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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1938-10-01 · 1 (10.1938) · p. Seite 13

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
17 (1938)
Issue
1 (10.1938)
Date
1938-10-01
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
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Nr. 1 Oktober 1938 „Jüdisches Gemeindeblatt für Frankfurt" Aus unserer Gemeinde Zum "Abschied zweier Stellvertretender Vorsitzender des Gemeindeverstands Vor einigen Wochen ist einer der stellvertretenden Vorsitzenden des Vorstands unserer Gemeinde, Herr Hugo Hecht, ausgewandert und damit aus seiner Arbeit für die Gemeinde geschieden. Nach kurzer Tätigkeit in der Fraktion der jüdischen Volkspartei unserer Gemeindevertretung kam Hugo Hecht im Jähre 1931 in den Vorstand der Gemeinde, dessen Arbeiten er sich, als das jüngste Mitglied des Gremiums, sogleich hingebend widmete. Seine Wahl zu einem der stellvertretenden Vorsitzenden des Vorstands war ein Beweis für die Anerkennung der Arbeit Hugo Hechts, die er in großem Verantwortungsbewußtsein in beispielhafter Weise in einer Reihe von Aemtern leitete, die ihm im Laufe der Jahre übertragen wurden: als Vorsitzender des Pflegamts unseres Krankenhauses, der Beratungsstelle für Wirtschaftshilfe, als Mitglied der gemischten Finanzkommission, der Finanzkommission des Vorstands, des Jugenddezernats, als stellvertretender Vorsitzender des Schulrats des Philanthropins und zahlreicher anderer Kommissionen und Institutionen der Gemeinde und der übergemeindlichen Organisationen (Reichsvertretung). Auch in der Organisation der Jüdischen Winterhilfe hat Hugo Hecht der Gemeinde wertvolle Dienste geleistet. Die Tätigkeit Hugo Hechts, getragen von Freude an jüdischer -Arbeit und Liebe zum Judentum hat ihn in unserer Gemeindeverwaltung zu einem schwer zu ersetzenden Mitarbeiter werden lassen. Wir sind überzeugt, daß seine Freude an jüdischer Arbeit und seine Schaffenskraft ihn auch in seinem künftigen Lebenskreis zur Erfüllung jüdischer Aufgaben führen wird. * In den nächsten Tagen verläßt Herr Sanitätsrät Dr. Albert Ettlinger mit seiner Gattin unsere Gemeinde. Wer Sanitätsrat Dr. Ettlinger kennt — und es wird wenige Juden in unserer Stadt geben, die den vornehmen, feinen und aufrechten Mann nicht kennen -, weiß, was unsere Gemeinde und ihre Institutionen durch diesen Weggang verlieren. Sanitätsrat Dr. Ettlinger, der im 77. Lebensjahr steht, verläßt unsere Gemeinde so schwer, wie wir ihn ziehen sehen. Viele Jahre seines gesegneten Lebens galten dem hingebungsvollen Dienst an unserer Gemeinde und ihren Aufgaben. Dr. Albert Ettlinger ließ sich noch 1890 als Facharzt in unserer Stadt nieder. Schon nach zehn Jahren wurde er zum ersten Vorsitzenden der Rettungsgesellschaft vom Roten Kreuz gewählt und hat sich hier allgemein anerkannte Verdienste erworben. Während des Krieges war er als Ober^ siabsarzi Leiter eines großen Lazaretts. Seit langem im Vorstand des. Freisinnigen Vereins für jüdisches Gemeindeleben und seit vielen Jahren als dessen Vorsitzender tätig, wurde Dr. Albert Ettlinger 1921 in . den Vorstand unserer Gemeinde berufen. 1934 würde er einer, der stellvertretenden Vorsitzenden des Gemeindevorstandes. Als Vorsitzender der Wohlfahrtspflege und der ihr angeschlossenen Winterhilfe ist Sanitätsrat Dr. Ettlinger ein mit allem Mitgefühl bereiter und aus warmem Herzen urteilender Betreuer unserer Armen geworden. Als Vorsitzender des Schulrats des Philanthropins stand er dem Schulw/erk unserer Gemeinde mit ausgleichender und ruhiger Ueberlegung vor, ein Mann, dessen eigene, tiefe Bildung die Voraüssetzungen schuf, unsere Bildungsstätten zu betreuen. So wurde er auch der Vorsitzende unseres Jüdischen Kulturbunds Rhein-Main, dem er' sich aus seiner Kenntnis von Kultur und Kunst, aber auch von den Nöten des jüdischen Menschen in unserer Zeit, mit vollem Einsatz zur Verfügung stellte. In jüdischen und interkonfessionellen Stiftungen war Sanitätsrät Dr. Ettlinger der vornehme Repräsentant unserer Gemeinde,- das Ansehen, das er genießt, gereichte stets unserer Gemeinde zur Ehre. Mit besonderer Hingabe widmete sich Dr. "Ettlinger in den letzten Jahren den Sorgen seiner Berufskollegen, der jüdischen Aerzte. Die Fortbildungskurse in unserem Krankenhaus sind durch ihn, dem Medizinaldezernenten des Vorstandes, mitgeschaffen und betreut worden. Er hat sich ihrer bis zu ihrem Ende mit Liebe und innerer Verbundenheit angenommen. Nicht nur der allzeit bereite, nie ermüdende Mitarbeiter des Gemeindevorstandes, auch der sonnige, vornehme und wohlwollende Freund aller seiner Mitarbeiter wird bei uns schmerzlich vermißt werden. Die Wünsche und der tiefe Dank, die den verehrten Mann und seine Gattin begleiten, gelten noch vielen Jahren glücklichen Zusammenlebens mit Kindern und Enkeln! Ghr. Sitzung der Gemeindevertretung Dienstag, 6. September 1938 Sitzungsbericht von Bürodirektor J. Meyer Der Vorsitzende, Herr Dr. Richard Merzbach, eröffnet in Anwesenheit von 30 Gemeindevertreten und 9 Mitgliedern des Vorstandes die Sitzung. Die Fraktion der jüdischen Volkspartei hat anstelle des durch Auswanderung ausgeschiedenen Herrn Hugo Goitein, Frau Selma Cohen in die Gemeindevertretung gewählt. Frau Cohen wird von dem Vorsitzenden mit dem Wunsche begrüßt, daß ihre Mitarbeit der Gemeinde zum Segen gereichen möge. - Der Vorsitzende begrüßt sodann das Vor7 Standsmitglied Herrn Moritz Bloch, welcher heute zurff. ersten Mal an den Verhandlungen der Gemeindevertretung,- teilnimmr: Die Vorstandsmitglieder Hugo Hecht, Dr. Alfred St raus und Dr. Nathan Rosenthal haben infolge Auswanderung ihre Aemter niedergelegt. Herr Dr. Straus hat aus diesem Anlaß RM. 200.- zur Verwendung für bedürftige Auswanderer gespendet! Herr Dr. Rosenthal hat auf den Rest des früher gewährten Steuerdarlehens in Höhe von RM. 200 verzichtet. Der Vorstand hat über das Ausscheiden der um die Gemeinde verdienten Vorstandsmitglieder sein schmerzliches Bedauern ausgesprochen, ihnen für ihre selbstlose und Sehr preiswert!!! Damen-, Herren-und Kinderschuhe A u ch H a u s- und Arbeits s c h u h e Ueberschuhe, Turn- und Sportschuhe Meine Stärke nach wie vor: REINECKSTRASSE 21 Gegenüb. d. Klcfnmarkthallo

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