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Der Jude · 1917-01-01 · Heft 3 · p. 216

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
2 (1917-1918)
Issue
Heft 3
Article
Der Anteil der Juden an der revolutionären Bewegung in Rußland
Date
1917-01-01
Page
216 (sequence 2)
Language
German
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2x6 Daten und Materialien In den Jahren Religion 1884-90 1901-03 1906-11 °/ 10 0/ 10 °/o Rechtgläubige . . 60,9 51,2 77,6 Altgläubige und Sektierer .... 1,0 o,9 o,7 Katholiken.... 19,2 14,4 8,6 13,4 %9,1 8,0 Sonstige Konfes- 5,5 4,4 5,i Insgesamt 100,0 100,0 100,0 Während mithin die rechtgläubige russische Bevölkerung, die etwa 70% der Gesamtbevölkerung des russischen Reiches ausmacht, in der dem Ausbruch der russischen Revolution im Jahre 1905 vorangegangenen kurzen Periode die Hälfte (51,2) aller politischen ,, Verbrech er" lieferte und di e B eteiligungsquote der anderen nichtrussischen Nationalitäten an der revolutionären Bewegung im gleichen Zeitabschnitt das Doppelte ihres prozentuellen Bevölkerungsanteils betrug, erreichte die Prozentzahl der wegen politischer Vergehen belangten Juden in den Jahren 1901—1903 — 29,1% — mithin nahezu das Achtfache ihres prozentuellen Anteils an der russischen Gesamtbevölkerung (4%)! In den der ersten russischen Revolutionsepoche vorangegangenen Jahren (1901—1903) bildeten demnach die Judenein volles Drittel aller „Politischen". Die jährliche Durchschnittsziffer der gerichtlich verfolgten jüdischen Revolutionäre erreichte damals etwa 750. Den höchsten prozentuellen Anteil der Juden an der Revolutionsbewegung weist das Jahr 1905 auf — 34,i°/0 aller wegen revolutionärer Umtriebe Verhafteten waren Juden. Seit diesem Jahre ist die Verhältniszahl der Juden in fortwährender Abnahme begriffen. In den Jahren 1906—1911 überstieg der Revolutionsanteil der Juden ihren Bevölkerungsanteil um das Doppelte, während die Einzeljahre 1910 und 1912 sogar eine gleiche Höhe der ersten und 4etzten Prozentziffer aufweisen. Zur richtigen Bewertung dieses Zahlenergebnisses bedarf es freilich der Berücksichtigung eines anderen Umstandes. Unsere russische Revolutionsstatistik unterscheidet nämlich zwischen „revolutionärer Tätigkeit" „Majestätsbeleidigung"und „Unruhen". Für das Jahr 1911 liegen für die ersten beiden Arten politischer Vergehen besondere Ziffern vor. Es geht aus diesen hervor, daß die Juden von den eigentlichen „Revolutionären" tatsächlich 9,7°/0 ausmachten, während der Anteil der Gesamtzahl der Verurteilungen bloß 5,9% erreicht. Dasselbe gilt ohne Zweifel auch für die Jahre 1910 und 1912. Auch in diesen die niedrigste jüdische Beteiligungsziffer aufweisenden Jahren überstieg der Anteil der Juden an der eigentlichen revolutionären Bewegung ihren Bevölkerungsanteil bei weitem*). Von besonderem Interesse ist die Feststellung der Beteiligung der jüdischen Frauen an der revolutionären Bewegung. Auch hier marschieren die Juden an der Spitze. Insgesamt bildeten die revolutionären Frauen im Jahre 1901—1903 durchschnittlich 5,5%, 1906—1911 i2,5°/0 aller politischen Inkulpaten. Dem Gl aubensbekenntnisse nach gestaltete sich der prozentuelle Anteil der Frauen wie folgt: Prozentverhältnis der revolutionären Frauen zur Gesamtzahl der „politischen Verbrecher" jeder Gruppe 1901—1903 1906—1911 Bei den Juden 12,3 19,6 Bei den Rechtgläubigen 4,8 10,1 Der prozentuelle Anteil der jüdischen Frauen an der revolutionären Bewegung war mithin in der Zeit vor der Revolution von 1905 weit mehr als doppelt, in der Zeit nach ihr annähernd doppelt so groß wie der der Nicht- Jüdinnen. Leo Rosenberg *) Im übrigen sei zum besseren Verständnis und zur Ergänzung der obigen Ausführungen auf eine demnächst erscheinende größere Studie über „Russische Revolutionsstatistik" vom Verfasser hingewiesen. Berichtigung In Heft 1/2 ist auf S. 98, Z. 15 statt „Menschen" zu lesen: Momente, und auf S. 99, statt „Abraham": Chaldaea. Z. 13 Für die Redaktion veianlwoitlich: Di. Max Maytr, EtiÜn W 15, Dtsuldciici Stiaße 23. — Für Österreich-Ungarn Dr. M. Präger, Wien I, Rotenturmstraße 22. — Verlag von R. Lßwit, Berlin und Wien. — Druck von Oscar Brandstetter in Leipzig.

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