Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 3 (1918-1919)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Die jüdische Auswanderung aus den Vereinigten Staaten von Amerika
- Date
- 1918-01-01
- Page
- 588 (sequence 3)
- Language
- German
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588 Daten und Materialien Es wandern viel mehr Männer und Frauen aus — und ganz wenig Kinder. Ob wir es hier nicht vorwiegend mit denjenigen zu tun haben, die nach der alten Heimat zurückkehren, um die Mütter, die Frauen und die Kinder in das neue Vaterland herüberzunehmen? Die Statistik antwortet darauf nicht; die Vermutung spricht in sehr vielen Fällen dafür. Die berufliche Gliederung der jüdischen Auswanderer unterscheidet sich ebenfalls sehr stark von derjenigen der Einwanderung (s. Tabelle). Die freien Berufe Berufliche Gliederung der jüdischen Auswanderung Jahr Angehörige der freien Berufe Gewerblich Vorgebildete Angehörige verschied. Berufe Berufslose absolut in °! 10 absolut in °f 10 absolut in °/ 10 absolut in °/ /o 1911— 12 1912— 13 1913— I4 89 83 88 1,2 1,2 1,2 2677 1913 2164 36,1 28,5 31,8 3233 3602 3343 43,5 54,3 48,3 1419 1099 1231 I9A 164 18,2 bilden regelmäßig i,2°/0, die gewerblich Vorgebildeten 28,5—36,1%» die Angehörigen verschiedener Berufe 43,5—54,3% und <"e Berufslosen nur 16,4—19,1 %• Die Auswanderung von Angehörigen liberaler Berufe ist also viel stärker als ihre Einwanderung; ziemlich gleich sind die Prozentsätze für die gewerblich Vorgebildeten und recht günstig ist das Bild der Berufslosen: denn die Auswanderung von Berufslosen ist fast 21/2mal kleiner als ihre Einwanderung. Zahl der Handeltreibenden in der jüdischen Auswanderung Jahr Kaufleute und Händler Kommis, Buchhalter u. Handelsgehilfen Bankiers Insgesamt In % zu der jüdischen Auswanderung 1911—12 1039 177 3 1291 I7,i 1912—13 727 157 1 885 13,2 1913—14 903 175 6 1084 15,8 Recht stark ist jedoch die Auswanderung, von Handeltreibenden (s. Tabelle), eine Erscheinung, die merkwürdig-genug ist. Der Prozentsatz der Handeltreibenden bildet in den Jahren 1912—1914 13,2—17,1% der jüdischen Auswanderung. Der jüdische Handelsstand wandert also aus Amerika prozentual dreimal so stark aus als er einwandert. Die jüdischen Händler, die im Osten Europas mit einer Zähigkeit ohnegleichen sich in den alten Wohnorten zu behaupten suchen, weil sie das richtige Gefühl für die Möglichkeiten ihres Emporkommens besitzen, verlassen anscheinend bedenkenlos das hochentwickelte kapitalistische Land, in dem sie keine Verwendung finden können. Ein ganz entgegengesetztes Bild erhalten wir bei der Betrachtung der Auswanderung der jüdischen Handwerker Amerikas (s. Tabelle). So wanderten im Jahre 1911—1912 Bekleidungsgwerbe und Lederverarbeitung in der jüdischen Auswanderung Bekleidungs¬ Leder¬ Jahr gewerbe verarbeitung absolut in% absolut in % 1911—1912 IS" 21,5 142 2,0 1912—1913 1049 15,0 91 i,3 1913—1914 1181 16.8 133 1,8 1511 der im Bekleidungsgewerbe beschäftigten Handwerker aus, d. h. 21,5% aller Auswanderer. Im Jahre 1912—1913 15% und im Jahre 1913—1914 16,8%. Es wanderten dagegen in diesen drei Jahren durchschnittlich 20,3% von Handwerkern derselben Branche ein. Die Auswanderung des Handelsstandes ist also stärker als seine Einwanderung, dagegen ist die Einwanderung der Handwerker stärker als ihre Auswanderung. Dasselbe ergibt die Betrachtung der Auswanderung der in der Lederbearbeitung beschäftigten Handwerker. So wanderten im Jahre 1913—1914 1,8 % der in der Lederbearbeitung beschäftigten Handwerker aus. Es wanderten jedoch 27% ein. Wlad. W. Kaplun-Kogan Für die Redaktion verantwortlich: Dr. Fritz Löwenstein, Berlin W 15, Düsseldorfer Straße 73. — Für Österreich-Ungarn: Dr. M. Präger, Wien I, Rotenturmstraße 22. — Verlag vonR. Löwit Berlin und Wien. — Druck yon Oscar Brandstetter in Leipzig.