Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 4 (1919-1920)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Der Weg in das Land [Rezension]
- Date
- 1919-01-01
- Page
- 336 (sequence 2)
- Language
- German
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336 Bücherschau Geradheit bauen. Gerechtigkeit ist nicht gleiches Recht, es ist einerlei Recht, Gottes Recht. Darum sagt das wunderbar jüdische Wort: „Wann ich die Lauterkeit durch Gott geworden bin, so wend ich mich, um Gott zu finden, nirgends hin." Doch was habe ich da getan? Dies Wort, das ich eben „wunderbar jüdisch" genannt habe, ist von Angelus Silesius, der protestantischer Arzt und später katholischer Priester war. Da seht ihr, wohin es führen kann, wenn man den Unterschied vergessen will, der zwischen den Worten „jüdisch" und „gut" nun doch noch besteht. Aber wie nun gar, wenn einer seinem Gerechtigkeitsstreben erlaubt, in die Politik bestimmend einzugreifen. Muß dann nicht eine Schädigung des Volkes die Folge sein? Ja. Da nahezu alle politischen Machteinheiten nur auf Vorteil, gar nicht auf Gerechtigkeit bedacht sind, muß das Volk, das nach Recht und nicht nach Vorteil handelt, in Nachteil geraten. Undso will Hoef lieh diesen Nachteil des Volkes und ich begrüße diesen Willen, wo er sich in seinem Weg in das Land kundgibt. (Ich habe sogar einen für den Vorteil des Volkes überbesorgten Mann die Propheten anklagen hören, daß sie durch ihr Schreien nach Gerechtigkeit das Volk für den Vorteil des Augenblickes blind machten.) Auf manchen Vorteil wollen wir gerne verzichten, wie wir auch den Nachteil nicht begrüßen. Wir wollen überhaupt nicht Teil, wir wollen das Ganze dieser Welt: Gottes ■Gerechtigkeit, Gottes Recht. Nur der Weg, der unter Gottes Antlitz gerecht ist, ist der Weg in das Land. Darum ist Hoeflichs Buch nicht für die „Zionisten", denn es gibt wenig Gewähr für die „öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte". Aber noch einmal: Mag sich Vor- und Nachteil so oder so wenden und gestalten, wahrer Dauer Gewähr ist nur die bedingungslose Gerechtigkeit, denn sie wird an das Ende der Tage währen, Vor- und Nachteil aber ändern sich beständig. Wer darum Zijon für sein Volk will, der lehre es: „Wann ich die Lauterkeit durch Gott geworden bin, so wend ich mich, um Gott zu finden, nirgends hin." Es ist betrüblich, daß Gerechtigkeitswille, der doch Liebe als Politik (nicht Politikum!) ist, in ingrimmigen Tadel umschlagen muß, wenn er auf die Mächtepolitik sieht und wenn er auf die „jüdische Politik" sieht. Daß wir das Unliebsame aber Große, außerhalb der Machtpolitik stehen zu dürfen, leichtfertig verschenken, um das Böse zu wählen! Ein Staat unter Staaten! Den Blind-tobenden ein Ziel, den Bedenkenden ein Greuel. Hier gibt es nur die eine Rettung, die Hoef lieh in seinem Büchlein erwählt. Aber er erwählt sie nicht in der Einleitung, die sich in Staateripoiitik verfängt und insofern verfänglich ist, er wählt diesen Weg in den folgenden Bildern. Sagen die etwas wesentlich Neues? Nein, sie sagen Wesentlicheres. Sie sagen Liebe zum Land. Und dies ist der wesentlich zum ersten, zur Gerechtigkeit gehörende Boden, die Liebe und der Wille zum Land. Vielleicht ist es doch das Einzige, allen Ingrimm, auch den, der aus Gerechtigkeitswillen stammt, in die bauende Liebe zum Lande zu bahnen? Sicherlich, wenn nicht der Ingrimm eben daher käme, daß der Weg zum Land verrammelt ist von Machtwahn und Vorteilsucht der Wenigen und der Vielen. Darum tut doch beides not: Gerechtigkeit und Liebe zum Land. Werkhafte Liebe zum Land aber ist Arbeit. Aber bei uns heißt ja Arbeit alles, was zwischen Erwerb und Schöpfung liegt! Daß wir doch viele solche lebende Bilder aus Palästina hätten, daß unser Ingrimm sich ein Kleines mildern könnte! Elijahu Rappeport Für die Redaktion verantwortlich: Siegfried Lehmann, Frankfurt a. M., Grüneburgweg 101. — Für Österreich: Dr. M. Präge*"» Wien I, Rotenturmstraße 22. — Verlag von R. Löwit, Berlin und Wien. .— Druck von Oscar Brandstetter in Leipzig.