Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 2 (1917-1918)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Zwei Gedichte
- Date
- 1917-01-01
- Page
- 267 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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Zwei Gedichte 267 Da saugt uns langsam die tiefste Stelle der Nacht und von ferne Stößt ungelinderter Tag uns die steilen Gewinde hinab, Im würgenden Sturz nun umklammern wir uns und hülfen uns gerne! Und fliehn an das Fenster .. : und schwanken auch da wie über dem Grab: Denn Himmel blutet und flackert herein, von Zungen und Zähnen Der Sterne Durchbohrter prasselt und stürmt wie ein platzendes Haus, Das immer dunkler und funkelnder tiefere Schlünde umgähnen .. Als fiele ich nun durch das unterste Loch des Trichters hinaus . .. Ach teuflische Wirrnis, endlose Blitze, mein Haupt auszusaugen, Millionenzersprengtes Feuerwerk, tanzend mit sprödem Gekreisch! Ach Hohn auf das eine Licht, das ich suchte . . . Die Hand auf den Augen Sank ich mit bitterem Munde dem Schlaf an das ärmliche Fleisch. Das Herz Vergessen lag das Herz in unsrer Brust, Wie lange! ein Kiesel in des Willens Lust, Nur mit den wasserkühlen spiegelnden Händen Manchmal berührt, unbewußt. Einsiedlerisch in sich geschweift, so klein Und überflüssig dem verzerrten Stein Der Bauten und des Geldes stählernem Throne, Nie greifend in die spitzen Räder ein. 0 endlich ist das Schneegebirg verbraucht! Der kalte Strom versiegt und raucht, Sinkt blutlos in das eigene Vorüberwüten — Doch glühend blüht das Land, das nun auftaucht, Das Herz . . . das schmal wie eine Sonne brennt, Die Sterne nun nach seinen Strahlen nennt, Das kleine Herz blickt unermeßlich Aus seines offnen Hauptes Firmament! 0 Stirn, das Zeichen dieses Herzens trag. Und Nacht, steh heller auf von seinem Schlag! Es faßt die breite Erde um . . . und über die Ränder Der Welt hinaus strahlt es den Tag. t8*