Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 3 (1918-1919)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Rab [Rezension] / E. L.
- Date
- 1918-01-01
- Page
- 344 (sequence 1)
- Language
- German
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BÜCHERSCHAU Rab*) Aus der Fülle des talmudischen Stoffes, die dieses Werk uns darbietet, erwächst nicht nur die Persönlichkeit des großen babylonischen Geisteshelden, sondern der Verfasser zeichnet gleichzeitig den Hintergrund, von dem das Bild Rabs sich abhebt, und erweitert seine Darstellung zu einem Gemälde, welches das gesamte Kulturleben des Zeitalters umfaßt. Einen besonderen wissenschaftlichen Wert erhalten die Ausführungen durch den interessanten Nachweis der Verschiedenheit von judäischerund galiläischerDenkungsar t. Die Scheidung zwischen Judäa und Galiläa, welche nicht nur in politischer Beziehung schon in biblischer Zeit stark ausgeprägt war, ist noch an den palästinensischen Hochschulen der ersten nachchristlichen Jahrhunderte feststellbar. Bezüglich der Methode und Anschauungsart bestanden tiefgehende Unterschiede. Die galiläischen Gesetzgeber vertraten mehr die individualistische und subjektive, die judäischen mehr die synthetische und kontemplative Geistesrichtung; erstere erschöpften sich an den Differenzierungen des Einzelnen, während diejudäer mehr typisch und universell empfanden und den konstruktiven Zusammenhängen nachgingen. — Diesen Gegensatz der psychischen Struktur, aus dem sich nach des Verfassers Meinung zahlreiche Kontroversen und Debatten im Talmud erklären, überträgt Zuri auf die babylonische Erde, wo in Sura durch den Einfluß Rabs die judäische Richtung zum Sieg gelangte, während in Babylonien früher unter der geistigen Führung von Samuel ausschließlich die galiläische Denkart geherrscht hatte. Der an judäischem Geist orientierte Rab erscheint in seiner Stellung zu den j üdischen *) Rab. Sein Leben und seine Anschauungen von L S. Zuri (Schesak). Zürich 1918, Buchdruckerei G. v. Ostheim. Problemen als ein Mann von prophetischer Tiefe und messianischem Weitblick, der von dem ewigen Gehalt des Judentums nicht nur leidenschaftlich erfüllt war, sondern ihn auch als Schöpfer unserer herrlichsten Gebete in poetischer Kraft und Schönheit zu formen vermochte. Aus den zahllosen Überlieferungen, die über den von seinen Schülern als „Rab" vergötterten Abba Areka im jüdischen Schrifttum hinterlassen sind, rundet sich ein deutliches Bild seiner Persönlichkeit. Im Gegensatz zu Samuel und seinem vorsichtig abgeklärten, sanften und bedachten Wesen war Rab eine sanguinische Kraftnatür, eine starke und selbstbewußte Persönlichkeit, im Affekt ebenso stürmisch wie aufrichtig in der Reue bei erkanntem Fehlgriff; dabei ein Mann von vornehmster Gesinnung und unbedingter Selbstlosigkeit äußeren Ehren und Würden gegenüber. Der genialen Geisteskraft entsprach die organisatorische Meisterschaft. Beide wirkten zusammen, um durch die Schöpfung der Universität zu Sura bei scheinbar ungünstigsten Verhältnissen ein neues, glanzvolles Kulturzentrum erstehen zu lassen. Es bleibt bewundernswert, wie es Rab gelang, aus einer rohen und verwilderten Provinz Babyloniens in kurzer Zeit ein vorbildliches und mustergültiges jüdisches Gemeinwesen zu schaffen. Daß dieser glänzende Erfolg auch der jüdischen Sehnsucht und dem jüdischen Kulturwillen der heutigen Zeit eine bedeutsame Mahnung sein kann, hat der Verfasser nicht ausgesprochen; es würde ja auch über den Rahmen eines wissenschaftlichen Werkes hinausgehen. Aber die innigen Beziehungen, welche zwischen dem Gelehrtenkreis Suras und Palästina obwalteten, und die gegenseitige Befruchtung, welche aus dem geistigen Konnex sowohl für Erez Israel wie für die babylonische Golah hervorging, hat er mit besonderer Liebe hervorgehoben. E. L. Für die Redaktion verantwortlich: Dr. Mar Mayer, Berlin W 15, Düsseldorfer Straße 23. — Für Österreich-Ungarn: Dr. M. Präger, Wien I, Rotenlurm3tra8e 22. — Verlag von R. Löwit. Berlin und Wien. — Druck von Oscar Brandstetter in Leipzig*