Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 2 (1917-1918)
- Issue
- Heft 5-6
- Article
- Theodor Herzl und Baron Hirsch
- Date
- 1918-01-01
- Page
- 358 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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358 Jakob Klatzkin: Die Unterredung ist von geschichtlicher Bedeutung. Wenn wir auch vieles an Baron Hirsch auszusetzen haben — für eines sind wir ihm dankbar. Dafür, daß er Herzl die Möglichkeit gegeben hat, diese Gedanken nicht ihm vorzutragen — wir wissen ja bis heute nicht, ob sie auf ihn gewirkt haben oder nicht—, daß er uns allen, daß er der Mit- und Nachwelt die Gelegenheit gegeben hat, diese Gedanken zu hören. Wir hören sie heute, nachdem zwei Jahrzehnte längst vorübergegangen sind, mit Staunen und Bewunderung. Und ihre Frische haben sie bewahrt, als wären sie jetzt eben ausgesprochen worden. Die Welt kracht in allen Fugen, die Schrapnelle explodieren, die Mörser dröhnen, die Erde bebt, bis zum Himmel reicht das Wehgeschrei einer höllische Qualen erduldenden Menschheit — das ist Gegenwart. Die schlichten Worte, die in dieser Unterredung ein einfacher Journalist einem Mächtigen gesagt hat, sie wirken stärker auf uns, sie wagen sich schüchtern an Ewigkeitsfragen, sie nähern sich demutsvoll dem Mysterium, das still, verschlossen liegt — sie sind Einblick in die Zukunft. Wien Adolf Stand DEUTSCHTUM UND JUDENTUM Eine Besprechung IL Judentum und Christentum Das Christentum — es ist ein Grundpfeiler, auf dem Cohen die Brücke zwischen Deutschtum und Judentum baut. Er zieht scheinbar folgende Schlüsse: Das Judentum ist Quelle des Christentums, das Christentum Quelle des Deutschtums, folglich ist das Judentum auch Quelle des Deutschtums. Nach dieser Analogie müßte aber das Judentum als Quelle der Geisteskultur aller christlichen Völker angesehen werden. Warum nimmt Cohen den Vorzug der Verbindung mit dem Judentum nur für das Deutschtum in Anspruch? Warum werden die Christen aller anderen Länder aus dieser Einbeziehung ausgeschlossen? Weil die jüdische Quellkraft des Christentums, meint Cohen, erst im Protestantismus lebendig und wirksam geworden ist, der Geist des Deutschtums wiederum im Protestantismus seine wahrhafte Ausdrucksform gefunden hat. Wie steht es nun um die Millionen deutscher Katholiken? Sie werden es vielleicht Hermann Cohen verzeihen, daß er sie des Bündnisses mit dem Judentum nicht würdigt. Aber werden sie nicht dagegen Verwahrung einlegen, daß er ihnen ihr Deutschtum und ihren Anteil an deutschem Volksgeist abspricht? Cohen sieht das innigste Band zwischen Deutschtum und Judentum im Idealismus, der ihften beiden gemeinsam sei. i. „Die deutsche Philosophie ist Idealismus/' Cohen bleibt den Beweis für die Behauptung schuldig. Ebenso wenig beweist er, daß der Idealismus, der „das