allerdings eine illustre Gesellschaft, welche die Gläubigen auf dem Messiasmahle versammeln: Abraham, Isaak, Jakob, Mose, Ahron, die Leviten, David, Esra, — und zuoberst der Höchste selber. Das ist ein Tisch, wie man ihn nicht sobald auf Heiligenbildern erblickt. Dieses Stück zeigt aber andererseits, wie irdisch das kommende Leben im Denken der chassidischen großen Menge sich darstellt. Das eben ist zugleich ihr Lob und ihre Grenze. Sie sind keine Philosophen, ja kaum noch Theologen, sie sind Dichter und Lebenskünstler, aber in Verbindung mit einer nahen Gotteswelt, — die ihnen zwar unbekannt ist und in die sie kaum tiefer dringen, als es chassidisch nötig *st, die sie aber tatsächlich — wissen. Vielleicht glauben sogar viele in frommer Einfalt an das, was sie singen und malen; im allgemeinen jedoch zwinkern sie mit den Augen und denken: ja, ja, so könnte es sein, aber es wird schon anders sein. Wie Sesagt, hier ist die Grenze dieser Gerechten, eine Grenze, die sich schwer überschreiten!äßt. Die Welt der Chassidim ist eng aber lebendig, ist Tag vom Tage und so im Kern vollkommen. Das auch sie einmal „Geschichte" wird, das liegt an anderen Dingen und vor allem am Werdegang und am Sinn der Welt. Berlin Arno Nadel

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