Mannheim
Compact Memory

Der Jude · 1921-01-01 · Heft 7 · p. 494

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
2 (1917-1918)
Issue
Heft 7
Article
Über das Taylorsystem [Rezension]
Date
1921-01-01
Page
494 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3101111-3101126-3101132-3102505--1866-3102589
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

494 Zeitschriftenschau benden 8 Stunden Erholung sich auch noch die Kosten einer Liebhaberei leisten kann? Diese kann und soll ein Mann, der 8 Stunden wirklich gearbeitet und 8 Stunden geschlafen hat, doch gerade auch auf geistigem Gebiet suchen. Wenn in der Versammlung von Kauf leuten, in der Max Brod gesprochen, ihm gesagt worden ist, ein Kaufmann könne heute nicht zum Bücherlesen kommen, er sei abends müde vom Geschäft und habe keine Zeit dazu, so ist dieses traurige Zeugnis geradezu ein Beweis für die Notwendigkeit, daß ein Mann, wie Taylor, Anspruch darauf hat, gehört und beachtet zu werden. Leider Gottes haben wir in allen Ländern heute noch der Geschäftsherren die Menge, die sich einbilden, ein Angestellter oder Arbeiter leiste in 10 Stunden mehr als in 8, Mit diesen hat aber der neuzeitliche Betriebsleiter und Taylor auch schon gar nichts zu tun. Hugo Borst 2. Antwort Mechanisierung der Arbeit! Ausgezeichnet! Aber nur unter der einen Bedingung: daß die ersparte Zeit dem Arbeiter (für seine Seele und sein müdes Herz) zugute komme, vollständig bis zur letzten ersparten Sekunde zugute komme, nicht aber als „Mehrwert" in die Tasche des Kapitalisten fließe oder auf dem Weltmarkt durch die Konkurrenz annuliert werde. Solange hiefür die gesetzlichen Regelungen (staatliche und internationale) fehlen, ist jede intensive Ausnützung der Arbeiter eine Gefahr, jeder technische „Fortschritt" ein menschheitlicher Rückschritt. — Die Situation ist tragisch, darf aber durch Deklamationen vom „Zeitalter der drahtlosen Telegraphie und Flugmaschine" nicht verundeutlicht werden. Die Erfindung der Flugmaschine mag ein geistiger Impetus, ein Erlebnis, seelischer Realität gewesen sein, die Ausnützung der Flugmaschine unter den heutigen Bedingungen fördert nur den Ungeist und das irreale Leben. Als die Schreibmaschine eingeführt wurde, bestand die Möglichkeit, vielen Hunderttausenden von Kontorbeamten auf Grund ihrer bisherigen Leistungen freie Nachmittage zu geben. Wo sind die freien Nachmittage, wo sind sie? Wo ist Schlittschuhlauf und helles Ausatmen unter Waldbäumen der nahen Ausflugsorte, wo ist das schöne Buch und die Liebe, das freie Auge und der begeisterte Mund? Nichts von allem! Wo früher zwei arbeiteten, reicht heute einer aus, der aber ebenso lange arbeiten muß wie vor der „segensreichen" Erfindung. — Es mußte aber so sein, erwiderst du, denn die Konkurrenz usf. . . Gut, dann schreie ich: weg mit den Erfindungen oder her mit neuen Gemeinschaften nach neuen Gesetzen! Max B rod ZEITSCHRIFTENS CHAU Die Arbeitergenossenschaften in Palästina Die rührige Verwaltung des „Jüdischen Nationalfonds" rindet mitten im Kriege neben ihrer umfassenden Organisierungs-, Propaganda- und Verwaltungstätigkeit noch Zeit, die wichtigsten Probleme nationaler Kolonisationstätigkeit durch Veröffentlichungen theoretischer Natur zwecks Klärung der Meinungen und Vorbereitung der nach dem Kriege zu entfaltenden größeren Siedlungstätigkeit zur Erörterung zu bringen. Der jüngst erschienenen Broschüre von I. Oettinger, die hauptsächlich dem Betriebsproblem gewidmet war, folgte kurz darauf das zweite Heft der vom Hauptbüro herausgegebenen Zeitschrift „Erez Israel", das vornehmlich die Frage der Arbeitergenossenschaften behandelt und eine Fülle der anregendsten und belehrendsten Beiträge von Theoretikern und Praktikern enthält. Die „Arbeiterfrage" steht bekanntlich im Mittelpunkt aller jüdischen Kolonisationsprobleme. Handelt es sich bei der Kreditfrage am Ende doch nur um Beschaffung von Geld, und bei der Betriebsfrage um richtige Anpassung an die gegebenen Verhältnisse auf Grund einer jahrzehntelangen Erfahrung, so sind in der sogenannten Arbeiterfrage eine Fülle von Schwierigkeiten zu überwinden, die — wenigstens zum größten Teil — eine völlige Neuschöpfung auf Grund fortgesetzter Ver-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.