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Der Jude · 1919-01-01 · Heft 5-6 · p. 410

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
2 (1917-1918)
Issue
Heft 5-6
Article
Der Strumpfwirker
Date
1919-01-01
Page
410 (sequence 2)
Language
German
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Heinrich Eduard Jacob: Die Fische springen der Sonne entgegen Gulden zufrieden sein." —„Dann hätte ich", sagte der Mann, „diesen Preis genannt." Sogleich bezahlte ihm der Baalscherri, was er verlangt hatte; dann fragte er ihn weiter: „Womit gibst du dich ab?" —„Ich betreibe mein Handwerk," antwortete der Mann. —„Und wie betreibst du es?" —„Ich arbeite, bis ich vierzig oder fünfzig Paar Strümpfe beisammen habe. Dann lege ich sie in eine Mulde mit heißem Wasssr und dann presse ich sie, bis sie sind, wie sie sein sollen." —„Und wie verkaufst du sie?" —„Ich gehe nicht aus meinem Hause, sondern die Krämer kommen zu mir und kaufen sie. Auch bringen sie mir gute Wolle, die sie für mich eingehandelt haben, und ich gebe ihnen einen Lohn für ihre Mühe. Nur dem Rabbi zu Ehren bin ich dies eine Mal aus meinem Hause gegangen." —„Wenn du aber frühmorgens aufstehst, was tust du da, ehe du beten gehst?" —„Da mache ich auch Strümpfe." —„Und wie hältst du es mit dem Psalmensagen?" —„Welche Psalmen ich auswendig weiß", antwortete der Mann, „die sage ich mir vor." Als der Strumpfwirker heimgegangen war, sagte der Baalschem zu den Jüngern, die ihn umgaben: „Heute habt ihr den Grundstein gesehen, der den Tempel trägt, bis der Erlöser gekommen ist." Martin Buber DIE FISCHE SPRINGEN DER SONNE ENTGEGEN Von Heinrich Eduard Jacob Aus vieler Stunden Weintrunk und Schenkendunst kamen wir müden, fröhlichen Freunde zum Ufer des Sees. Es morgnete schon. Und hinter den Bergen — im Wehen erfühlbar — stieß eine unsichtbare Hand den glühenden Lichtball aufwärts und aufwärts. Eine Hülle kühlen Opals stieg vor dem Nochnichtsichtbaren her. Da begann wie mit tausend Zymbeln, leicht gezupften, der See zu reden. Preisend stiegen die Fische auf, klein und metallen, und fielen zurück. Auf weiter Meile war alles Wasser vom Aufsprung silberner Funken bedeckt, und ihr Hinsinken klang wie das Singen des Sommerregens auf Laubendächern. Viel schöner war es als Irrlichtertanz auf feuchten Wiesen, der, leuchtend, doch stumm ist. . . Oh, wer lenkte dieses Ballett aus Flossenlichtern und flüssigen Tönen, aus kleinen Mäulern, geflügelten Flanken, Lautenschwirren und Phosphorglanz! Inniger aber als alles dies erfreute mich der bebende Glanz im halbgeschlossenen Auge der Freunde. Warum denn weinten sie? Doch wohl nicht, weil sie die Nachtzeit durchtrunken hatten —; Jünglingen ziemt es ja, zu schwärmen. . . Nicht Reue war es: gerührte Erhebung umwogte uns aus dem Reigen der Fische. Wie ihr kleines, argloses Herz bestrebt war, das Element zu verlassen, in dem es alleine doch schlagen konnte! Aber sie fühlten, daß

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