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Der Jude · 1917-01-01 · Heft 10-11 · p. 720

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Journal
Der Jude
Volume
2 (1917-1918)
Issue
Heft 10-11
Article
Bagdad und Suez [Rezension]
Date
1917-01-01
Page
720 (sequence 2)
Language
German
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720 Bücherschau Suez kommen in Eine Hand, in die des naturgemäß stärkeren Nordreichs. Die Achse der Geschichte vollzieht nun eine Drehung: der geeinigte Orient greift über die Meerengen nach Europa hinüber. In 200 Jahren ist auch hier der Ausgleich der Kräfte erreicht, aber im umgekehrten Sinne: Griechenland überwältigt den Orient in den Zügen Alexanders des Großen. Nach dem Zerfall der Einheit treten sofort die alten Kräfte des Gegensatzes in Tätigkeit, und eine neue Zusammenfassung, diesmal für Jahrhunderte, gelingt erst der Weltmacht Rom. Besonders reizvoll ist es, die Rolle Palästinas in diesen Kämpfen zu verfolgen, und das ist das eigentliche Thema Margulies'. Solange Babylon und Ägypten im Widerstreit liegen, ist Palästina Kampfplatz und kann nicht zur ruhigen Entwicklung kommen. Eine Ausnahme macht nur, während beide Großreiche durch innere Kämpfe gelähmt sind, die Bildung eines stattlichen Zwischenreichs unter David-Salomo. Die später immer wieder hervortretende verkehrte Schaukelpolitik Palästinas zwischen den beiden Reichen an Stelle feines resoluten Anschlusses an das Nordreich führte zum Untergange von Israel- Juda. Eine neue Epoche der ruhigen Aufwärtsentwicklung ist erst durch das Friedensreich der Perser ermöglicht, das Ägypten mit umfaßt. Die Diadochenzeit, die Ägypten abtrennt, ist darum wieder mit dauerndem Kampf auf palästinensischem Boden erfüllt. Wieder zeigt sich, daß Palästina nach Norden gravitiert. Der innere Zerfall des Seleukidenreiches verhilft den Juden noch einmal zur Unabhängigkeit; aber das römische Weltreich bringt ihnen nicht, wie der übrigen Welt, einen dreihundertjährigen Frieden, sondern [den staatlichen Untergang infolge unüberbrückbaren inneren Gegensatzes. Zahlreiche Streiflichter wirft die Studie Margulies' daneben auf Fragen des Welthandels, der Handelspolitik und der Wirtschaftsgeographie. Der Hauptwert dieser Betrachtung von hoher Warte aus aber liegt in den Lehren, die sie gerade in der Gegenwart für die Rolle Palästinas und damit für seine Zukunft gibt. Elias Auerbach Die jüdischen Dialekte I. Zu den angeblichen Anomalien des jüdischen Gemeinschaftslebens, die noch der wissenschaftlichen Hand harren, um in den Rahmen der allgemeinen und natürlichen Lebenserscheinungen der Völker eingefügt zu werden, gehört auch die der besonderen Dialekte. Nicht nur die Bildung dieser Idiome, sondern auch ihre lange Lebensdauer erscheint rätselhaft. Wenn ein Völkerstamm seit langen Jahrhunderten verstreut unter anderen lebt» seine Sprache vergißt, um die des Landes, das ihm Zuflucht oder Verbannung bedeutet, zu sprechen, sollte er sich nicht schließlich doch die neuen Sprachlaute vollkommen aneignen und sich wenigstens in diesem Belang der eingeborenen Bevölkerung angleichen? Nun sprach das jüdische Volk, das seit mehr als zweitausend Jahren nicht mehr hebräisch spricht, bis in die neuere Zeit niemals seine verschiedenen, angenommenen Sprachen in der landesüblichen Form, sondern hat sie immer mehr oder weniger gründlich verändert. So . hat es das Jüdisch-Griechische, das Jüdisch- Spanische, das Jüdisch-Provenzale, das Jüdisch- Deutsche usw. geschaffen. Wie läßt sich diese Untauglichkeit zu sprachlicher Anpassung erklären? Wenn die modernen Israeliten nicht in allen Ländern genau so wie ihre christlichen Mitbürger sprächen und nicht in allen Literaturen ihre bedeutenden, zahlreichen Vertreter hätten, dann würde man mit Chamberlain diesen Mangel an sprachlichem Anpassungsvermögen als einen spezifisch jüdischen Fehler ansehen dürfen. Das Problem dieser Stammeseigentümlichkeit unternimmt Matthias Mieses in einer Schrift, betitelt: Die Entstehung der jüdischen Dialekte (R. Löwit Verlag, Wien) zu lösen* Die Eigenart dieser Arbeit besteht in der empirischen Methode, die auf das Studium des Problems angewandt ist. Indem der Verfasser sich nur auf die Tatsachen stützt, scheint er alle spekulative Theorie auszuschließen. Verschiedene Hypothesen sind über diesen Gegenstand aufgestellt worden, den die offizielle Wissenschaft hartnäckig verkennt. Es sind die folgenden: 1. Die abnormen Lebensbedingungen, unter denen die Juden, verfolgt, der allgemeinen Bürgerrechte beraubt, leben mußten, hätten, abnorme Idiome entstehen lassen. 2. Die Juden hätten die Sprachen der Länder, die sie bewohnten, umgewandelt, weil ihr spezifisch semitischer Geist sie hinderte, diese Sprachen fremder Rassen sich vollkommen anzueignen. 3. Die jüdischen Dialekte hätten ihren Ursprung auf wirtschaftlichem Gebiete. Denn da die Juden sich den Handelsgeschäften widmeten und eine kapitalistische Rasse bildeten, hätten sie ihre Sprache nicht der der Bauern- und Proletarierschichten, die sie umgeben, anpassen können.

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