Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 3 (1918-1919)
- Issue
- Heft 8-9
- Article
- Loblieder
- Date
- 1918-01-01
- Page
- 427 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Loblieder 427 denn meine Seele faltet sich Dir zu* Auf Propheten berufe ich mich nicht und sitze nicht auf Deinen Geboten. Mehr ist hier, als Beruf und überstiegen ist das Gebot. Haschern hat mir gerufen. Meine Seele sagt seinen Ruf. Die Elle des Höchsten macht maßlos. Ich bin nicht maßvoll vor Dir, Haschern. Meine Seele fließt über ihre Ränder. Wie ein übergossenes Glas triefe ich. Denn du hast deine Elle an mich gelegt, da ward meine Seele über alle Maße. Du hast Dich in mein Herz gegossen, davon fließe ich über. Ich will meinen Überfluß zu meinem Notwendigen tun und will Dir jubeln. Preisen will ich Dich ohne Maß. Gelobt sei der Höchste unter allen Hohen, der die Herzen setzet und setzet sie ohne Grenzen! Er ist der Ort, aus dem Kraft fließt, was aber wiederfließt ist nicht so viel, wie der Tau auf der Wiese. Jissrael wird nicht nach Tagen gemessen. Jubelt Haschern zu, denn eure Tage sind ohne Zahl. Jubelt ihm alle, aus dem Hause Jissrael, Jubelt ihm alle aus dem einen Hause! Jubelt und rufet: „Du hast Dich meiner Seele aufgelegt, da wurde ich. Der Geburt des Höchsten folgt kein Ende!" Du liegst über Jissrael gebreitet, wie die Weingärten über den'' Hügeln; Jissrael wird bei Dir nicht nach Tagen gemessen! Haschern reiße an dem Faden um meinen Hals. Haschern, ich bin aus Dir gebaut in einem Stück, wie ein ausgemeißelter Felsen. Dennoch frage ich nach Zeiten, Tag um Tag und reihe Stunde an Stunde. Aber wie ein dünner Faden liegt Deine Ewigkeit mir um den Hals. Ich teile die Zeit nach Jahrtausenden und Hunderten und das Jahr spalte ich in Monde. Aus Minuten baue ich meine Stunden; doch wie ich sie auch aufreißen mag, ich gehe nicht durch die Fugen der Zeit zu Dir ein.