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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 7 · p. 498

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Journal
Der Jude
Volume
2 (1917-1918)
Issue
Heft 7
Article
Die Juden in der galizischen Landwirtschaft
Date
1921-01-01
Page
498 (sequence 1)
Language
German
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IRI
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498 Daten und Materialien DATEN UND MATERIALIEN Die Juden in der galizischen Landwirtschaft Es ist allgemein die Meinung verbreitet, daß die Juden in der Landwirtschaft Galiziens keine, oder nur eine ins Handelsgebiet hinübergreifende Rolle spielen. Sie hat wohl ihren Grund in dem tiefeingewurzelten Vorurteil, das in uns nur ein Volk der Rechner und Feilscher, nicht aber eins der Arbeit sieht. Diesem Vorurteil verfällt aber nicht nur die kritiklose vox populi, sondern auch Intellektuelle, die berufen wären, auf die öffentliche Meinung gestaltend und korrigierend zu wirken, versagen, sobald von der beruflichen jüdischen Tätigkeit die Rede ist*). Sie haben offene Augen für den gewinnsuchenden, rastlos haschenden Zwischenhändler und Krämer, geben sich aber nicht die Mühe, unsern Handwerker in seiner Werkstätte aufzusuchen, und auch alle anderen Zweige, in denen Juden tätig sind, lassen sie außer acht. Zur Beweisführung werden auch die galizischen Juden herangezogen, ja oft sogar als das Schulbeispiel aller schlechtesten beruflichen Manieren hingestellt. Und doch sehen die beruflichen Zustände in Galizien gar nicht so düster aus. Wir wollen uns hier nur auf den am wenigsten gewürdigten Beruf, auf die jüdische Landwirtschaft in Galizien beschränken und die dort herrschenden Zustände kurz untersuchen. Nach den neuesten Veröffentlichungen der k. k. Statistischen Zentralkommission**) leben in Österreich 110 781 Juden vom landwirtschaftlichen Erwerb, wasca.8.4°/0 der jüdischen Bevölkerung im ganzen Staate ausmacht. Diese Tatsache wird auch nicht durch den Umstand abgeschwächt, daß die jüdische Bevölkerung in der gesamtösterreichischen Landwirtschaft nur mehr o.8°/0 darstellt; denn erstens beträgt unsere ganze Prozentnorm nicht mehr als 4.6% in Österreich und dazu ist Österreich noch vorwiegend ein Agrikulturstaat. Von einer jüdischen Landwirtschaft sind wir aber in diesem Staate um so eher berechtigt zu sprechen, als ja fast 1j1Q aller jüdischen Be- *) Siehe: Martin Buber, Die Polnischen und Franz Blei — Der Jude I. Jahrgang 11. Heft. *•) Berufsstatistik — Neue Folge Österreichischer Statistik III. Bd. 1. Heft, Wien 1916. rufstätigen in Österreich in der Landwirtschaft arbeiten (9.6% aller berufstätigen Juden). Der Schwerpunkt dieser jüdischen Berufsart liegt aber in Galizien. Von den 110781 1 andwir tschaf tlichen berufszugehörigen Juden in Österreich entfallen 93471 auf Galizien; der kleine Rest verteilt sich auf die anderen Kronländer. In erster Reihe steht hier die Bukowina mit ihren 12417 Juden in der Landwirtschaft; weit hinter ihr bleibt Böhmen mit der Zahl von 3304, Mähren mit 938 jüdisch-landwirtschaftlicher Bevölkerung etc. Schon aus diesen Zahlen ist ersichtlich, wie weit Galizien mit seiner jüdischen Landwirtschaft alle übrigen Kronländer überragt, denn dieses Land allein beherbergt 84°/0 der jüdischen Landwirtschaftsbevölkerung von Österreich, bei einem Bevölkerungsverhältnis von nur 66°/0 der österreichischen Juden. In der Tat zählt die Landwirtschaft in Galizien beinahe n°/0 (10.72) des jüdischen Elementes und wird, was diese Prozentnorm anbelangt, nur nochvonder Bukowina über troffen, welche I2.o6°/0 landwirtschaftlich berufszugehörige Juden besitzt. Was nun unser Verhältnis zur nichtjüdisehen landwirtschaftlichen Bevölkerung in Galizien betrifft, so drückt es sich in einer Relation von i.S9°/0 aus. Das ist an sich eine ziemlich bedeutende Position, besonders wenn man bedenkt, welch ungeheure Bedeutung die Landwirtschaft im Leben der Nichtjuden hat; denn die galizischeUrproduktion ist ein Massenberuf par excellence. Von 8025675 anwesender Bevölkerung sind 5863044 Personen, also 73°/0 landwirtschaftlich berufszugehörig, während im ganzen Staate die landwirtschaftliche Bevölkerung nur 48% beträgt. Ca. 79°/o aller Berufstätigen in Galizien arbeitet an der Scholle. Angesichts dieser beruflichen Hochwelle muß daher auch der verhältnismäßig kleine prozentuelle Judenanteil ganz anders gewertet werden. Das werden auch die weiteren Ziffern vollauf bestätigen. Das Gesagte zunächst zusammenfassend dürfen wir also die galizisch jüdische Landwirtschaft als maßgebend für die gesamtjüdische Landwirtschaft im Staate anerkennen und können, ohne in groben Fehler zu verfallen, die Ergebnisse in diesem Landesteile auf das Ganze beziehen und vice versa. Nach dieser Einleitung können wir zur spe-

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