Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 2 (1917-1918)
- Issue
- Heft 1-2
- Article
- Die Zahl der Juden
- Date
- 1917-01-01
- Page
- 139 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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DATEN UND MATERIALIEN Die Zahl der Juden8) Kein Volk — mit Ausnahme vielleicht der Chinesen — kann die Statistik seiner Seelenzahl in so entfernte Zeiträume zurückführen, wie die Juden. Schon für die Zeit des Auszuges der Juden aus Ägypten, also etwa für das 13. vorchristliche Jahrhundert, finden sich ziffernmäßige Angaben über die Gesamtzahl der Juden im Pentateuch (II. Buch Moses 12, 37; IV. Buch Moses Kap. 1—3 und Kap. 26). Auf Grund einer Volkszählung, die Moses gemäß einem Befehle Gottes vornahm, wird hier die Zahl der waffenfähigen Männer auf 600000 (IL Moses 12, 37 gegenüber 603550 — ohne die Leviten — in IV. Moses 1, 46 und 601730 — wiederum ohne die 23000 Leviten — in IV. Moses 26,51) angegeben. Das würde mit den Frauen und Kindern eine Gesamtzahl von mindestens 2 Millionen ergeben. Aber selbst wenn wir diese Zahlen als legendenhaft außer Betracht lassen, so kommen wir doch für die Zeit der Rückkehr der Juden aus der babylonischen Gefangenschaft (5. vorchristliches Jahrhundert), für welche die Zahl der Männer in Esra 2, 64 mit 42360 angegeben wird, bereits auf Ziffern, die nicht unglaubwürdig erscheinen. Mit den Frauen und Kindern würde die Seelenzahl der aus Babylon zurückkehrenden Juden etwa 150000 betragen haben, und unter Hinzurechnung der Juden, die in Babylon verblieben, wird man die Gesamtzahl der Juden im 5. vorchristlichen Jahrhundert nicht auf weniger als 300000 veranschlagen können. In den folgenden fünf Jahrhunderten bis zur Zerstörung des jüdischen Staatswesens erfuhr diese Zahl dann eine gewaltige Steigerung, einmal durch die natürliche Vermehrung und sodann durch die Aufnahme benachbarter *) Wie wir einem im Augenblick der Drucklegung eingehenden Brief des Verfassers (dem der Entfernung seines Aufenthaltsorts und «er gegenwärtigen Postverkehrsverhältnisse wegen ein Bürstenabzug nicht zugestellt werden konnte) entnehmen, haben sich ihm einige Korrekturen in dem vor längerer Zeit verfaßten Aufsatz als erforderlich erwiesen. Wir werden sie in einem der nächsten Hefte nachtragen. (Anm. d. Red.) Völker. Josephus (Jüdischer Krieg, 6. Buch 9, 3) berichtet, daß in dem Kriege, der im Jahre 70 mit der Zerstörung Jerusalems endete, 97000 Juden gefangen genommen wurden, und sagt dann weiter: „Ums Leben kamen während der Dauer der Belagerung Jerusalems eine Million und hunderttausend. Die meisten waren geborene Juden, aber nicht nur aus Jerusalem, denn aus dem ganzen Lande war das Volk zum Pessachfeste nach Jerusalem zusammengeströmt, und da es hier ganz unversehens von der Belagerung überrascht wurde, war bei dem engen Zusammenwohnen der Ausbruch der Pest und später auch noch der verderblicheren Hungersnot unvermeidlich." Josephus selbst fühlt, daß diese gewaltige Zahl von 1100000 Toten starkem Zweifel begegnen würde. Er fährt deshalb fort: „Daß aber die Stadt eine solche Menschenmenge fassen konnte, ergibt sich aus einer zu Cestius' Zeit" (das heißt ungefähr 10 Jahre vorher) „stattgehabten Zählung. Um nämlich dem Nero, der vom jüdischen Volke sehr geringschätzig dachte, den blühenden Zustand von Jerusalem zu beweisen, beauftragte Cestius die Hohepriester, womöglich die Bevölkerung zu zählen/' (Das durfte wegen eines religiösen Verbotes nicht direkt durch Zählung der Personen, sondern nur indirekt durch Zählung der von ihnen dargebrachten Opfer oder in ähnlicher Weise erfolgen.) „Da nun gerade das Pessachfest war, an welchem von der neunten bis zur elften Stunde Opfer dargebracht werden, wobei um jedes Opfer sich eine Gesellschaft von mindestens 10 (oft auch 20) Männern versammelt, ermittelte man durch Zählung 256000 Opfertiere, d. h. in runder Zahl mindestens 2700000 Männer." Mit Frauen und den unter 13 Jahren alten zur Teilnahme am Opfer unfähigen Knaben, würden wir hiernach zu einer Zahl von mindestens 6 Millionen Juden gelangen. Obwohl kein Zweifel darüber bestehen kann, daß Palästina vor der Zerstörung des Tempels außerordentlich dicht besiedelt und intensiv bebaut und wohl imstande war, mehrere Millionen Menschen zu ernähren, so scheint die Zahl des Josephus doch stark übertrieben. Auch geht sie weit hinaus über die Mitteilung desTacitus (Historiae V., 13), daß die Gesamt-