Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 3 (1918-1919)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Vor der Entscheidung
- Date
- 1918-01-01
- Page
- 546 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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546 Amitai: nichts zu schaffen haben wollen, haben wir lediglich dadurch zum Ausdruck zu bringen: erstens, daß wir uns aller „äußeren Politik" enthalten — bis auf die Schritte und Maßnahmen, die erforderlich sind, um ein dauerndes freundschaftliches Einvernehmen mit den Arabern auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens, ja eine umfassende brüderliche Solidarität herbeizuführen und zu erhalten; zweitens, daß wir unsere wirtschaftliche und soziale Ordnung von den Postulaten unseres uns von den Urvätern überlieferten und unsern Geist durchwaltenden Strebens nach Gerechtigkeit und Gemeinschaftlichkeit, sowie von den besonderen Anforderungen unseres Volkswesens und der Landesnatur Palästinas bestimmen lassen, nicht aber von den Wünschen und etwaigen Anerbietungen des machtstrotzenden und doch bald untergangsreifen englisch-amerikanischen Kapitalismus; drittens, daß wir bei der Begründung unserer kulturellen Institutionen einzig darauf bedacht sind, die schöpferischen Kräfte des Judentums zu fördern, dabei allen guten Anregungen Europas zugänglich bleiben, uns aber hüten, die vielgepriesenen, unserem und allem neuen Menschentum jedoch unangemessenen Einrichtungen westlicher Erziehung und westlicher Lebensführung respektvoll zu übernehmen, und im übrigen dessen eingedenk bleiben, daß wir ein semitischer Stamm sind und Palästina ein vorderasiatisches Land ist. 5- Chaim Weizmann hat vor dem Zehnerausschuß der Friedenskonferenz den aufrechten Ausspruch getan, Palästina solle den Juden gehören, wie England den Engländern und Amerika den Amerikanern. Ich habe diesen Worten nur eines beizufügen: Ernstmachen! Mitte März 1919 Martin Buber CHRONIK Das Leben aller Völker und Länder wird gegenwärtig beherrscht von großen Entwicklungsprozessen, die der Krieg verursacht hat; und sicherlich wird die Periode, die den Ablauf dieser Prozesse zu ihrem zentralen Inhalt haben wird, sich noch über manche Jahre (zumindest) erstrecken. Die katastrophale, revolutionäre Umwälzung im Dasein der Menschheit, die der Krieg eingeleitet hat, wird naturgemäß nicht mit ihm ihren Abschluß finden. Der Krieg war, so gesehen, nur Einleitung und Anfang gewesen; der Hauptteil, der die Entscheidung über Sinn und Richtung dieser Umwälzung bringen muß, steht uns noch bevor. Für das jüdische Leben gilt grundsätzlich das gleiche. Denn waren wir auch nicht aktiv, als Gemeinschaft, am Kriege beteiligt, so haben uns seine Wirkungen ebenso stark und fühlbar betroffen wie alle anderen; eingestellt in das Dasein der Völker und verknüpft mit ihrem Entwicklungsgang, steht auch das Judentum vor der Aufgabe der Auseinandersetzung mit den Strömungen und Prozessen, die der Krieg ausgelöst hat. Den Beginn dieser Auseinandersetzung, die erste umwälzende Entwicklung, in die der Krieg uns hineingestellt hat, stellt die Kongreßbewegung dar. Zögernd