Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 3 (1918-1919)
- Issue
- Heft 8-9
- Article
- Loblieder
- Date
- 1918-01-01
- Page
- 434 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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434 Ernst Elijahu Rappeport: und nicht über den Kreis seiner Arbeit sehen. Die aber Gott lieben und in seinem Brand brennen, lauern nicht, bis Gelegenheit ihnen vorbeigeht, wie die Beute vor dem Räuber; ihres Blickes Leuchte ist nicht Gier und sie genügen sich nicht an der Ameise Hartnäckigkeit. Ihr Schauen gibt Licht und erleuchtet! Sie tun es nicht zu tausendenmalen, bis daß es schließlich gelinge, sondern was ihre Hand anfaßt, ist einmal und mit einmal ist es getan. Wenn die Schaufeln der Guten und Gerechten fleißig sind, dann stehen die Engel des Höchsten dabei und geben Gelingen. Wenn aber der Spaten der Gottrechten und Inbrünstigen seinen da drückt Gottes Macht auf den Handgriff. [Stich tut, Die Handlungen der Guten sind voll Gelingens; die Griffe der Inbrünstigen sind Tat. Welt, juble Haschern zu, denn sein Brand schmilzt dich neu! Singet Haschern ein leises Liedl Schließet die Türen bis in die Vorhöfe und riegelt deren Tore mit schweren Riegeln, denn ich will ganz leise zu euch sprechen* Haltet euren Atem in euren Händen, daß er ohne Lärmen aus eurem Munde fahre, denn mein Wort ist eine sehr stille Predigt. So groß der Lärm um mich, so groß Jst das Elend, denn Gott selber liegt in allerlei Schwere gebunden. Höret es mit der Stille eurer Seelen: Elend umgibt uns, denn Gott selber ist so gar elend und verlassen. Er hat sich auf Jissrael gestützt, wie auf seinen Stab, aber der Stab ist unter seinen Händen zerbrochen, und er will nicht sein Volk so sehr verlassen, daß er nach einem anderen Stab greife. Haschern leidet an unserer Gebrochenheit. Wollen wir uns nicht zurechtrichten in einer Richte, daß wir wieder fest sind und Stütze des Höchsten? Wird es genug sein, daß wir uns wohl sein lassen und des Bundes nicht denken, dessen wir sind? Wollen wir unsern Blick so gar nicht abwenden von dem Törichten und Nichtigen und so gar nicht ansehen das Eine und aller Eitelkeit Ferne? Soll uns Genüge sein an dem, das Haschern nicht genügt? Sollen wir uns der Masse der Vielen zuwenden oder der Richte des Einen? Ach, daß unser Blick doch vollgesogen wäre mit der Not Gottes um sein Volk, daß wir uns bereiteten, abermals Altar zu sein für seine Herrlichkeit!