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Der Jude · 1917-01-01 · Heft 3 · p. 197

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
2 (1917-1918)
Issue
Heft 3
Article
El Odaun
Date
1917-01-01
Page
197 (sequence 2)
Language
German
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Zwei Gedichte von Ben Elieser 197 Diese urechte jüdische Melodie habe ich in meiner Jugend von meinem Vater gehört, der zwar selbst ein Misnagid war, aber durch glücklichen Zufall viel mit Chassidim verkehrte. Vielleicht aber hörte mein Vater diese Melodie in Odessa, wo er längere Zeit lebte. — Chassidisch ist sie im ganzen innigen außergottesdienstlichen Charakter und nicht nur im charakteristischen „ba ba bam". Und urjüdisch ist sie durch und durch. Da streitet man nun seit Jahrzehnten, ob eine jüdische Musik existiere. Hier ist eine Melodie in phrygischer Tonfolge,—was ist sie anders als jüdisch? Ihre Seele, ihr ganzer Atem und ihre ganze musikalische Eigenart ist eben nur jüdisch und nichts anderes. Von irgend welchen fremden Einflüssen kann nicht etwa kaum, wie man zaghaft feststellen möchte, sondern nie und nimmer die Rede sein. Will man also jüdische Melodieen, jüdische Musik, so sehe man nunmehr nicht ewig nach der mit Recht so berühmten Kol-nidre-Weise, sondern nach solchen und ähnlichen Stücken, wie das obige. — Dem Musiker wird noch die interessante Tatsache auffallen, daß in unserer Melodie zwei phrygische Tonarten (denn der Schluß in H ist nicht etwa hypophrygisch, wie man gern entdecken möchte, sondern wieder, infolge des Fis, rein phrygisch) miteinander so verbunden sind, wie moderne nächstverwandte zwei Molltonarten. Der Dominanten-Charakter der H-Tonart bleibt denn auch genügend im Bewußtsein, so daß die beiden nächsten Verse des Stückes, die zusammen wieder unsere Weise ergeben, von neuem klar und folgerichtig mit E begonnen werden können. ZWEI GEDICHTE Von Ben Elieser Und eine dunkle Wolke kam gezogen Und fraß das Licht. Und Sinn und Sonne schwand Von unsres Daseins Hin- und Wiederwogen. Nun, Vater, sind wir so von Dir verbannt, Wie Der, den Du von Deinem Thron getrieben, Daß er in Ewigkeiten sei verdammt, Zu hassen, was zu innerst in ihm flammt, Und mit dem heißen Herzen nie zu lieben. Erbarme Dich. Sieh! Deiner Güte Saat Will schon erfrieren unter fremden Schauern! Der uns mit Listen lockend sonst genaht, Türmt Macht auf Macht, uns lebend einzumauern! Wohl sind wir Dein. Doch bang ist unser Blut. Wir sind ja Kinder, kaum zum Licht entstiegen, — Sind Weidenbäumchen, die im Wind sich biegen, Und so verwöhnt von Deiner Huld und Hut! Wie sollen wir in Wahn ud Wust uns wahren,

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