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Der Jude · 1918-01-01 · Heft 1 · p. 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
3 (1918-1919)
Issue
Heft 1
Article
Die Juden in der Weltpolitik
Date
1918-01-01
Page
12 (sequence 6)
Language
German
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Albrecht Hellmann: Die Gesamtheit der Juden hatte an diesem Internationalismus keinen Anteil. Dieser Internationalismus ist nicht jüdisch, denn er ist nicht national, und die ihn tragen, sind die stärksten Verneiner des Judentums. So paradox es klingen mag: das Judentum ist erst international geworden, als es national wurde. Was vor dem Zionismus in der Welt als sogenannter Internationalismus existierte, war ein klägliches Rudiment des früheren intensiven jüdischen Zusammengehörigkeitsgefühls. Die Anteilnahme am Geschicke der „Glaubensgenossen" war ein erbärmliches und im Grunde unverständliches Überbleibsel, das vor dem Eifer, den die westlichen „Glaubensgenossen" für das fremde, von ihnen aber als eigen reklamierte Volk entwickelten, verblaßte. Wirklich aktiv und bewußt, nicht mehr unklaren Gefühlen und pietätvollem Herkommen entspringend wurde die von den Antisemiten so genannte internationale jüdische Solidarität erst, als die Juden national zu werden begannen. Das Judentum ist international, international, und nicht bloß interterritorial, es ist international nicht allein deswegen, weil Juden unter allen Nationen der Welt wohnen, unbeschadet ihrer Zugehörigkeit zum jüdischen Volke an ihren Geschicken Anteil nehmen und von ihnen. manches angenommen haben, sondern auch darum, v/eil sie gesonnen sind, ohne Schaden für diese Völker, ja ihrer tiefsten Überzeugung nach zu ihrem größten Nutzen ihre Zugehörigkeit zu ihrer Nation unverwischt und rein zu erhalten. Wiederum sind es zwei verschiedene Formen, in denen die Internationalität des jüdischen Volkes, die von der politischen Richtung des sogenannten jüdischen Internationalismus wohl zu unterscheiden ist, sich manifestieren kann. Die erste höhere ist der Glaube an die Weltsendung jüdischen Geistes, der nicht der Geist sabbatlicher Herzensergießungen liberaler Rabbiner und sonstiger Bekenntnisse von Deutschen oder Engländern jüdischer Konfession, sondern der Geist des jüdischen Volkes ist, der Geist, in dem Theodor Herzl das große Wort sagte, der Zionismus sei ein endloses Ideal. Über die zweite, die politische Form jüdischer Internationalität handelt das folgende Kapitel. Man hat es den Zionisten zum Vorwurf gemacht, daß sie den Juden der Diaspora über seine komplexe Stellung unter den Völkern in ihrer vielfältigen und schmerzlichen Problematik durch das schematisierende Dekret eines einförmigen Nationalismus hinwegtäuschen wollten. Es sei nicht wahr, daß wir nichts anderes als Juden seien. Zerstreuung und Assimilation hätten in der Seele des Juden deutliche und unvertilgbare Spuren hinterlassen, die nicht wegzudekretieren seien. Es braucht nicht erst darauf hingewiesen zu werden, daß diese Beschuldigung einer mißverständlichen Auffassung der zionistischen Forderung entspringt, die absurd wäre, wenn wir ein Volk wie alle andere Völker, also einheitlichen, ungemischten und gewohnten Charakters wären. Insbesondere für den Westen gilt, daß es hier kein jüdisches Volk gibt, nur Juden, die es mit anderen werden wollen. Aber wir geben den gegen uns erhobenen Vorwurf zurück. Es ist reinster Doktrinarismus, der behauptet, die Juden seien nicht mehr als das, zu dem sie sich lediglich bekennen wollen: eine Konfession. Hier wird nicht einmal ein Attribut an die Steile der Substanz gesetzt, sondern eine neue, fremde Substanz, die eines anderen Volkes, wird mit einem alten Attribut versehen. Der westeuropäische Jude ist allerdings nicht allein Jude, aber seine Substanz ist jüdisch, und es heißt den schweren Ernst des Problems, das uralte, seit Jahrtausenden her ererbte Wesen mit den neu erworbenen Eigenschaften auseinanderzusetzen, auf die bequemste Weise vereinfachen, indem man

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