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Der Jude · 1917-01-01 · Heft 1-2 · p. 141

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Journal
Der Jude
Volume
2 (1917-1918)
Issue
Heft 1-2
Article
Die Zahl der Juden
Date
1917-01-01
Page
141 (sequence 3)
Language
German
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Daten und Materialien 141 (Überschusses der Geborenen über die Gestorbenen) von 16,61 pro Mille der Bevölkerung, wie ich ihn in meiner Schrift über die sozialen Verhältnisse der Juden in Rußland (Berlin 1906, S. 29) berechnet habe, erhalten wir für die beiden Jahrfünfte 1906/1910 und 1911/1915 folgende Rechnung: a) Zahl der Juden nach der Volkszählung 1905.....7 , . 6 060 415 natürlicher Zuwachs 16,61 pro Mille jährlich in dem Jahrfünft 1906/1910....... 503 317 6 563 732 abzüglich Auswanderung in die Vereinigten Staaten 453 955 in sonstige Länder Vs hiervon......90 791 544746 ergibt für das Jahr 1910 eine jüdische Bevölkerung.....6018986 b) natürlicher Zuwachs 16,61 pro Mille jährlich in dem Jahrfünft 1911/1915....... 499877 abzüglich Auswanderung in die Vereinigten Staaten ... 1911 91223 1912 80595 1913 101330 1914 und 1915 etwa 100 000 373 148 in sonstige Länder xj5 74630 447778 ergibt für das Jahr 1915 eine jüdische Bevölkerung von . 6 071 085 Die Zahl der russischen Juden im Jahre 1915 übersteigt also die Zahl der Volkszählung von 1897, die bisher noch immer als Grundlage benutzt wurde, um etwa 856 000 Seelen. Bringt dieser Zuwachs schon eine bedeutende Veränderung in der Gesamtzahl der Juden in der ganzen Welt hervor, so kommt noch hinzu, daß auch in anderen Ländern die Zahl der Juden gegenwärtig viel größer ist, als sie früher angegeben wurde. So ist z. B. durch die starke Einwanderung die Zahl der Juden in den Vereinigten- Staaten, die im Jahre 1900 nur etwas über eine Million betrug, im Jahre 1915 auf 2% Millionen angewachsen. In Kanada stieg die Zahl der Juden aus dem gleichen Grunde von 16432 ™ Jahre 1901 auf 74564 im Jahre 1911. Ebenso hat sich in England, Ägypten, Palästina, Argentinien die Zahl der Juden durch Einwanderung stark vermehrt. In einigen nordafrikanischen (Marokko und Algier) und vorderasiatischen Staaten (Persien, Buchara) naben neuere Zählungen oder Schätzungen das Vorhandensein einer größeren Zahl von Juden ergeben, als früher angenommen wurde. In der nachfolgenden Zusammenstellung der Juden aller Länder sind die Zahlen auf Grund der letzten Volkszählungsdaten eingesetzt worden; soweit Volkszählungsdaten nicht vorhanden sind, weil in dem betreffenden Lande Volkszählungen gar nicht stattfinden oder das Religionsbekenntnis nicht berücksichtigen, sind die besten vorhandenen Schätzungen und in deren Ermangelung eigene Schätzungen benutzt worden. Soweit die letzten^ Volkszählungsdaten oder Schätzungen älter sind als von 1909, ist in einer Anmerkung eine Schätzung für die Gegenwart hinzugefügt. Um die Zahl von i33/4 Millionen mit der numerischen Stärke anderer Nationalitäten zu vergleichen, sei erwähnt, daß die Polen (in Rußland, Österreich und Deutschland) etwa 17 Millionen, alle christlichen Balkanvölker (Rumänen, Bulgaren, Serben, Griechen) zusammen etwa 17V2 Millionen, die Irländer (in Irland und Amerika) etwa 7 Millionen, die Armenier (in Rußland und der Türkei) etwa 3 Millionen zählen. Allerdings haben diese anderen Nationalitäten vor den Juden das voraus, daß sie räumlich konzentriert, das heißt in einem bestimmten Gebiet durchaus vorherrschend und (abgesehen von Polen, Iren und Armeniern) zu einem eigenen Staatswesen zusammengeschlossen sind, während den Juden sowohl die räumliche Konzentration wie der staatliche Zusammenhang fehlt. Interessant ist, daß die Zahl der Juden in keiner früheren Epoche auch nur annähernd so groß war wie jetzt. Während die Zahl von 4V2 Millionen Juden, die zur Zeit der Zerstörung des jüdischen Staatswesens vorhanden waren, bis zum 19. Jahrhundert nie wieder erreicht wurde, im Gegenteil bis auf i1/* Millionen am Ende des 17. Jahrhunderts gesunken und erst im Laufe des 18. Jahrhunderts auf 3 Millionen gestiegen war, hat sich diese Zahl im Laufe des 19. Jahrhunderts vervierfacht und ist heute (1915) auf i33/4 Millionen angewachsen. Würde dieses rapide Wachstum anhalten, so würden die Juden in wenigen Generationen den großen europäischen Nationen an Zahl ebenbürtig sein. Es scheint aber, daß das Wachstum sich mehr und mehr verlangsamt und auf eine ähnliche Steigerung wie im 19. Jahrhundert nicht mehr zu rechnen ist. Immerhin ist es möglich, daß das 20. Jahrhundert die Zahl der Juden auf 25 und vielleicht auch auf 30 Millionen ansteigen sehen wird.

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