Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 3 (1918-1919)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Verlag Stybel
- Date
- 1918-01-01
- Page
- 490 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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490 Bücherschau monowitz und andere namhafte Schriftsteller. Eine Übersetzung der Werke Spinozas, die Herausgabe einer illustrierten Weltgeschichte durch ein Kollegium von Fachleuten, von Monographien über jüdische Künstler und einer Kunstgeschichte werden vorbereitet. „Wir eröffnen auch — heißt es am Schlüsse der Verlagsanzeige — eine Abteilung für Originalbücher aus allen Gebieten; wer auf irgendeinem Gebiete ein wertvolles Buch verfaßt hat, kann sich an uns wenden." Die Ausgabe eines Wochenblattes unter dem altberühmten Titel Hador — Frischmanns einstige Zeitschrift — ist ebenfalls der Verwirklichung nahe. Man sieht, reichere und vielseitigere Versprechungen hätte der Verlag nicht gut machen können. Vielleicht ist das Programm eher etwas zu bunt. Noch scheint man den Übersetzern in der Wahl zu sehr freie Hand zu lassen. Ein so großes Kulturwerk, wie es Stybel zu schaffen im Begriffe ist, bedarf festester ^Leitung, damit vor allem das Notwendigste übersetzt werde. Das Notwendigste ist gewiß die Übersetzung der Klassiker der Weltliteratur — aber nicht nur der okzidentalen; wir brauchen den Einfluß des Orients auf unsere schon etwas allzu europäisch gewordene Literatur. Nach den Klassikern aber scheint mir das wichtigste die Übersetzung unserer eigenen jüdischen, in fremden Sprachen niedergelegten Literatur ins Hebräische. Weit wichtiger als so mancher Autor in der langen Liste des Verlages erscheint mir Philo, erscheinen mir die jüngeren Schriftsteller des Judentums, wie S. R. Hirsch. Vollends die Zeitgenossen sollten aus allen Sprachen übersetzt werden. Die hebräische Literatur soll die eine nationale Literatur unseres Volkes werden, die sein gesamtes Schaffen in sich vereinigt, in der wir, aus allen Ländern und Zungen, einander begegnen und uns kennen und verstehen lernen. Werke, die so nachhaltig eine Generation erzogen haben wie die Bubers, Dichter, die so charakteristisch für den Geist dieser Generation sind, wie Brod, Werfel und ihre Freunde, müssen auch Eigentum der hebräischen Literatur werden. Gustav Landauers „Aufruf zum Sozialismus" ist im Augenblick für uns wichtiger, als das „Kapital" von Marx. Werden sich im hebräischen Schrifttum die jüdischen Einflüsse aus der ganzen reichen Welt des Galuthschaffens treffen, so wird ein gesteigertes, aus allen Tiefen des Menschlichen befruchtetes Judentum in unserer Sprache sein Werkzeug finden. Da mit Spinoza und Bergson die Reihe der Übersetzungen philosophischer Werke eröffnet wird, sei noch über diesen Gegenstand ein Wort gesagt. Hier, wenn irgendwo, bedarf es strengster Einheitlichkeit. Nichts ist philosophischer Forschung hinderlicher, als unklare Terminologie, wechselnde Ausdrücke, Vieldeutigkeit. Wer etwa, deutsche Werke übersetzend, nicht deutlich zwischen „Anschauung" und „Vorstellung" unterschiede und jeden Terminus konsequent in der Übersetzung festhielte, würde nur Verwirrung und Unheil stiften. Hier darf nichts überhastet werden; ehe an die Übersetzung geschritten wird, muß der Verlag eine bindende Terminologie für philosophische Übersetzungen herausgeben. Alle diese Bemerkungen wollen selbstverständlich keine Kritik des kaum begonnenen Werkes sein, sondern nur Ausdruck des herzlichen Dankes, den wir alle Abraham Josef Stybel schulden. U„„Ä J Hugo Bergmann Für die Redaktion verantwortlich: Dr. Max Mayer, Berlin W iSi Düsseldorf« Straße 23. — Für Osterreich - Ungarn: Dr. M. Präger, Wien It Kotenturmstrafie 22. — Verlag von R. Lfiwit, Berlin und Wien. — Druck von Oscar Brandstetter in Leipzig.