Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 2 (1917-1918)
- Issue
- Heft 1-2
- Article
- Unser Nationalismus
- Date
- 1917-01-01
- Page
- 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Leo Ohas an o witsch: Der jüdische Kongreß 3 ihr warmes Leben ergriff. Lag das nur an ihm? Es lag auch an der Freiheit. Der emanzipierte Jude des Ostens wird sein Judentum nicht verfehlen, weil er sein Menschentum nicht verfehlen wird. Wird das nur an ihm liegen? Es wird auch an der Freiheit liegen. Wir glauben an ihre Reife und an seine in einem, denn wir glauben an die beginnende Reife der Menschheitsseele. Unser Nationalismus wurzelt in diesem Glauben. Martin Buber DER JÜDISCHE KONGRESS Zwei Jahre lang dauerte der Kampf um den amerikanisch-jüdischen Kongreß und um die mit ihm zusammenhängenden Fragen. Es war ein heißer, leidenschaftlicher Kampf, der zuweilen in Gehässigkeiten und persönliche Verunglimpfungen auszuarten drohte. Heute ist dieser Kampf eine Sache der Vergangenheit. Die amerikanische Judenschaft steht endlich geeinigt da, fähig und bereit, in der Angelegenheit des so schwer heimgesuchten jüdischen Volkes der Alten Welt handelnd aufzutreten. Das Zustandekommen des Kongresses ist gesichert, seine Ziele sind genau umschrieben, sein Charakter und seine Zusammensetzung festgelegt* Der einberufende Ausschuß wird von Personen geleitet, deren Name dafür bürgt, daß er sich des ihm gewordenen Auftrags gewissenhaft entledigen wird. Nur der Zeitpunkt der Tagung des Kongresses ist neuerdings ungewiß geworden. Einem Beschluß der konstituierenden Sitzung des einberufenden Ausschusses gemäß sollte der Kongreß spätestens am i. Mai 1917 zusammentreten, es sei denn, daß eine Zweidrittelmehrheit unvorhergesehener Umstände halber den Aufschub für rätlich hält. Dieser Fall dürfte durch den inzwischen akut gewordenen deutsch-amerikanischen Konflikt als gegeben erscheinen. Daß der Kongreß höchstens aufgeschoben, aber keineswegs aufgehoben werden wird, unterliegt keinem Zweifel.*) Da die völlige Einigung aller in Betracht kommenden Faktoren bereits erzielt und die mit dem Vertrauen der gesamten amerikanischen Judenheit bekleidete Leitung der Bewegung am Werke ist, so kann die Frage des Zeitpunkts der Tagung keinen Gegenstand des Parteistreites mehr bilden, sondern wird vom einberufenden Ausschuß ausschließlich nach Erwägungen der politischen Zweckmäßigkeit entschieden werden. Der Kongreßapparat ist geschaffen und kann jeden Augenblick in Bewegung gesetzt werden. Die endlich erfolgte Einigung der Judenschaft Amerikas, an sich ein höchst wichtiges Ereignis in dieser schicksalsschweren Zeit, gewinnt durch die Tatsache unendlich viel an Bedeutung, daß sie auf Grundlage einer nationalen Plattform erreicht worden ist. Der jüdische Kongreß, alle Schichten und alle Richtungen des Volkes in Amerika vertretend, wird angesichts der ganzen zivilisierten Welt seine Stimme für die bürgerliche, politische und nationale Gleichstellung der Juden Osteuropas und für die „Sicherung und Beschützung der jüdischen Rechte in Palästina" erheben und eine Exekutive mit dem Auftrag einsetzen, im Verein mit den Juden der anderen Länder die jüdischen Interessen bei den '") Der Kongreß ist inzwischen auf den 2. September verschoben worden. (Anm. d. Red.) 1*